Rewe baut E-Learning konsequent aus

von Silke Biester
Freitag, 26. August 2011
Flexibel verfügbar: Unabhängig von Zeitpunkt oder Trainer, können tausende Mitarbeiter während der Arbeitszeit auf diverse Seminarinhalte zugreifen.
Rewe-Group
Flexibel verfügbar: Unabhängig von Zeitpunkt oder Trainer, können tausende Mitarbeiter während der Arbeitszeit auf diverse Seminarinhalte zugreifen.
Die Weiterbildungsplattform der Rewe-Group wird bei Penny und den Rewe-Vollsortimentern gut angenommen. Jetzt soll sie für weitere Vertriebslinien nutzbar gemacht und konsequent thematisch erweitert werden.
Ein Jahr nach dem Start des Rollouts ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit: Rund 50000 Zertifikate für bestandene Schulungen wurden bereits ausgegeben. Die Mitarbeiter haben sich mit dem neuen System eigenständig Wissen erarbeitet. "Das ist eine enorme zeitliche Entlastung für die Marktleiter", benennt Franziska Halstrick einen Vorteil. Die Personalerin verantwortet das Projekt für den Discounter Penny.

Ihr Pendant für die Supermärkte, Vanessa Krause, veranschaulicht, wie jenen Anwendern, die Computerarbeit nicht gewohnt sind, mögliche Ängste genommen werden: "Wer es schafft, Geld aus einem Automaten zu ziehen, der kann auch unser System bedienen", sagt sie. Die beiden sorgen in ihrer strategischen Geschäftseinheit des Rewe-Konzerns für die praktische Einführung.

Die technische Entwicklung stellt Jürgen Lenz, Projektleiter für gruppenweite E-Learning-Projekte, mit seinem Team in der Holding sicher. Dort werden auch neue digitale Seminare ausgearbeitet. Lenz ist überzeugt, dass es ein Vorteil ist, nicht zu den Allerersten bei der Einführung eines solchen Systems zu gehören: "Wir konnten aus den Fehlern bereits existierender Systeme lernen."

Übersichtlich: Bilder sagen mehr als lange Texte.
So habe es zwar eine mehrjährige Vorbereitungszeit gegeben, die Einführung sei dagegen sehr viel schneller und reibungsloser verlaufen, als bei manch anderem Unternehmen. Mögliche Schwierigkeiten oder Fehler wurden in einem Pilotprojekt identifiziert und behoben, das auf eine kleine Zahl von Märkten begrenzt war.

Kostengünstige Open-Source-Lösung

Entscheidend für den Erfolg der Plattform seien in erster Linie die Führungskräfte. Sind diese überzeugt, motivieren sie auch ihre Mitarbeiter, berichten die Personaler.

Das System der Rewe-Group basiert auf dem Open-Source-Lernmanagement Ilias. So spart sich die Gruppe Lizenzkosten und hat die Wahl, neue Inhalte über Dienstleister oder auch inhouse selbst zu programmieren. "Das ist eine äußerst kostengünstige Lösung", sagt Lenz. Darüber hinaus haben die Entwickler Wert darauf gelegt, die Anwendung einfach zu halten.

Das betrifft sowohl die Bedienbarkeit als auch den pädagogischen Ansatz: Bilder sind wichtiger als lange Texte. Dabei musste jedoch darauf geachtet werden, dass mit dem Lernsystem keine übergroßen Datenmengen transportiert werden. Schließlich dürfen die Datenleitungen der Märkt keinesfalls behindert werden.

Massenschulungen für den Auftakt

Im ersten Schritt haben sich die Kölner auf Schulungen konzentriert, die sehr viele Mitarbeiter betreffen: Gesetzlich vorgeschriebene Themen wie etwa Arbeitssicherheit, Jugendschutz, Hygiene und Infektionsschutz müssen Jahr für Jahr bei sämtlichen 120000 Mitarbeitern in insgesamt 6000 Rewe- und Penny-Märkten auf aktuellem Stand gehalten werden. Durch den digitalen Input sparen die Marktleiter nicht nur sehr viel Zeit – sie behalten auch leichter den Überblick.

Das System erinnert daran, welcher Mitarbeiter sein Wissen bis wann aktualisieren muss. Das Programm zeigt dem Vorgesetzten, ob eine Schulung noch nicht begonnen, begonnen oder erfolgreich abgeschlossen wurde. Negative Ergebnisse wie "durchgefallen" werden dagegen nicht festgehalten. Dies ist ein Detail, das durch die frühe Einbindung der Betriebsräte umgesetzt wurde.

Allen Beteiligten ist klar, dass der Handel kein idealer Ort für ruhige Lerneinheiten am Computer ist. In den meisten Märkten wird dafür das Marktleiterbüro genutzt. In manchen Rewe-Filialen gibt es die nötige Technik in weiteren Räumen und es werden Kopfhörer angeboten.

Lernen während der Arbeitszeit

Ein Vorteil sei es jedoch, dass die Lernenden im Zweifel am Regal nachschauen oder zu einem Kollegen gehen können, wenn sie Verständnis- oder Anwendungsprobleme haben.

Nur teilweise sind die Schulungen bei Rewe und Penny einheitlich. Grundsätzlich sind die Abläufe bei den Vertriebstypen so unterschiedlich, dass sich dies in den Lerninhalten niederschlägt. Außerdem beschränkt sich Penny stärker auf die Fakten, während Rewe auf Verhaltensweisen abzielt. Zum Beispiel heißt es bei der Kassenschulung des Discounters: "Drücken Sie den Knopf XY". Und Rewe fordert die Kassenkraft auf: "Bitte begrüßen Sie die Kunden freundlich."

Nach den guten Erfahrungen bei Penny und Rewe werden in Kürze auch Toom und Nahkauf auf die Inhalte zugreifen. Die Verantwortlichen der Fachmärkte Promarkt und Toom Baumarkt setzen ebenfalls Projekte für E-Learning auf. Allerdings müssen sie nicht nur wegen der vollkommen anderen Inhalte die Einführung neu bewerten: Aus Kostengesichtspunkten ist es ein Unterschied, ob eine Lernsoftware für 60 Promarkt-Standorte oder eben für Tausende Lebensmittelgeschäfte programmiert wird.

Willkommensgruß für Neue

Außer Frage stehen für die Kölner weitere Schwerpunkte im zweiten Umsetzungsjahr: Die 7000 Angestellten in der Zentrale werden integriert und spezielle Unterstützungsangebote für Auszubildende erarbeitet. Darüber hinaus soll der Bereich Warenkunde konsequent ausgebaut werden. Und damit alle neuen Mitarbeiter von Anfang an die Grundprinzipien des Unternehmens kennenlernen und zugleich an die Lernplattform herangeführt werden, gehen in Kürze die Kapitel "Willkommen bei Penny" und "Mein erster Tag bei Rewe" an den Start. (sb)

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