Krisenzeiten sind ein produktiver Zustand

von Judit Hillemeyer
Freitag, 21. April 2006
Uni Witten/Herdecke
Uni Witten/Herdecke
Die Universität Witten/Herdecke bietet Qualifizierungsseminare für das professionelle Management von Risiken in der Lebensmittelbranche an. Aus verschiedenen Perspektiven sollen Strategien für den Ernstfall entwickelt werden.

Lebensmittelskandale, Tierseuchen, öffentliche Erpressungsversuche, Verdrängungswettbewerb, Konzentrationsprozesse sowie steigende Anforderungen seitens des Handels, der Banken (Basel II) und des Konsumenten kennzeichnen die deutsche Ernährungswirtschaft.

"Bei steigendem Druck, von innen und außen, sollte man im Ernstfall agieren und nicht nur reagieren", sagt Axel Kölle, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke. Schließlich können öffentliche Rückrufaktionen die Existenz eines ganzen Unternehmens gefährden.

"Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen", sagt der Schriftsteller Max Frisch.

Unter einem Dach

Unter dem Dach "Strategisches Risikomanagement" bietet das Deutsche Kompetenzzentrum für nachhaltiges Wirtschaften (Dknw) der Wirtschaftsfakultät Lösungsmöglichkeiten für ein effektives Krisenmanagement an - in Kooperation mit der "Lebensmittel Zeitung" (Deutscher Fachverlag) und dem Softwarehaus Soft-M AG.



Das Angebot richtet sich an Fach- und Führungskräfte der gesamten Lebensmittelbranche. In einem modularen Lernangebot aus Präsensunterricht vor Ort, E-Learning-Einheiten und unternehmensspezifischen Fallstudien, werden Fach- und Führungskräfte zum zertifizierten "Risikomanager-Food" qualifiziert. Insgesamt ist mit rund 100 Aufwandstunden zu rechnen.

Das Programm wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Schulz zusammen mit Partnern aus der Branche entwickelt.

Langfristige Lösungen

Lebensmittelskandale haben gezeigt, dass eine kurzfristige Orientierung an rein ökonomischen Zielen nicht geeignet ist, die Zukunft von Firmen zu sichern.

Strategien, die die umfassenden Ansprüche aus dem Umfeld des Unternehmens systematisch berücksichtigen und diesen wirksam begegnen, werden zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Einen effektiven Ansatz zur frühzeitigen und systematischen Identifizierung von und zum Umgang mit sich auftuenden Risiken und Chancen stellt das Foodradar-Konzept des "Strategischen Risikomanagements" dar, das den Schlüssel für dauerhaften Unternehmenserfolg in Kooperation und Kommunikation mit zentralen "Anspruchsgruppen" eines Unternehmens wie Handel, Banken, Endverbraucher und Mitarbeiter sieht.

Durch die Beachtung sozialer, ökonomischer und ökologischer Risiken bietet das Konzept einen inhaltlichen und methodischen Rahmen, um Fragestellungen im Bereich "Nachhaltiges Wirtschaften" systematisch und dauerhaft für Unternehmen greifbar und umsetzbar zu machen.

Praxisnahe Themen

Inhalte der Qualifizierung sind, neben den Grundlagen zum Thema Risikomanagement, insbesondere praxisnahe Spezialthemen wie der Rückruf, Personalmanagement und Marketing.

Die Auswahl der Themen und die Entwicklung der Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit den Pilotunternehmen Kanne Brottrunk GmbH & Co. KG und Teutoburger Ölmühle GmbH & Co. KG, der Foodprocessing-Initiative e.V. und dem Sozialpartnerprojekt News e.V. der nordrhein-westfälischen Ernährungswirtschaft sowie dem Euro-Handelsinstitut durchgeführt.

"Während via Internet vornehmlich fachliche und methodische Grundlagen mit vergleichsweise hohem Abstraktionsgrad vermittelt werden, dienen die dreitägigen Präsenzseminare dazu, die Thematik greifbarer zu machen", erklärt Kölle.

Die Perspektive wechseln

Einen weiteren Konkretisierungsschritt hin zu den spezifischen Bedarfen im jeweiligen Unternehmen stellen die fachspezifischen Fallstudien dar, die von den Teilnehmenden im Anschluss an die Seminare zu bearbeiten sind. Hier sind ein unternehmensspezifischer, fiktiver Krisenfall durchzuspielen, das Motivationsrisiko von Schlüsselpersonen zu ermitteln oder Kaufbarrieren zu identifizieren und nachhaltige Antwortstrategien zu entwickeln.

Unternehmen profitierten zudem von dem Perspektivenwechsel durch die Betrachtung sämtlicher Anspruchsgruppen durch die "Foodradar-Stakeholder-Analyse". Mit Hilfe von Sparringpartnern aus der Praxis werden im Rahmen der Blockveranstaltungen konkrete Unternehmensrisiken im Zusammenhang mit den jeweiligen Anspruchsgruppen identifiziert und durch die gemeinsame Erarbeitung von Aktionsplänen Lösungsansätze erarbeitet.



Themenplan

Spezialfall Rückruf

- Unternehmer berichten aus der Praxis

- Anforderungen aus der Perspektive von Handel, Banken und Versicherungen

- Rückruf-Training mit Experten: Best-Practice und Stolpersteine



Personal-Management

- Personalrisiken in der Ernährungswirtschaft

- Anpassung und Motivation

Unternehmer berichten: Risikobewusste Mitarbeiter steigern Qualität und Gewinn

- Der Mitarbeiter als Kunde:

Strategien für Personalrisiken



Erfolgreiches Marketing

- Marktrisiken in der Ernährungswirtschaft

- Kundenerwartungen

- Der Konsument als Innovationsmotor, die Rolle von Labels

- Training: Kommunikation als Schlüssel zum Markterfolg



Seminare 2006/2007

München: 16. bis 18. Mai

Düsseldorf: 22. bis 24. August

Stuttgart: 17. bis 19. Oktober

Bielefeld: 5. bis 7. Dezember

Berlin: 27. Februar bis 1. März

Hamburg: 27. bis 29. März



Informationen und Anmeldung: Christian Geßner und Axel Kölle, Universität Witten/Herdecke, 02302/926-581 und -573 sowie www.foodradar.de und www.softm.com (juh)

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