Schokoladenproduktion auf Abruf

von Judit Hillemeyer
Freitag, 17. Juli 2009
Michael Lorenz
Michael Lorenz
Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen produziert die Alfred Ritter GmbH ihre typisch quadratische Schokolade. Künftig wird die Personaleinsatzplanung von einem neuen Atoss-System unterstützt.

Dem Schwaben wird nachgesagt, dass er die Kehrwoche erfunden hat und diese noch heute beaufsichtigt. Dabei steht Schwaben für Ideenreichtum. Das zeigen die Arbeitsmodelle der Alfred Ritter GmbH in Waldenbuch nahe Stuttgart. Schokoladenfabrikation ist ein Saisongeschäft. Die Fertigungsspitze liegt im Wesentlichen zwischen September und Dezember.

Noch wird die Personaleinsatzplanung über Excel-Dateien erstellt, erläutert Personalleiter Michael Lorenz. Bis zum Jahresende sollen diese von einer Atoss-Lösung abgelöst werden. In dem neuen System wird unter anderem die Qualifikation der Mitarbeiter hinterlegt, die insbesondere im Schichtbetrieb von Bedeutung ist.

Schon vor Jahren hat das Unternehmen an der Produktionslinie eine Job-Rotation eingeführt. Um einseitige Arbeitsbelastungen zu vermeiden, wechseln Mitarbeiter stündlich ihre Aufgaben. "Diese Abwechslung ist auf Empfehlung unserer Betriebsärztin umgesetzt worden", so Lorenz.

Iris Geiger
Iris Geiger
Das Unternehmen verzichtet aus eigenem Qualitätsanspruch und auf Druck des Einzelhandels weitestgehend auf Lagerhaltung. Das erfordert bei Produktionsspitzen flexible Arbeits- und Schichtmodelle. "Ein sensibles Thema", weiß Iris Geiger. Sie ist die Betriebsratsvorsitzende bei Ritter.

Veränderte Arbeitszeiten werden von Mitarbeitern häufig als tiefer Einschnitt in den Arbeitsrhythmus empfunden, sagt sie. "Dabei nehmen wir nach Möglichkeit auf die Belange unserer Beschäftigten Rücksicht", betont Lorenz. Mitarbeiter, die Kinder oder auch pflegebedürftige Angehörige betreuen, werden bei der Planung besonders bedacht.

Traditionell werden Fertigungsspitzen mit Hilfe von Leitarbeitern bewältigt. Vor rund einem Jahr entschied sich das schwäbische Unternehmen, in produktionsstarken Zeiten weitestgehend auf Leihkräfte zu verzichten. Fremdarbeiter mussten häufig neu eingearbeitet werden und bildeten außerdem eine Art Fremdkörper innerhalb der Stammbelegschaft, kritisiert Lorenz.

"Wir haben uns entschieden, eigene Teilzeitkräfte zu beschäftigen", sagt der Personalleiter. Dafür wurden Menschen aus der Region rekrutiert. Die Vorteile liegen auf der Hand: "Teilzeitkräfte kennen ihren Aufgabenbereich und sie sind in die Belegschaft integriert", so Lorenz. Das Ergebnis schlage sich positiv in der Produktionsqualität und im Betriebsklima nieder.

Für den Saisonbetrieb stehen heute rund 50 Arbeiter auf Abruf bereit. Sie besitzen Jahresarbeitszeitkonten. In produktionsstarken Zeiten arbeiten sie wie Vollzeitkräfte, in schwachen gar nicht. Eingeplant werden sie mit einem Vorlauf von vier Tagen. Dafür erhalten sie ein monatlich gleichmäßiges Gehalt.

Diese Arbeitsmodelle hat die Personalabteilung mit der Arbeitnehmervertretung entwickelt. "Im Ergebnis betrachtet, zeigt sich die Arbeitszeitgestaltung in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat als problemlösungsorientiert", sagt Lorenz, "auch wenn es nicht immer leicht ist, einen Kompromiss zu finden".

Für sein familienorientiertes Personalmanagement erhielt das Unternehmen in diesem Jahr das Gütesiegel Top-Job. Die Jury dieser Wirtschaftsinitiative lobt attraktive Arbeitgeber im deutschen Mittelstand aus. (juh)

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