Strategien brauchen Akzeptanz der Mitarbeiter

von Redaktion LZ
Freitag, 17. September 2004
LZ|NET. Die Beteiligung der Mitarbeiter an der Entwicklung der Firmenstrategie führt zu einer verbesserten Gewinnmarge.



Deutsche Führungskräfte zeigen sich in dieser Hinsicht allerdings noch sehr zurückhaltend. Bei der strategischen Ausrichtung ihrer Unternehmen bleiben sie lieber unter sich.

Die mittelständische Nahrungsmittel-Industrie ist mit zwei Problemen konfrontiert: der rigiden Preispolitik des Einzelhandels und der zunehmenden Marktkonzentration.

Wer in diesem Szenario überleben will, muss Wachstum über Produktinnovationen erzeugen - das gilt ganz besonders für den Mittelstand.

Doch Produktentwicklungen sind risikoreich. Rund zwei Drittel aller neu angebotenen Produkte der Lebensmittelindustrie floppen - bei immer kürzeren Entwicklungszyklen. Große Unternehmen haben das Potenzial, eigene Forschung und Entwicklung zu betreiben.

Nischenprodukte und Wachstum

Dem Mittelständler bieten sich hingegen zwei Strategien, wie Dr. Wolfgang Seeliger, Principal Consultant der Frankfurter DRS Management Consulting GmbH erläutert: Wachstum bis zur Konsolidierung in einen größeren Verbund oder die Besetzung einer Produktnische, die dem Einzelhändler einen Mehrwert bringt.

Beides bedarf der Kreativität und Innovation. Diese sind wiederum eng mit dem Firmenwachstum verbunden, so Seeliger. DRS befragte im Frühjahr dieses Jahres rund 3.000 deutsche Unternehmen zu ihren Prozessen der Strategieentwicklung.

Wer seine Mitarbeiter bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens mitreden lasse, mehrt die Chancen auf Wachstum, so das Ergebnis der Untersuchung "Ertragssteigerung durch partizipative Strategieprozesse", an der auch die Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach beteiligt gewesen ist.

Deutsche Manager diktieren

14 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland entwickeln ihre Strategien partizipativ. Ihre durchschnittliche Netto-Gewinnmarge beträgt 4,8 Prozent. 52 Prozent arbeiten nach dem Top-down-Muster - sie diktieren ihre Entscheidungen von oben nach unten.

Diese Firmen verzeichnen eine durchschnittliche Gewinnmarge von nur 2,8 Prozent. Eine Gewinnmarge von 3,8 Prozent erzielen die Unternehmen (34 Prozent), die gemischte Elemente einsetzen.

"Wir glauben, dass Unternehmen mit partizipativer Strategieentwicklung flexibler auf Marktbedingungen reagieren können", sagt Seeliger. Unterschieden nach Branchen zeigt sich, dass das produzierende Gewerbe (71 Prozent) sowie der Logistiksektor (67 Prozent) noch traditionell vorschreibend, also präskriptiv agieren.

Dagegen scheint sich die Finanzindustrie in einer Übergangsphase zu befinden. Jeweils 45 Prozent nutzen noch herkömmliche präskriptive, beziehungsweise stärker involvierende Methoden. 10 Prozent beziehen ihre Mitarbeiter aktiv in ihren Strategieprozess ein.

Der Dialog ist gefragt

Die Einbindung der Angestellten in die Firmenstrategie ist mit 22 Prozent am stärksten in der chemischen Industrie ausgeprägt. Seeliger führt das darauf zurück, dass gerade diese Branche in den vergangenen Jahren von grundlegenden Umwälzungen betroffen war. 44 Prozent nutzen gemischte Elemente, und 33 Prozent ordnen die Umsetzung ihrer Entscheidungen an.

Die deutsche Nahrungsmittelbranche generiert sich hier tendenziell durchschnittlich konservativ und autoritär.

Dem offenen Dialog stehen europäische Manager aufgeschlossener gegenüber. Diejenigen, die ihre Angestellten zur Mitarbeit auffordern (23 Prozent), verzeichnen eine Netto-Gewinnmarge von rund 7 Prozent, so das Untersuchungsergebnis von DRS aus dem Jahr 2001. Hier liegen vor allem die Schweden vorn.

Organisatorisch können Mitarbeiter mit Hilfe von Großgruppentechniken in strategische Planungen integriert werden, erklärt der Berater. Diese Form setze einen durchlässigen Kommunikations- und Kreativitätsprozess voraus - über alle Hierarchiestufen hinweg.

Damit werde der Wissensfundus, auf den das Top-Management zurückgreife, deutlich erhöht. Auf herkömmliche Art und Weise würden lediglich 4 Prozent aller vorhandenen Informationen im Unternehmen genutzt.

Firmen, die ihre Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse integrieren, reduzierten auch das Flop-Risiko von Produktinnovationen. Zudem könne die Einbeziehung von Verbrauchern in einer Großgruppenveranstaltung frühzeitig Fehlentwicklung vermeiden. Ein solches Verfahren führe schon im Vorfeld zu mehr Sicherheit und einer besseren Markteinschätzung.

Kreativität ist gefragt

Großgruppentechniken bilden einen Rahmen, in dem kreative Ideen entwickelt werden können. Die Gespräche dienen als Basis für eine Strategieentwicklung. Der positive Effekt besteht für Seeliger darin, dass "Mitarbeiter, die Entscheidungen mittragen, sie auch leichter umsetzen". Die Effektivität sei deutlich größer als bei Dienstanweisungen.

Die "Konversation" diene darüber hinaus einem weiteren Zweck: "Die gruppendynamischen Bedingungen einer Großveranstaltung sind so organisiert, dass Teilnehmer zueinander finden und mehr Verständnis für ihre Mitstreiter entwickeln.

Unterschiedliche Interessensgruppen werden integriert, wie sie bei Unternehmensverschmelzungen im Rahmen von Wachstumsstrategien vorkommen, vergleicht der Unternehmensberater. Voraussetzung für einen solchen Prozess ist, dass die Unternehmensleitung Macht teilt.

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