Rewe klärt Lieferanten auf

von Redaktion LZ
Freitag, 07. Juni 2013
Volker Dürschlag
Rewe Group
Volker Dürschlag
LZnet. Die Kölner Rewe Group hat eine Seminarreihe zum Thema Compliance für Lieferanten angestoßen. Ziel ist es, Geschäftspartner über die rechtlichen Grundlagen zu informieren und die Sensibilität füreinander zu wecken.
Regeltreue ist der Rewe Group wichtig. Seit die Kölner sich dem Deutschen Corporate Governance Kodex verpflichtet haben, feilen sie an einem konzernweiten Compliance-System, haben ein Antikorruptionssystem installiert und sämtliche Mitarbeiter im Einkaufsbereich geschult. Jetzt geht der Händler noch einen Schritt weiter: In Kooperation mit dem Bonner Beratungsunternehmen AFC Management Consulting GmbH hat er ein Seminarkonzept für Lieferanten und Geschäftspartner entwickelt. "Wir wollen Wissen vermitteln und die Sensibilität füreinander wecken", erklärt Volker Dürschlag, Chief Compliance Officher der Rewe Group. Denn nur wer die Regeln kennt, kann sie auch einhalten.

In der vergangenen Woche hat der erste Termin stattgefunden. Das tagesfüllende Seminar beinhaltet drei Blöcke: Neben grundlegenden Informationen zu den Themen Korruption und Kartellrecht wird das Rewe-Compliance-Management-System vorgestellt. Juristen präsentieren die rechtliche Grundlage und illustrieren die Theorie mit Beispielen aus dem Arbeitsalltag von Handel und Industrie.

Beispiele aus dem Handelsalltag

"Mancher Teilnehmer war durchaus überrascht, wo die Grenzen des Bedenklichen liegen", hat Dürschlag beobachtet. Insbesondere zum Themenbereich Korruption gab es reichlich Diskussionsbedarf. Was genau ist Korruption? Wo fängt sie an? Wenn es um eine Einladung zum Champions-League-Finale nach London geht, ist heute fast jedem klar: Das geht zu weit. Aber was ist mit einem Präsentkorb für den amtlichen Kontrolleur nach abgeschlossener Hygieneprüfung? Und ist es in Ordnung, den Bürgermeister mal zum Essen einzuladen?

Da es sich bei diesen Beispielen um Amtsinhaber handelt, sind beide unzulässig. Eine einfache Essenseinladung für einen Geschäftspartner wäre dagegen in Ordnung. Handelt es sich allerdings um einen besonders luxuriösen Genuss, ist die Grenze des Zulässigen auch in diesem Fall überschritten. Kritisch könnte darüber hinaus aber der Inhalt des Gesprächs sein: Preisabsprachen sind bekanntlich verboten.

Geschenke dürfen nicht zu teuer sein

Wenn Manager sich gegenseitig Geschenke machen, ist der Wert entscheidend. In der Rewe-Group hat man eine Grenze von 35 Euro für solche Zuwendungen festgelegt. Was teurer ist, sollte abgelehnt werden. "Wer einem Geschäftspartner eine Einladung oder ein Präsent anbietet, handelt vordergründig positiv", beschreibt Dürschlag die menschliche Ebene. "Aber er bringt sein Gegenüber in eine unangenehme Situation."

Zudem dürfe man nicht vergessen, dass der großzügige Geschäftspartner einen beeinflussen will. Rewe-Mitarbeiter müssen in Zweifelsfällen Rücksprache mit dem Vorgesetzten halten. Dies ist eine der internen Regeln, über die nun auch die Lieferanten im Detail aufgeklärt werden. "Unser Ziel ist es, dass unzulässige Angebote unseren Mitarbeitern gar nicht erst gemacht werden."

Die Teilnahme an dem Compliance-Seminar ist nicht verpflichtend für Lieferanten. "Das ist nur ein Angebot", stellt Dürschlag klar. Bei der Konzeption haben die Kooperationspartner darauf geachtet, dass keine Verflechtungen oder Abhängigkeiten produziert werden, die ihrerseits kartellrechtlich relevant sind: Es gibt keine Verbindung zwischen dem Einkauf des Handelsunternehmens und der Seminarteilnahme.

Vor allem Mittelständler sind interessiert

Rewe hat das Projekt angestoßen, an der Konzeption mitgewirkt und die Geschäftspartner informiert. Die Durchführung liegt aber in den Händen der Berater, wo auch der Umsatz verbleibt. "Wir haben kein wirtschaftliches Interesse an den Seminaren", betont Dürschlag die Unabhängigkeit.

Langfristig sollen die Compliance-Seminare zur festen Einrichtung für die Branche werden. Sie werden von AFC an unterschiedlichen Orten angeboten. Mehrere hundert Teilnehmer stehen bereits auf der Anmeldeliste, überwiegend aus mittelständischen Unternehmen, die selbst keine Heerscharen von Rechtsanwälten beschäftigen.

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