Sparkurs lässt Motivation sinken

von Redaktion LZ
Freitag, 26. November 2010
Maßnahmen zur Bekämpfung der Rezession
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Maßnahmen zur Bekämpfung der Rezession
Maßnahmen zur Bekämpfung der Rezession

LZnet. Die zur Bewältigung der Krise getroffenen Entscheidungen wurden in ihren Auswirkungen auf die Mitarbeiter unterschätzt. Das ergibt eine weltweit angelegte Studie von Towers Watson.

Einstellungsstopps und Nullrunden: Die Folgen dieses Sparkurses werden nun augenscheinlich. 83 Prozent der deutschen Unternehmen haben heftige Einschnitte vorgenommen. Zwei Drittel konstatieren inzwischen einen negativen Einfluss auf die Mitarbeiter. Stressresistenz und Engagement schwinden. In Deutschland klagen mehr als 70 Prozent über eine erschwerte Bindung von High Potentials an das Unternehmen, global sind es 45 Prozent.

Für High Potentials sind "weiche Faktoren" wichtig

Als Gegenmaßnahmen setzen gerade deutsche Arbeitgeber stark an individuelle Leistungen gekoppelte Gehaltserhöhungen und Short-Term Incentives ein. Das allerdings entspricht nicht dem dringendsten Wunsch der High Potentials. Sie wünschen eine Optimierung der "weichen" Faktoren, wie zum Beispiel der Work-Life-Balance. Auch die Reputation des Arbeitgebers sowie Arbeitsklima und Aufstiegsmöglichkeiten spielen für sie eine wichtige Rolle.

Deutsche Unternehmer haben Probleme bei der Mitarbeiterbindung
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Deutsche Unternehmer haben Probleme bei der Mitarbeiterbindung

Zu dieser Kernaussage kommt die "Global Talent Management & Rewards Study 2010" von Towers Watson. Das Beratungsunternehmen hat die aktuellen Herausforderungen im Vergütungs- und Talentmanagement von insgesamt 1716 Unternehmen aus siebzehn Ländern abgefragt. Damit ist die Umfrage eine der größten ihrer Art. Sie wird zudem durch die Ergebnisse der Arbeitnehmerbefragung "Towers Watson Global Workforce Study 2010" ergänzt.

Die Krise und die darauffolgende Rezession ließ Unternehmen weltweit mit starken Einsparungen bei den Personalkosten reagieren. Sie verordneten Einstellungsstopps (64 Prozent) und Nullrunden. Trotz allgemein günstigerer wirtschaftlicher Lage setzten in Deutschland noch mehr Betriebe (83 Prozent) diese Maßnahmen ein.

Global Talent Management

Global Talent Management

Die Towers-Watson-Befragung "Global Talent Management and Rewards Survey" wurde von Mai bis Juni 2010 durchgeführt und enthält Antworten von 1176 Unternehmen aus 17 Ländern, darunter 282 aus Europa. In Deutschland nahmen 34 Unternehmen teil. Die in der Studie dargestellten Mitarbeiteransichten wurden im Rahmen der Towers Watson "Global Workforce Studie 2010" erhoben.

Hier war auch die Beschränkung von Überstunden und die Reduzierung von Bonuszahlungen ein gängiges Interventionsmittel. Weltweit griff etwa die Hälfte der Arbeitgeber auf Beurlaubungen, Entlassungen und Stellenabbau zurück.
Diese Maßnahmen zur Kostensenkung sowie die Kürzungen an Bonuszahlungen und Gehaltserhöhungen blieben nicht ohne Folgen für die Belegschaft. Das merken Unternehmen jetzt deutlich. So geben zwei Drittel der Befragten in Deutschland einen negativen Einfluss auf die Stressresistenz und die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter an.

Mitarbeiterengagement sinkt

Die Hälfte der Arbeitgeber weltweit bemerkt ein allgemein geringeres Mitarbeiterengagement und eine in Mitleidenschaft gezogene Work-Life-Balance. In Deutschland sind es sogar über 60 Prozent, die darüber klagen.

"Aus den Ergebnissen der ‚Global Workforce Study 2010‘ wissen wir, dass Mitarbeiterwohlbefinden einen deutlichen Einfluss auf die Performance von Unternehmen hat", merkt Olaf Lang an. Er ist Leiter des Bereichs Talent & Rewards bei Towers Watson. Im Interesse der eigenen Wettbewerbsfähigkeit müssten Arbeitgeber gezielter auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen.

Gerade High-Potentials sind am ehesten bereit, das Unternehmen zu wechseln, sollte sich ein attraktiveres Angebot ergeben. "Viele Arbeitgeber haben unterschätzt, wie wichtig etwa eine betriebliche Altersversorgung, Arbeitsplatzsicherheit und flexible Arbeitszeiten sind, um diese Mitarbeiter für einen Verbleib im Unternehmen zu motivieren", kommentiert Senior Berater Carl Walinski.

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