Rewe Österreich testet anonyme Bewerbungen

von Redaktion LZ
Freitag, 21. September 2012
Projektstart: Rewe-Top-Personaler Johannes Zimmerl, Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Obmann Ali Rahimi (v.l.) beim Formulieren gemeinsamer Ziele.
Bundeskanzleramt Österreich
Projektstart: Rewe-Top-Personaler Johannes Zimmerl, Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Obmann Ali Rahimi (v.l.) beim Formulieren gemeinsamer Ziele.
LZnet. Rewe Österreich beteiligt sich an einem Pilotprojekt für anonymisierte Bewerbungen. Es soll ein halbes Jahr lang laufen und wird wissenschaftlich begleitet.
"Wir brauchen dringend qualifizierte Leute, unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft", begründet Johannes Zimmerl, Konzernpersonaldirektor Rewe International AG, das Engagement seines Unternehmens. Anonyme Bewerbungen könnten "ein Türöffner sein für Personen, die es sonst schwer haben, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden", so der Human-Resources-Fachmann weiter. Rewe International startet mit dem IT-Bereich und will anonymisierte Bewerbungen bei Erfolg im Konzern ausrollen.

Das Projekt wird vom Verein "Wirtschaft für Integration" getragen. Obmann Ali Rahimi betont, dass mehr als ein Drittel der Migranten trotz guter Ausbildung keinen Job finde. "Dabei geht ein großes Potenzial verloren." Unterstützung erfährt das Vorhaben auch von Seiten der Politik. "Wir haben zwar gute Gleichstellungsgesetze, aber in der Realität werden Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund noch immer häufig diskriminiert", sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Frauen würden gefragt, ob sie schwanger werden möchten, fremd klingende Namen verhinderten manche Einladung zum Bewerbungsgespräch, nennt sie Beispiele. Anonymisierte Bewerbungen könnten ein Schritt zu "mehr Fairness in der Arbeitswelt" sein. Ausdrücklich bezieht sich die Ministerin dabei auf Erfahrungen aus Deutschland, wo vor zwei Jahren ein entsprechender Testlauf – unter Beteiligung namhafter Konsumgüterkonzerne – stattgefunden hat (lz 29-10).

Neben Rewe ist das Unternehmen Novomatic beim österreichischen Vorhaben dabei. Weitere Teilnehmer seien willkommen, heißt es. Das Pilotprojekt ist auf ein halbes Jahr ausgelegt. Studenten der Wirtschaftsuniversität Wien sollen die Veränderung in der Einstellungspraxis evaluieren. "Wenn sich die Anonymisierung der Bewerbungen bewährt, werden sich Nachahmer in der Wirtschaft finden", ist die Frauenministerin überzeugt. Sie könne sich aber auch "gesetzliche Maßnahmen" vorstellen, damit "die Anonymisierung in Österreich Standard wird".

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