Lernen im Rewe-Supermarkt

von Judit Hillemeyer
Freitag, 22. Mai 2009
Jürgen Lenz, Foto: Rewe
Jürgen Lenz, Foto: Rewe
Rewe plant die Einführung von E-Learning-Einheiten. Am Beispiel der gesetzlich vorgeschriebenen Hygieneschulungen testete der Einzelhändler das Prinzip des Lernens am Computer im Supermarkt.



E-Learning ist im Supermarkt möglich. Das ist die Erkenntnis, die Rewe aus einem sechsmonatigen Pilottest gewonnen hat. Analysiert wurde das Lernverhalten von mehr als 600 Mitarbeitern in zwanzig Märkten.

Inhaltlich ging es um die jährlich gesetzlich vorgeschriebene Hygieneschulung der Beschäftigten. "Unsere Idee ist es, diese Unterrichtung zielgerichteter nachzuhalten - inklusive eines Zertifikates", erläutert Jürgen Lenz, Referent der Personalentwicklung bei der Rewe Group, Köln.

Tobias Hagedorn, Foto: Rewe
Tobias Hagedorn, Foto: Rewe
"Die technischen Varianten sind Standard und waren bei dem Projekt sekundär", sagt Tobias Hagedorn, ebenfalls Referent der Personalentwicklung bei der Rewe Group. "Primär untersuchten wir das Lernverhalten der Mitarbeiter am Computer, das heißt organisatorische Fragen wie Zeitfenster, Räumlichkeiten, Lernsituationen und Konzentration."

Einloggen ins Intranet

In zwanzig Supermärkten - je zur Hälfte Filialbetriebe und Selbstständige - stellte das Unternehmen Computer im Marktleiterbüro oder im Pausenraum auf. Die Mitarbeiter bekamen individuelle Zugangsdaten, mit denen sie sich vor Ort ins Intranet oder von zu Hause via Internet ins Rechenzentrum einloggen konnten.

Die Lernzeit wurde in dem Projekt in Absprache mit dem Betriebsrat als Arbeitszeit gewertet. Ergebnis: Sowohl im Pausenraum als auch im Marktleiterbüro wird gelernt - und zwar zu allen Tageszeiten. Zu Hause wird die Schulung tendenziell eher abends oder morgens genutzt, erläutert Lenz.

Verknüpft wurde der Pilottest mit einer Umfrage unter den Testpersonen. 84 Prozent der Befragten gaben an, privat über einen Computer zu verfügen. 81 Prozent haben praktische PC-Erfahrung. Die Arbeit mit dem PC ist den meisten bekannt, lediglich 2 Prozent seien absolute Anfänger im Umgang mit dem Computer. Gerade diese Personengruppe wollen Hagedorn und Lenz im Auge behalten.

Mit dem Online-Kurs haben die Beschäftigten positive Erfahrungen gemacht: "Zunächst wollte ich nicht an der Schulung teilnehmen, weil E-Learning für mich neu war. Aber das Programm ist leicht zu verstehen, auch für diejenigen, die keine Erfahrung mit dem PC haben", sagt ein Mitarbeiter. Eine Kollegin findet es "toll, dass man bei der Rewe am PC lernen kann. Das ist nicht so trocken wie lesen".

Lernpaten in den Märkten

Pro Markt wurde ein Lernpate bestimmt, was die Lernenden als "motivierend und unterstützend" empfanden. Die bisher praktizierte Präsenzschulung, die in der Verantwortung der Marktleiter liegt, findet jeweils nach Ladenschluss statt und umfasst insgesamt zwei Stunden.

Rewe Austria realisiert bereits Online-Hygieneschulungen in Österreich. Die Kölner übernahmen deren Inhalte. Der Kurs ist in vier Lerneinheiten gegliedert. Jede Einheit schließt mit einem Wissenstest ab, der beliebig wiederholt werden kann. In der Regel lernten die Mitarbeiter am PC mit einer Unterbrechung zweimal eine halbe Stunde lang.

Die persönlichen Lernerfolge bleiben im Netz anonym. Als Idee plant die Personalentwicklung eine Ampelfunktion. Sie könnte dem Markt- beziehungsweise Bezirksleiter den Status pro Person oder Markt anzeigen.

Mit dem Online-Kurs will Rewe die Marktleiter künftig entlasten. Ziel ist es, das Konzept flächendeckend sowohl im Bereich der Vollsortimenter als auch der Discounter einzusetzen. "Langfristig können alle Vertriebseinheiten online an E-Learning-Einheiten eingebunden werden", so Hagedorn und Lenz. (juh)

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