Rewe-Mitarbeiter nehmen sich eine Auszeit

von Redaktion LZ
Freitag, 18. Januar 2013
Flexibel: Zwei Jahre kann eine Pflege-Auszeit dauern.
Westend61/Michael Bader
Flexibel: Zwei Jahre kann eine Pflege-Auszeit dauern.
Mit seinem Projekt "Rewe Auszeit" bietet das Handelsunternehmen den Mitarbeitern die Möglichkeit, zeitlich begrenzt im Job kürzer zu treten, um Angehörige zu pflegen. Auch Sabbaticals sind möglich.
"Mit der Möglichkeit einer vorübergehenden vollständigen oder teilweisen Auszeit in Pflegefällen bieten wir ein Instrument an, das wesentlich bürokratieärmer ist als das Pflegezeitgesetz", sagt Berndfried Dornseifer, Personalleiter der Rewe Group. Der Kölner Handelskonzern habe sich in diesem Zusammenhang bewusst dafür entschieden, auch pflegeunabhängige persönliche Auszeiten in Form von Sabbaticals zu ermöglichen.

Rund 60 Mitarbeiter nehmen zurzeit eine "Auszeit" oder planen sie. 15 bis 20 Personen pflegen Angehörige. Der Großteil, rund 40 Beschäftigte vor allem aus der Touristik, erfüllt sich den Traum vom Sabbatical. Damit sei das Ganze "noch eine junge Pflanze". Um die Akzeptanz für vorübergehende Auszeiten bei Mitarbeitern wie Vorgesetzten zu erhöhen, bedürfe es "erheblicher kultureller Veränderungen im Unternehmen".

Der Anspruch auf Pflegeauszeit ist in einer Betriebsvereinbarung festgezurrt. Sie kann bis zu zwei Jahre dauern und nach unterschiedlichen Modellen gestaltet werden. Dornseifer: "Wir wollen an dieser Stelle vieles möglich machen." Dabei geht das Unternehmen in Vorleistung. Denn ein Mitarbeiter, der mit einem Pflegefall konfrontiert wird, hat keine Chance, Arbeitszeit dafür anzusparen. "Wir vertrauen darauf, dass er zurückkommen wird und seine ‚Zeit-Schulden’ abträgt", so der Personalchef.

Beim Sabbatical dagegen, für das der Beschäftigte das Einverständnis seines Vorgesetzten benötigt, muss Arbeitszeit angespart werden, bevor es losgeht. So kann der Interessent etwa eine Zeitlang Vollzeit bei reduziertem Gehalt arbeiten, und dafür dann bei weiter gekappten Bezügen komplett aussteigen. Sabbaticals dürfen bis zu einem halben Jahr dauern.

Für Dornseifer ist das Projekt auch "ein wichtiges Organisations- und Entwicklungsthema". Denn wenn Mitarbeiter oder Führungskräfte ausfallen, "zwingt das ein Unternehmen dazu, seine Strukturen und Prioritäten zu überprüfen oder Personen temporär in Führungsverantwortung zu bringen". Die Stellen müssen schließlich übergangsweise besetzt werden.

Eine Auszeit bedeutet Einkommensverlust. Gerade Sabbaticals kommen daher wohl eher für Besserverdienende infrage. "Auf der Ebene der Marktmitarbeiter werden sie voraussichtlich kein Renner werden", ist sich Dornseifer bewusst.

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