Interne Jobbörse soll Motivator sein

von Judit Hillemeyer
Freitag, 09. Dezember 2005
Frank Hornig, Leiter Personalentwicklung bei der Spar AG, Foto: Spar
Frank Hornig, Leiter Personalentwicklung bei der Spar AG, Foto: Spar
Fusionen kosten Arbeitsplätze. Nach der Übernahme der Spar Handels AG durch die Edeka-Gruppe sind davon mehr als 1.200 Arbeitnehmer betroffen. Eine digitale Jobbörse der Spar soll künftig denjenigen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, zu neuen Arbeitsstellen verhelfen.



"Die digitale Jobbörse ist eine Ergänzung zum Sozialplan und zur Transfergesellschaft", so Frank Hornig, Leiter Personalentwicklung der Spar Handels AG. Sein Ziel ist es, so viele Mitarbeiter wie möglich, wieder in Lohn und Brot zu bringen. So wird der eigentliche Personalentwickler zum Jobvermittler.

Zum Hintergrund: Ende August stimmte das Kartellamt der Übernahme der Spar Handels AG durch die Edeka zu. Im Zuge der anstehenden Integration werden neben der Zentrale die Spar-Logistikstandorte Mittenwalde, Ellhofen, Poing und Langenfeld aufgegeben.

Von den 2.805 Mitarbeitern sind schätzungsweise 1.200 von Entlassungen bedroht. Ziel der Arbeitgeber und Betriebsräte ist es, so viele Mitarbeiter wie möglich in neue Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. 1.500 sollen einen neuen Arbeitsplatz bei Edeka bekommen. Offen ist allerdings, wie viele Jobs Edeka tatsächlich den ehemaligen Spar-Mitarbeitern anbieten wird.

Jobbörse mit drei Säulen

"Die Jobbörse hat die Funktion, diese Menschen in ihrem eigenen Interesse zu aktivieren, sich einen Arbeitsplatz - innerhalb oder außerhalb der Edeka-Gruppe zu suchen", sagt Hornig.

Das Projekt, das seit November im Intranet und Internet zur Verfügung steht, fußt auf drei Säulen: Das Info-Portal dient der Beratung und Information und ist ausschließlich im Intranet zugänglich.

Es enthält einen Bewerbungsleitfaden und Informationen zu den Arbeitsmarktgepflogenheiten sowie Zwischenzeugnissen und anderen Unterlagen. Außerdem gibt es erste Hilfestellungen zum Thema Existenzgründung.

Das Job-Portal enthält Stellenausschreibungen. Spar konzentriert sich hier auf Handels- und vergleichbare Positionen auf dem Arbeitsmarkt. Inklusive der ausgeschriebenen Edeka-Stellen werden hier derzeit über 400 Positionen offeriert.

Offene Stellen ausschreiben

Um das Angebot so breit wie möglich zu streuen, hat das Spar-Projektteam Kontakte zu verschiedenen Personalberatern und Zeitarbeitsfirmen aufgenommen, die ihrerseits offene Stellen annoncieren. Gesucht werden Fach- und Führungskräfte im Einzelhandel und in der Konsumgüterindustrie.

Lagermitarbeiter bei der Spar AG, Foto: Spar
Im gewerblichen Bereich werden zum Teil so genannte Sammelstellen ausgeschrieben - hinter einer ausgeschriebenen Position im Lager können sich rund 40 Arbeitsstellen verbergen.

Das Bewerber-Portal gibt den Spar-Angestellten die Möglichkeit, ein Stellengesuch zu offerieren. Hinterlegt werden können Qualifikationen, Lebensläufe und bisherige Positionen. Auf die Profile haben Edeka und externe Unternehmen sowie Personalberater Zugriff.

Nach den ersten fünf Wochen ist die Resonanz auf die Jobbörse noch zurückhaltend, so Hornig. Vor allem die interne Nutzung dieses Mediums müsse noch mehr gestärkt werden, während externe Unternehmen zunehmend die Spar-Jobbörse nutzten.

"Natürlich ist in der aktuellen Situation die gesamte Bandbreite an Emotionen bei vielen Mitarbeitern zu beobachten, die auch zu Blockaden führe. Dazu gehören Schockstarre ebenso wie Abwehr und Trotz", weiß der Personalentwickler.

Ängste abbauen

Angst spiele eine enorme Rolle. Zu den Befürchtungen gehören beispielsweise Repressalien, wenn eine Stelle abgelehnt wird, sagt Hornig. Diese Angst sei jedoch völlig unbegründet.

Wie immer gibt es in solchen Situationen aktive und passive Menschen. Am aktivsten seien hier die Kaufleute, während die gewerblichen Arbeitnehmer und die Fach- und Führungskräfte aus unterschiedlichen Gründen eher zurückhaltend agierten.

Dabei falle es Lagerarbeitern schwer, sich mit Bewerbungsunterlagen und Veränderungen zu befassen. Fach- und Führungskräfte glauben wiederum, insgesamt gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Ab Januar wird die Transfergesellschaft ihren Dienst aufnehmen. Je nach Vereinbarung können sich Mitarbeiter dort zeitlich befristet weiterbilden lassen und sich auf die Jobsuche konzentrieren. Ein Sozialplan wurde Anfang Dezember (LZ 48, Seite 8) verabschiedet. Die Jobbörse wird noch bis Ende 2006 gepflegt.

(juh)

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