Die Studienkombination ist gefragt

von Judit Hillemeyer
Freitag, 27. Oktober 2006
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Auf akademischen Nachwuchs können Handelsunternehmen kaum verzichten. Von welcher Hochschulart die Bewerber kommen, scheint aus Arbeitgebersicht eine untergeordnete Rolle zu spielen, nicht aber die Studieninhalte und deren Kombination. So lautet der Ergebnis einer Untersuchung der Fachhochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen.


Fast alle der befragten Handelsunternehmen, nämlich 86 Prozent, stellen Hochschulabsolventen ein. Wobei die Zahl der jährlichen Neueinstellungen stark divergiert. Ein Unternehmen gibt an, jährlich bis zu 80 Akademiker einzustellen - die große Mehrheit rekrutiert zwischen ein und zwölf.

14 Prozent kommen nach eigenen Angaben ohne Hochschulabsolventen aus. Die Studienergebnisse der Nürtinger Untersuchung basieren auf 21 befragten Groß- und Einzelhandelsunternehmen. Sie sind zwar nicht repräsentativ, spiegeln aber die Tendenz der aktuellen Einstellungspraxis wider.

Der Berufsschock

Die Form der Hochschule ist demnach für 62 Prozent der Befragten sekundär. Jeweils 19 Prozent bevorzugen Absolventen von Universitäten oder Fachhochschulen.

Dass fast 43 Prozent glauben, die theoretische Ausbildung an den Universitäten sei besser, entspricht laut Dr. Michael Lerchenmüller, Professor am Handelslehrstuhl der FH Nürtingen, eher einem Klischee.

Führungsqualität wird jedoch kaum von der Hochschulart abgeleitet. Leitender Nachwuchs muss laut 65 Prozent der Befragten nicht zwangsläufig von der Universität kommen.

Weil die Ausbildung an Fachhochschulen als anwendungs- und praxisorientierter gilt im Vergleich zu Universitäten, glauben viele, dass bei Universitätsabsolventen der "Berufsschock" länger dauert. 70 Prozent der Händler gibt an, dass die Berufseingewöhnungsphase von Uni-Abgängern länger anhält.

Aus Sicht der Fachhochschul-Studenten weniger erfreulich, wohl aber Praxis: Berufsanfänger von Universitäten erhalten höhere Einstiegsgehälter. Das ist bei 70 Prozent der Umfrageteilnehmer der Fall. Kategorisch handhabt das keiner, denn die Antwort "trifft voll und ganz zu" wurde von niemandem angekreuzt.

Die Resonanz

Außerdem wurde ermittelt, inwieweit sich der Abschluss Bachelor in der Handelspraxis durchgesetzt hat. Noch haben die neuen internationalen Abschlüsse wenig Resonanz. Derzeit bevorzugen die Befragten das Diplom als akademischen Grad.

Das sagen zumindest fast 71 Prozent. An zweiter Stelle folgt mit nur 16 Prozent der Bachelor - so die Einstellungspraxis. Weit abgeschlagen mit 4,2 Prozent werden Master, Doktoranden und andere Abschlüsse gewünscht. Das mag an der noch relativ geringen Zahl von Bachelor- und Masterabsolventen liegen. In den kommenden zehn Jahren wird sich die deutsche Handelsbranche stärker mit den internationalen Hochschulabschlüssen anfreunden müssen.

Abschlüsse sind das eine, Studieninhalte das andere. Das Wissen um Unternehmensprozesse spielt bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern eine erhebliche Rolle. Als wichtig bis unverzichtbar nannten die befragten Handelshäuser mit über 80 Prozent Kenntnisse von Unternehmensführung, Marketing, Organisation, Controlling/Rechnungswesen und Datenverarbeitung/IT.

Im Rahmen dieser Untersuchung ging es nicht um die generelle Bedeutung dieser Themen, sondern um die Gewichtung bei der Selektionspraxis. Die Spitzenplätze bei den prozessualen Vertiefungsrichtungen belegten vor allem Organisation, Controlling und Informationstechnologie.

Das Personalmanagement

Wissen um das Personalmanagement wurde mit 70 Prozent als wichtig bis unverzichtbar eingeordnet. Doch hier sieht Lerchemüller Schwierigkeiten: "Natürlich lehren wir Personalmanagement", betont der Hochschullehrer. Doch es sei letztlich an keinem Institut möglich, in diesem Fall wirklich praxisnahes Wissen zu vermitteln."



Akademischer Nachwuchs im Handel
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Für Lerchenmüller liegt der Grundstock einer Führungsqualität letztlich in der Persönlichkeit des Menschen. "Entweder man hat es, oder man hat es nicht." Als sekundär wurden Kenntnisse im Bereich Wirtschaftsrecht und Steuern bewertet.

Ein "kombinatives Studium" entspricht dem Anforderungsprofil der Handelshäuser - Wirtschaftswissenschaft und Handelsbetriebslehre mit den entsprechender Vertiefungsrichtungen. 24 Prozent der Befragten halten das für "unverzichtbar", 72 Prozent für "sehr" beziehungsweise "ziemlich" wichtig.

Mit der aktuellen Hochschulbildung unabhängig von der Hochschulart zeigen sich 93 Prozent der befragten Handelsunternehmen zufrieden. Die Leistungszufriedenheit mit den Berufseinsteigern steigt, wenn die absolvierten Studiengänge mit dem Anforderungsprofil der Händler an den akademischen Nachwuchs korrespondieren. Je weniger die Berufseinsteiger dem Anforderungsprofil des Arbeitgebers entsprechen, desto eher nimmt die Leistungszufriedenheit ab (juh)

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