Imageprobleme sind Achillesferse

von Judit Hillemeyer
Freitag, 26. Oktober 2007
PDF zum Ausdrucken
PDF zum Ausdrucken
Vor dem Hintergrund der internationalen Wirtschaftkonjunktur sieht die Konsumgüterbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine positive Beschäftigungsentwicklung. Dennoch hat die Branche Schwierigkeiten, qualifizierte Positionen zu besetzen, heißt es in einer Kienbaum-Studie, die der LZ exklusiv vorliegt.



"Insbesondere für die Positionen Vertrieb und Controlling werden im Wettbewerb um die besten Köpfe Rekrutierungs- und Personalarbeitsinstrumente immer wichtiger", betont Marion Weber. Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung Kienbaum Executive Consultants in Wien und verantwortlich für die Studie "Handels- und Konsumgüterunternehmen 2007". Befragt wurden 128 Unternehmen in Europa zu Trends in der Wirtschaft und Personalarbeit. Der Schwerpunkt lag auf Deutschland, Österreich und der Schweiz.



Fluktuation der Mitarbeiter
PDF zum Ausdrucken

Ein Personalengpass bei Spitzenfunktionen scheint derzeit bei 75 Prozent der Unternehmen zu herrschen. Es sind insbesondere Mittelständler, die für bestimmte Positionen Schwierigkeiten bei der Besetzung melden. Insgesamt, so ein Fazit der Analyse, planen im kommenden Jahr mehr als 50 Prozent der Firmen bis zu zehn Prozent Neueinstellungen.

Im intensiven Wettbewerb

"Die Folgen der demografischen Entwicklung werden sich für den Handel in Zukunft noch intensiver auswirken", prognostiziert Weber. Im Wettbewerb, etwa mit den starken Marken der Automobilbranche, müssen sich Handelsunternehmen und Nahrungsmittelhersteller wesentlich stärker als Arbeitgebermarke präsentieren. Und sie müssen ihren Mitarbeitern attraktivere Entwicklungs- und Karrierechancen eröffnen.

Als Hauptgründe, warum sich ein Kandidat für ihr Unternehmen entscheidet, nennen die Befragten Image, Bekanntheit der Marke, Unternehmenskultur und Aufgabenfeld. Als Rekrutierungsmethoden dienen Anzeigen und Direktansprache über Personalberater. Zwar haben die Personalabteilungen der Handels- und Konsumgüterindustrie die Herausforderungen der demografischen Entwicklung zumindest theoretisch erkannt, betont Weber, "aber nur wenige Großunternehmen arbeiten an konkreten Strategien". Von einem zukünftigen "War for Talent" gehen die meisten noch nicht aus.

In Sachen "Employer Branding", also beim aktiven Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke und bei der Ausgestaltung moderner Personalinstrumente, hätten die Firmen zum Teil noch erheblichen Nachhochbedarf.

Leicht steigende Fluktuation

Ein weiteres Studienergebnis: Die Fluktuation in der Konsumgüterbranche ist relativ hoch. Der Handel und Großunternehmen verzeichnen mit 12,6 beziehungsweise 12,9 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Fluktuationsrate. In den Handelsfilialen ist sie deutlich größerer als in den Zentralen, erläutert Weber. Bei den Konsumgüterherstellern liegt sie im Schnitt bei 8 Prozent. Insgesamt wird eine leicht steigende Tendenz festgestellt.

Die durchschnittlichen internen direkten Personalbeschaffungskosten je Neueintritt werden mit 2,2 Monatsgehältern angegeben. Im Handel sind die Kosten im Schnitt mit 1,9 Monatsgehältern niedriger als bei den Herstellern mit 2,4 Gehältern. Auch kleinere Unternehmen weisen mit durchschnittlich 1,9 Monatslöhnen niedrigere Beschaffungskosten als Mittel- und Großbetriebe mit 2,4 beziehungsweise 2,5 Monatsgehältern auf.

Hinzu kommen bei externer Rekrutierung noch externe Personalbeschaffungskosten von etwa drei bis vier Monatsgehältern. Nach Angaben der Befragten erfolgt die Mitarbeiterrekrutierung weitgehend über die unternehmensinterne Personalabteilung, die in beinahe alle Rekrutierungsprozesse eingebunden ist, während Führungskräfte sich der Aufgabe gerne entziehen.

Verbraucherverhalten, Trends, Kosteneffizienz und Internationalisierung haben direkte Auswirkungen auf die Mitarbeiter und die Komplexität der Aufgaben. Zwar reagieren die meisten einerseits mit besserer Aus- sowie verstärkter Fortbildung und intensiven Schulungen.

Andererseits erwarten die befragten Unternehmen auch eine höhere Flexibilität, mehr Einsatzbereitschaft und Serviceorientierung von den Mitarbeitern bei gleichzeitigem Rationalisierungsdruck der Arbeitsabläufe. Als Herausforderungen der nächsten Jahre werden in erster Linie Kostensenkungen, Effizienzsteigerungen und Produktinnovationen gesehen. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats