Schwarz-Gruppe will Frauen fördern

von Redaktion LZ
Freitag, 26. Juli 2013
In der Schwarz-Gruppe soll die Gläserne Decke eingerissen werden.
Lattmann
In der Schwarz-Gruppe soll die Gläserne Decke eingerissen werden.
LZnet. Lidl und Kaufland wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Die Schwarz-Gruppe plant dazu eine gezielte Qualifizierung für Managerinnen. Außerdem will sie bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen.
Bei Lidl und Kaufland sehen die Karrierechancen von Frauen ähnlich aus wie in vielen anderen Unternehmen. Theoretisch steht ihrem Aufstieg nichts entgegen – doch in der Arbeitsrealität kommen sie entschieden schlechter voran als ihre männlichen Kollegen.

In den Einstiegspositionen des Einzelhandelskonzerns ist das Geschlechterverhältnis ungefähr 50:50. Auf der ersten Führungsebene gibt es noch knapp 30 Prozent Frauen. Das betrifft die Hausleitung oder Bereichsleitung bei Kaufland beziehungsweise die Vertriebsleitung, Abteilungs- oder Teamleitung bei Lidl. Und je höher die Hierarchiestufe, desto männlicher die Besetzung.

Alle Hierarchiestufen bis zum Vorstand

Doch in Zukunft will das Top-Management das Potenzial seiner weiblichen Talente stärker entwickeln. "Das Ziel ist klar", sagt Klaus Gehrig, Komplementär und Sprecher der Schwarz-Gruppe im Gespräch mit der LZ entschieden: "Mehr Frauen in Führungspositionen." Dabei bezieht er sich auf alle Hierarchiestufen von der ersten Teamverantwortung über die Geschäftsführung bis hin zum Vorstand. "In circa fünf Jahren soll es mindestens eine Frau auf Vorstandsebene geben", gibt er vor. "Dafür werden wir auch zusätzliche Positionen einrichten."
 
Um das zu erreichen, sollen Mitarbeiterinnen auch bei Qualifizierungsmaßnahmen stärker berücksichtigt werden. "Wir werden gezielt Frauen aus den eigenen Reihen entwickeln", sagt Gehrig. Darüber hinaus will das Unternehmen die Vereinbarkeit von Karriere und Familie verbessern. Denn nur so können die Entwicklungsangebote auch genutzt werden.
 

Managerinnen aus den eigenen Reihen entwickeln

Die Parole wurde intern bereits verbreitet. Ein konkretes Konzept für die Umsetzung gibt es aktuell aber noch nicht, weil man zunächst ausprobieren und Erfahrungen sammeln müsse. Alle Bereiche sind aufgefordert, an dem Thema zu arbeiten.

Im gesamten Konzern soll die Flexibilisierung der Arbeitszeiten vorangetrieben werden. Dazu gehören auch Teilzeit- und Jobsharing-Modelle. Die Fachabteilungen sollen im Detail prüfen, welche Angebote man für welche Funktionen realisieren kann und welche organisatorischen Maßnahmen zur Absicherung ergriffen werden müssen.
 
Langfristig will die Unternehmensführung ein Umdenken in der Belegschaft bewirken. In den Zentralbereichen müsse es weniger um Anwesenheit gehen als vielmehr um die Erledigung einer Aufgabe. Damit diese Haltung im Alltag ankommt, ist Gehrig gerne Vorbild und verlässt das Büro gelegentlich auch mal um 16 Uhr.

Umdenken in der Belegschaft anstoßen

Für einige Managerinnen mit Kindern wurden bereits Lösungen gefunden, damit sie weiterhin im Unternehmen erfolgreich sein können. Gehrig: "Führung in Teilzeit funktioniert wunderbar. Wir haben gute Erfahrung mit 80 Prozent Arbeitszeit für Frauen im Top-Management gemacht."
 
Solche Sonderregelungen wurden bis dato allerdings eher denen zuteil, die als unverzichtbar gelten. In etlichen anderen Fällen sind gut ausgebildete Mitarbeiterinnen nach der Erziehungszeit nicht zurückgekommen. Diesen Know-how-Verlust will man bei Lidl und Kaufland nicht mehr tatenlos hinnehmen.

Mit neuen Ideen wollen die Verantwortlichen die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber steigern. "Wir müssen der Veränderung in der Gesellschaft Rechnung tragen“, sagt Gehrig, "und die Rahmenbedingungen schaffen, damit Frauen Karriere und Familie vereinbaren können."

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