Engagement Schlechte Vorgesetzte bewirken innere Kündigung

von Silke Biester
Mittwoch, 11. März 2015
Mit dem Engagement ist es in Deutschland nicht weit her. Zwar haben laut Gallup Index etwas weniger Kollegen innerlich gekündigt. Doch sieben von zehn machen Dienst nach Vorschrift.
Der Anteil der Mitarbeiter, die bereits innerlich gekündigt haben, ist zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken: Er liegt aktuell bei 15 Prozent. Den gleichen Wert erreicht unverändert die Gruppe der emotional hoch gebundenen Arbeitnehmer. Die große Masse der Beschäftigten (70 Prozent) macht lediglich "Dienst nach Vorschrift". Das zeigt der Gallup Engagement Index 2014. Die hohe Zahl wenig motivierter Mitarbeiter kostet die Wirtschaft zwischen 73 und 95 Mrd. Euro, rechnen die Studienmacher vor.

Beeinflusst werde die emotionale Bindung zum Unternehmen besonders stark von den direkten Vorgesetzten. Deshalb hat Gallup in der aktuellen Analyse die Führungskräfte genauer unter die Lupe genommen. Die durchschnittliche Führungskraft ist 45,8 Jahre alt, männlich (75 Prozent), arbeitet Vollzeit (87 Prozent) und hat mindestens einen Realschulabschluss (88 Prozent). Sie hat im Schnitt 9,7 Jahre Führungserfahrung. Die Mehrheit (52 Prozent) führt weniger als 10 Mitarbeiter. Die Wochenarbeitszeit liegt im Schnitt bei 43,3 Stunden.

Mangelndes Engagement verursacht hohe Kosten

Fachkompetenz und Erfahrung sind die häufigsten Gründe für ihre Beförderung. Marco Nink, Senior Practice Consultant bei Gallup, betrachtet diese Praxis der Führungskräfteauswahl als problematisch: "Verschiedene Gallup-Studien haben ergeben, dass nur ein geringer Teil der Menschen für eine Führungsposition geeignet ist. Erfahrungen und fachliche Kompetenzen sind zwar von Vorteil für eine Führungsposition, doch sie ersetzen nicht das nötige Talent."

Er meint, die "drei Z" Zugänglichkeit, Zuständigkeit und Zielorientierung sollten stärker in den Fokus rücken. Denn Arbeitnehmer, die mit ihrem Vorgesetzten auch über Dinge sprechen können, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, seien zu 25 Prozent hoch emotional an das Unternehmen gebunden – solche, die dies verneinen, nur zu vier Prozent. Wenn der Chef Aufgaben und Projekte seines Teams kennt, haben 23 Prozent eine enge Bindung. Der Wert sinkt auf fünf Prozent, wenn dies nicht der Fall ist. Befragte, die regelmäßige Besprechungen im Team haben, sind zu 20 Prozent stark engagiert. Aber nur elf Prozent, wenn keine Meetings stattfinden.

"Sind Führungsverhalten und Situation am Arbeitsplatz schlecht, leiden die Mitarbeiter", so Nink. Jeder vierte Befragte hat schon einmal wegen eines Vorgesetzten gekündigt. 19 Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung sind aktiv auf der Suche.

 

(sb)

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