Selbstständigkeit Franchise-Wirtschaft sucht 20.000 Gründer

von Julia Wittenhagen
Freitag, 20. Januar 2017
Felix Peckert: Der Franchise-Experte präsentiert aktuelle Zahlen der 950 Systeme.
Forum Franchise und Systeme
Felix Peckert: Der Franchise-Experte präsentiert aktuelle Zahlen der 950 Systeme.
Noch expandieren die rund 950 Franchisesysteme hierzulande in puncto Außenumsatz und Partner. Doch hält die gute Beschäftigungssituation viele Menschen davon ab, sich als Gründer zu versuchen.

Ginge es nach dem langjährigen Franchise-Berater und -Kommunikator Felix Peckert, würden Franchise-Geber wie McDonald‘s, Zoo & Co oder Obi ganz gezielt Migranten und Flüchtlinge ansprechen, um den Nachwuchs für ihre Gastromie-, Dienstleistungs- und Handelssysteme zu sichern. Migranten machten sich überdurchschnittlich häufig selbstständig – auch um Nachteile auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen. 37 Prozent der 30- bis 34-Jährigen hätten die Hochschulreife und brächten damit eine wichtige Qualifikation mit, um Franchisepartner zu werden und ihr Einkommen auf im Schnitt 5.000 bis 6.000 Euro monatlich anzuheben.

Peckert, der das "Expansionssystem Franchise" seit vielen Jahren unterstützt, wünscht den 950 Franchisegebern, darunter 30 Prozent aus dem Handel, mehr Zulauf. Gerade hat sein Mediendienst "Forum Franchise und Systeme" in Kooperation mit dem Deutschen Franchise-Verband in Berlin aktuelle Zahlen erhoben. Danach ist die Franchise-Wirtschaft 2016 auf rund 119.000 Franchise-Partner (plus 1,3 Prozent) mit 159.000 Betrieben (plus 1,7 Prozent) gewachsen. Sie beschäftigen rund 697.000 Mitarbeiter (plus 1,7 Prozent) und verantworten einen Systemumsatz von 103 Mrd. Euro (plus 4,8 Prozent). Etwa 8.000 bis 10.000 Gründer entscheiden sich jedes Jahr für eine Franchise-Partnerschaft, gleichzeitig verlassen 4.000 bis 6.000 Unternehmer das System. Neben den Übernahmen bestehender Betriebe wurden 2016 rund 2.600 Betriebe neu gegründet.

"Das eigentliche Potenzial ist weitaus größer", ist Peckert überzeugt. "Etwa 20.000 neue Franchise-Partner kann die Franchise-Wirtschaft hierzulande jedes Jahr aufnehmen und somit mehr als 10.000 neue Betriebe eröffnen." Er macht sich dafür stark, neue Zielgruppen zu erschließen und in die Reputation, Modernisierung und Digitalisierung der Marken zu investieren.

Der Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands, Torben Leif Brodersen, ist da gelassener. Er macht die Vollbeschäftigung in Deutschland und den daraus resultierenden Mangel an Gründern für Nachwuchsprobleme verantwortlich, weniger Versäumnisse der Franchisepartner. "Wir müssen wie alle Händler intensiv daran arbeiten, die Attraktivität der Geschäftsmodelle so zu erhöhen, dass wir die nötige Frequenz schaffen."

Er kenne viele Franchisegeber, die ihr Konzept permanent überarbeiten. Ein Beispiel ist die Back-Factory, die mit Brot und Brötchen an den Start ging, aber sehr schnell auf Getränke und Snacks umstellte. "Franchisenehmer sind besonders stark darin, die Marktlage realistisch einzuschätzen, weil sie ein großes eigenes Interesse an einer guten Geschäftsentwicklung haben", glaubt Brodersen. "In diesem Punkt sehen wir uns gegenüber klassischen Filialisten im Vorteil, weil wir schneller reagieren können."

Hinderlich sind für manchen Gründer die wachsenden Anfangsinvestitionen: Zehn Prozent der neuen Partner investierten 2016 mehr als 200.000 Euro in die Selbständigkeit.

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