Harmonisierung Schwarz-Gruppe strafft Personal-Politik

von Hans Jürgen Schulz
Donnerstag, 08. Juni 2017
Klare Ansage: Schwarz-Chef Klaus Gehrig fordert mehr Kommunikation von den Führungskräften.
Schwarz-Gruppe
Klare Ansage: Schwarz-Chef Klaus Gehrig fordert mehr Kommunikation von den Führungskräften.
Konzernchef Klaus Gehrig will die Personalprozesse in der Schwarz-Gruppe neu ordnen. Effizienter, günstiger, fokussierter. Von Auswahlverfahren wie Assessment-Center hält Gehrig wenig. Er setzt nicht nur auf Kandidaten mit Bestnoten. Vielmehr sollen echte Macher in der Praxis das Unternehmen voranbringen.

Die Schwarz-Gruppe will bei der Personalpolitik im Unternehmen künftig einheitlicher vorgehen. Dazu gehört die Personalverwaltung ebenso wie auch die Personalentwicklung. Zum 1. Mai hat das Unternehmen die Schwarz-Personal-Service-Gesellschaft gegründet. Ziel ist es, die Aktivitäten in dem Bereich effizienter zu organisieren und die Abrechnungsvorgänge günstiger abzuwickeln. "Wir haben fünf Personalprogramme im Unternehmen", beschreibt Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Unternehmenstreuhand, das bisherige Vorgehen. Jetzt müsse es darum gehen, fokussierter vorzugehen und nicht die gleichen Aufgaben im Konzern mehrfach zu bearbeiten.

In der Personalpolitik will man künftig deshalb einheitliche Standards für die ganze Unternehmensgruppe einführen. Zugleich sollen aber diejenigen Bereiche das Personal rekrutieren, in denen die neuen Mitarbeiter am Ende auch arbeiten werden.


Nach LZ-Informationen soll auch die zuletzt verstärkte Nutzung von Assessment-Centern insbesondere bei Lidl wieder aufgegeben oder zumindest reduziert werden. Letztlich gehe es vor allem darum, dass die jungen Mitarbeiter in der Praxis ihr Können unter Beweis stellen und mit ihren anspruchsvoller werdenden Aufgaben wachsen. Und das gelinge keineswegs nur Kandidaten mit Bestnoten in den Zeugnissen.
Im Verkauf: Die meisten Mitarbeiter brauchen Lidl und Kaufland auf der Fläche.
Schwarz-Gruppe
Im Verkauf: Die meisten Mitarbeiter brauchen Lidl und Kaufland auf der Fläche.

Deshalb will Gehrig die Rekrutierung im Konzern auf eine breitere Basis stellen. Bei der Personalsuche will man künftig nicht mehr alleine den Fokus auf Top-Noten legen. "Wir müssen uns auch um diejenigen bemühen, die einen Dreier haben", unterstreicht Firmenchef Klaus Gehrig.

Die Frage, ob ein Mensch für die Arbeit im Handel geeignet sei oder nicht, könne man nicht alleine an einer Note festmachen. Die Quote, die Gehrig sich für Mitarbeiter mit einem Abschluss im Dreier-Notenschnitt vorstellen kann, ist allerdings eher niedrig. Sie soll bei zwei Prozent liegen.

Junge Kollegen besser begleiten

Darüber hinaus sei es wichtig, die jungen Kollegen auch besser zu begleiten. Denn sowohl bei Lidl als auch bei Kaufland kommen Nachwuchskräfte schon im Alter von Mitte 20 in verantwortungsvolle Positionen. "Wir müssen dafür sorgen, dass die in zehn Jahren gute Führungskräfte sind", so der Firmenchef. Dabei gehe es vor allem darum, die Mitarbeiter auf ihren Karriereschritten besser zu begleiten.

Dazu gehöre aber auch die regelmäßige Rückmeldung der Vorgesetzten, und zwar im Positiven wie im Negativen. Und da habe es nach Auffassung von Gehrig zuletzt gehakt. Im Sinne gezielter Mitarbeiterbindung sind Führung, Kultur und Kommunikation in der Schwarz-Gruppe seit geraumer Zeit ein Thema. "Alle, die in den vergangenen Jahren das Haus verlassen haben, hatten gute Bewertungen." Es müsse deshalb einen offenen und ehrlichen Umgang mit den Mitarbeitern geben, mahnt Gehrig an.

Ob man mit einem Mitarbeiter zufrieden sei oder nicht, müsse man ihm deutlich sagen. Und dies soll bei aller Internationalität des Unternehmens nach wie vor in deutscher Sprache geschehen. "Deutsch als Unternehmenssprache wollen wir erhalten", so die Ansage von Gehrig. Man sehe sich nach wie vor als deutsches Unternehmen.

Massenweise offene Positionen

Kontinuierlich hat die Schwarz-Gruppe in den vergangenen Jahren am Image als Arbeitgeber gearbeitet. Insbesondere bei Lidl, wo die Fluktuation traditionell hoch ist, erkennt man heute eine zielgerichtete Kommunikation mithilfe eines klaren Employer-Branding-Konzepts. Wer einen Blick auf die Karriere-Webseite wirft, findet einen professionellen, gut strukturierten und funktionalen Auftritt vor. Unter dem Motto "Ich mache Lidl möglich" kommen unterschiedliche Mitarbeiter zu Wort. "Wir sind Vorausdenker, Umsetzer und Möglichmacher", heißt es dort, "willkommen in der Welt von Lidl".

Präsentiert wird nach außen zudem ein Führungsleitbild, das auf Kommunikation, Mitarbeiterentwicklung, Leistung, Vertrauen und Verantwortung setzt. Die Anstrengungen kommen nicht von ungefähr: Die Fluktuation ist hoch. Und bis sich kulturelle Veränderungen auf allen Ebenen bemerkbar machen, kann es bekanntermaßen lange dauern. Der Discounter Lidl sucht massenweise neue Mitarbeiter. Die hauseigene Online-Jobbörse beinhaltet mehr als 10.000 offene Positionen in Deutschland.

Darin sind zwar knapp 4000 Ausbildungsplätze, circa 1500 Aushilfen, Praktikanten oder Werkstudenten sowie 2200 Jobs für Berufseinsteiger enthalten und "nur" etwa 2200 Stellen für Berufserfahrene. Die schiere Masse verdeutlicht jedoch den drastischen Personalbedarf des Discounters. Insgesamt beschäftigt Lidl hierzulande rund 75.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Kaufland beschäftigt 80.000 Menschen und weist aktuell knapp 700 offene Positionen aus. (sb)

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