Ausbildung Schüler mögen Drogeriemärkte

von Redaktion LZ
Donnerstag, 01. Oktober 2015
lznet/we. Der Handel ist als Branche attraktiv für Schüler. Das zeigt das aktuelle Schülerbarometer von Trendence. Das Institut hat exklusiv für die LZ eine Sonderauswertung mit den Präferenzen branchenaffiner Jugendlicher erstellt.
Insgesamt schafft es der Einzelhandel bei Schülern der Klassen 8 bis 13 auf Rang drei der beliebtesten Branchen. 12,9 Prozent aller Schüler wollen laut Studie im Handel arbeiten – auch diejenigen, die studieren möchten. Nach wie vor an erster Stelle steht die Autobranche, die 17,9 Prozent aller Schüler für eine Ausbildung attraktiv finden, gefolgt vom öffentlichen Dienst – allen voran die Polizei und die Bundeswehr.

Dort wollen 13,6 Prozent aller Schüler ausgebildet werden. Selbst die handelsaffinen Schüler können sich eine Tätigkeit dort gut vorstellen. Während die Polizei ihren Stellenwert bei ihnen von Platz zwölf auf Platz sieben verbessert, sackt die Bundeswehr aktuell von Platz acht auf 19 ab.

Betrachtet man ausschließlich das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber bei jenen Schülern, die eine Ausbildung im Einzelhandel machen wollen, ist Lidl in diesem Jahr der interessanteste Lebensmittelhändler auf Rang 13. Aldi Süd folgt auf Rang 18, die Rewe Group auf Rang 25. Und Edeka landet gar auf Platz 32.

"Der Lebensmittelhandel ist für Schüler in diesem Jahr etwas weniger attraktiv", fasst Trendence-Managerin Annekatrin Buhl die Studienergebnisse für 2015 zusammen. Nach wie vor leide die Branche unter ihrem Ruf, schlechte Arbeitszeiten und Arbeitsplätze zu bieten, bei denen man sich die Hände schmutzig macht. Auch Überwachungsvorwürfe hätten dem Image der Branche geschadet.

Emotional: Schüler, die gerne im Handel arbeiten wollen, lassen sich von Produkten und Markenimage leiten; die Drogeriemärkte profitieren davon vor allem bei den Mädchen.
Dmytro Zinkevych/shutterstock


"Bei den Schülern lebt zudem viel von der Produktmarke", sagt Buhl. Sie differenzieren demnach nicht so stark wie Absolventen, die einen Arbeitsplatz suchen. Damit erklärt sich auch der vermeintliche "Abstieg" von Edeka. Der Genossenschaftsverbund sei lediglich wieder auf den alten Stand zurückgefallen.

Edeka-Werbung sorgt für Zwischenhoch

Nur kurzzeitig wirkte die "Supergeil"-Werbung bei den Jugendlichen, die 2014 Platz fünf statt Platz 20 (2013) bescherte. Das schwierige Image des Lebensmittelhandels zeige sich auch in der Wertung der Gesamtheit der Schüler, sagt Buhl. So hält sich Aldi Süd gerade noch in den Top 50 im Gesamtranking und bleibt damit mit Abstand der beliebteste Lebensmitteleinzelhändler. Edeka verliert an Attraktivität und landet gemeinsam mit Kaufland und Rewe auf Rang 84. Lidl liegt auf Rang 68.

Deutliche Gewinner im Handel sind die Drogeriemärkte, die in diesem Jahr beliebter sind denn je. Shooting-Star ist dm-Drogeriemarkt, der erst im vergangenen Jahr überhaupt in die Top 100 eingestiegen ist. Bei den handelsaffinen Schülern rangiert er mittlerweile auf Rang drei, nachdem 2014 Rang sieben erreicht worden war.

Besonders die jungen Mädchen gelten hier als Hauptzielgruppe. Schon in den Filialen wird mit Aufstellern und Plakaten viel für die Ausbildungsplätze der Karlsruher geworben. Das falle ins Auge, weil die jugendliche Zielgruppe die Läden stark frequentiert. dm helfe das junge, frische Image der Marke.

 

Im Gegensatz zum LEH schätzen die Jugendlichen die Arbeitsplätze hier sehr, weil sie die angebotenen Produkte besonders mögen, erklärt Buhl das Phänomen. Auch Rossmann ist in diesem Jahr wieder aufgestiegen. 2014 sei ein "Ausreißer-Jahr" für die Burgwedeler gewesen, sagt Buhl.

Rossmann kehrt auf die vorderen Plätze zurück

Damals rangierte das Unternehmen auf Platz 33, in diesem Jahr ist es Platz elf. Davor noch kann sich Douglas einreihen. Zwar sei die Zielgruppe der Parfümerien älter als die der Drogeriemärkte, doch die Jugendlichen platzieren das Unternehmen immerhin auf Rang neun.

Primark wiederum sackte von Platz drei auf 19 ab. Hier scheint die Diskussion über die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kleidung eine wichtige Rolle zu spielen. "Das ist häufig Gesprächsthema in den Familien", sagt Buhl und die Jugendlichen orientierten sich sehr stark an Eltern und familiärem Umfeld.

Die wichtigsten Faktoren für die Schüler bei der Wahl des Arbeitgebers sind in diesem Jahr nette Kollegen und gute Vorgesetzte. "Es menschelt also sehr", findet Buhl. Auch gute Übernahmechancen nach der Ausbildung und eine gute Betreuung während der Ausbildung sind demnach wichtig. Allerdings möchten über 50 Prozent der Schüler, die im Einzelhandel eine Ausbildung machen wollen, in der Region bleiben, in der sie aktuell wohnen.

Mehrheit hat ein Praktikum im Handel absolviert

92 Prozent haben bereits ein Schülerpraktikum absolviert. Knapp 62 Prozent hat das Praktikum bei ihrer Entscheidung geholfen, bei welchem Unternehmen sie sich nach der Schule bewerben wollen oder sie fühlten sich besser informiert. Jedem zehnten hat das Praktikum allerdings nicht geholfen.

"Um auch diese Gruppen zu überzeugen, müssen die Unternehmen weiter an ihren Praktikantenprogrammen feilen, um Schülern einen möglichst guten Einblick in den Unternehmensalltag zu gewähren", betont Buhl. Wichtig bei einem Praktikum sind vor allem ein interessanter Arbeitsbereich. Das geben 42 Prozent der Schüler an, gefolgt von einem guten Arbeitsklima (38 Prozent). Und die Schüler wollen selbstständig arbeiten. 27 Prozent ist das wichtig.

 

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