Mensch, Maschine und Management

von Judit Hillemeyer
Freitag, 13. November 2009
Produktionsprozesse und Arbeitsabläufe sind nicht statisch. Sie müssen kontinuierlich den aktuellen Anforderungen angepasst werden, wie das Beispiel Steinhaus zeigt. Viele Mittelständler haben hier bereits die Weichen gestellt.



Der Lebensmittelhersteller Steinhaus hat mit Einführung des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) Fortschritte bei Produktivität, Qualität und Kosten erzielt. Die Geschäftsleitung wollte auf diesem Weg die Produktivität in allen Bereichen steigern und das Unternehmen zukunftssicher machen. Auf diesem Weg verkürzten sich beispielsweise die Auftrags-Durchlaufzeiten um 30 Prozent. Über Workshops zur Rüstzeitminimierung und veränderte Produktionslayouts hob man versteckte Potenziale von teilweise über 60 Prozent.

Fast entscheidender als die messbare Produktivitätssteigerung ist für Steinhaus-Geschäftsführer Götz Nafe die Etablierung einer lernenden Organisation durch die KVP-Philosophie. "Wir haben jetzt Mitarbeiter, die deutlich flexibler und motivierter sind als vorher", sagt Nafe. Die Belegschaft sei fest in die Prozessabläufe mit eingebunden und arbeite ständig an den Verbesserungen mit. Alle Mitarbeiter sollen ganzheitlich und laufend an Verbesserungen arbeiten.

Reduktion des Bestandes

Auf Basis einer neuen Planungsgrundlage hat der Lebensmittelproduzent im Vertrieb die Genauigkeit der Absatzprognosen durch eine direkte Kommunikation und bessere Einbindung der Mitarbeiter um etwa 25 Prozent gesteigert.

Das habe die Bestände deutlich reduziert. Zudem wurde der nach Funktionen ausgerichtete Organisationsaufbau zugunsten einer Kundenorientierung geändert. Interdisziplinäre Prozessteams arbeiten jetzt eng am Kunden. Umgesetzt wurde das Konzept mit dem Frankfurter Beratungsunternehmen b-k-p-Consulting GmbH.

KVP erfordert eine Unternehmenskultur, die von Offenheit und Veränderungsbereitschaft geprägt ist und in der Teamarbeit vorherrscht. Deshalb sind die Vorgesetzten durch ihr Verhalten gegenüber ihren Mitarbeitern besonders gefordert. So hat Steinhaus mit einem Coaching die Führungskräfte in ihrer Vorbildfunktion gestärkt.

Das Vorbild des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses kommt ursprünglich aus der japanischen Automobilbranche und heißt Kaizen. Gemeint ist nicht die sprunghafte Verbesserung durch technische Innovation, sondern die schrittweise Optimierung. Dahinter verbirgt sich die Idee, in den Prozess Führungskräfte und Mitarbeiter einzubeziehen.

Die innere Haltung

Das bedarf einer inneren Haltung, die alle Aktivitäten in einem Unternehmen durchdringt: Produkt-, Prozess- und Servicequalität. Umgesetzt wird das Verfahren durch stetig kleine Schritte - in kontinuierlicher Teamarbeit. Umgesetzt wird das auch bei Griesson-de Beukelaer und Intersnack. Werksarbeiter haben im Team die Verantwortung für Kosten- und Produktionseffizienz, Maschinenwartung und Pflege - über alle Herstellungsstufen hinweg übernommen.

Das Grundprinzip des KVP wird auch im Qualitätsmanagement und Arbeitsschutz umgesetzt. So hat die Brauerei Beck&Co durch Sicherheitsdenken der Mitarbeiter heute die Zahl der Betriebsunfälle um 80 Prozent reduziert, so Brauerei-Chef Ingo Nieten. Sein Ziel sind "null Unfälle", was er durch Trainings und Investitionen in die Arbeitssicherheit erreichen will. Dafür müssen Maschine, Mensch und Management in Einklang gebracht werden. (juh)

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