Handelslehre und Hochschulreife

von Judit Hillemeyer
Freitag, 02. November 2007
Foto: Spar Österreich
Foto: Spar Österreich
Lehre und Matura - mit dieser Kombination fördert Spar Österreich hochmotivierte Auszubildende. Die Jugendlichen absolvieren eine klassische Berufsausbildung und erwerben parallel dazu die Hochschulreife. Derzeit bereiten sich bei dem Handelsunternehmen 139 junge Menschen neben ihrer Lehre auf das Abitur vor.



Mit dem bildungspolitischen Engagement fördert Spar jene Jugendlichen, die nach neun Schuljahren mit rund 15 Jahren eine Ausbildung bei dem Salzburger Handelsunternehmen beginnen und ein großes Leistungspotenzial mitbringen.

"Diese Menschen haben eine Berufsausbildung begonnen, weil sie zunächst keine Lust mehr auf Schule hatten", so eine Unternehmenssprecherin. In der praktischen Ausbildung entwickeln sie Ehrgeiz und den Wunsch nach einem höheren Schulabschluss.

Damit sind eindeutig bessere Karrierechancen verbunden. Mit diesen leistungsfähigen und hochmotivierten Absolventen wächst "der Nachwuchs-Pool für zukünftige Führungskräfte - sowohl in den Spar-, Eurospar- und Interspar-Märkten als auch in den Zentralen".

"Das erworbene Abitur ist vollwertig und kann direkt an die Universität führen", betont die Unternehmenssprecherin. Das Modell wurde bislang regional beispielsweise in Kärnten angeboten. Nun soll es in ganz Österreich zum Tragen kommen. Spar fungiert bei der Matura, wie in Österreich das Abitur heißt, lediglich als Organisator und Mentor der Schüler.

Erworben wird das Abitur in staatlich anerkannten Bildungseinrichtungen wie Abendgymnasien. Österreich hat im Vergleich zu Deutschland ein zweigliedriges Schulsystem. Die Hochschulreife ist nach zwölf Schuljahren zu erreichen.

Das Angebot "Lehre und Matura" soll Lust auf eine Ausbildung bei Spar machen. Die Jugendlichen beginnen während der Lehrzeit mit den Vorbereitungen. Die Hochschulreife besteht aus vier Teilprüfungen in Deutsch, Englisch, Mathematik und Betriebswirtschaft beziehungsweise Rechnungswesen.

Helga Hofer: Die 19-jährige Abteilungsleiterin Molkereiprodukte bei Eurospar in Gleisdorf absolviert derzeit ihr Abitur. Den Lehrabschluss mit Auszeichnung hat sie schon seit einem Jahr in der Tasche. Ihr Karriereziel: Marktleiterin bei Spar zu werden. „Ich finde es toll, dass ich bei Spar Lehre und Matura machen kann. Wenn Spar diese einzigartige Ausbildung nicht angeboten hätte, wäre ich wahrscheinlich nie auf die Möglichkeit gekommen, die Matura zu absolvieren. Ein geniales Angebot für Leute, die gerne praktisch arbeiten und dennoch einen höheren Schulabschluss haben wollen.“

Der Abschluss ist Voraussetzung, um die zweite Matura-Teilprüfung anzutreten. "Wer mit 15 seine Ausbildung beginnt und mit 18 die Lehre beendet, kann realistisch betrachtet mit zwanzig Jahren die Hochschulreife in der Tasche haben", heißt es bei Spar.

Derzeit sind 139 Lehrlinge - Büro- und Einzelhandelskaufleute - dabei, beide Ausbildungen zu absolvieren. Die Bundesländer fördern das Konzept allerdings in unterschiedlicher Höhe. Spar übernimmt jene Kosten, die nicht durch die Förderungen gedeckt sind. Bedingung dafür ist, dass die Kandidaten alle vier Teilprüfungen erfolgreich abschließen. Spar garantiert nach eigenen Aussagen eine lückenlose Organisation.

Das Handelsunternehmen setzt damit ein bildungspolitisches Signal, das auf ein positives Echo stößt: "Mit diesem Angebot erreichen wir Jugendliche, die über eine hohe Praxiskompetenz verfügen und dennoch einen höheren Schulabschluss machen wollen", sagt Vorstandsdirektor Fritz Poppmeier.

Dieser Weg sei sowohl bei Eltern als auch Lehrlingen "sehr gefragt". Das Handelshaus ist davon überzeugt, dass dieser Weg in die Zukunft führt, "denn qualifizierte Jugendliche spielen für den Erfolg eines Unternehmens eine wesentliche Rolle". Verbunden ist damit ein positiver Nebeneffekt: Mit diesem Angebot werden Potenzialträger langfristig ans Unternehmen gebunden.

Neben diesem Konzept gibt es weiterhin die "konventionelle" Ausbildung. Spar Österreich bildet insgesamt 2 700 Lehrlinge in 14 Berufen aus und ist damit eigenen Angaben zufolge der größte Ausbilder in der Alpenrepublik.

Der Händler zeigte sich bereits in der Vergangenheit engagiert bei der Lehre. Mit der Spar-Akademie - einer eigenen privaten Berufsschule mit Öffentlichkeitsrecht -, die mittlerweile in allen Bundesländern durch die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen und Landesschulräten gegründet wurde, wird eine praxisnahe berufs- und allgemeinbildende Ausbildung vermittelt. (juh)

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