Zu wenig Frauen an der Macht

von Judit Hillemeyer
Freitag, 22. Juni 2007
Starre Arbeitsmodelle über das gesamte Berufsleben hinweg und der damit verbundene geringe Anteil von Frauen an der Gesamtarbeitszeit seien Hauptgrund für die niedrige Zahl weiblicher Führungskräfte in Deutschland.



Je größer der Anteil von Frauen an der Gesamtarbeitszeit, desto besser sind ihre beruflichen Aufstiegschancen. Das belegt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Sie beruht auf Analysen aus 23 Ländern in Europa.

In der Rangfolge der Nationen mit den besten Karriereaussichten für Frauen liegt Deutschland im Mittelfeld. An der Spitze stehen Finnland, Schweden und Norwegen. Schlusslichter sind Spanien, Italien und Luxemburg.

Die Untersuchung hat McKinsey am Freitag beim 13. Global Summit of Women in Berlin vorgestellt. Die Konferenz mit mehr als 900 weiblichen Führungskräften aus Politik und Wirtschaft aus 90 Ländern fand vom 14. bis 16. Juni erstmals in Deutschland statt.

Im Mittelpunkt der McKinsey-Analyse stehen die ökonomische Situation von Frauen in Europa und die Frage, wie sich die Zahl von Frauen in Führungspositionen erhöhen lässt.

Skandinavien liegt vorn

In Deutschland beträgt der Anteil von Frauen an der Gesamtarbeitszeit 38 Prozent, in Finnland 46 Prozent, in Schweden 44 Prozent und in Norwegen 43 Prozent, wo jeder dritte Topmanagementposten von einer Frau besetzt wird - der Spitzenwert in den von McKinsey untersuchten Ländern.

Deutschland kommt auf einen mittleren Rang mit 11 Prozent Frauenanteil. Dagegen ist in Italien nur jede dreißigste Top-Führungsposition mit einer Frau besetzt. Dort beträgt deren Anteil an der Gesamtarbeitszeit entsprechend nur 33 Prozent.

Drei Gründe sind der McKinsey-Untersuchung zufolge ausschlaggebend für den geringen Anteil von Frauen an der Gesamtarbeitszeit: Erstens behindern fehlende flexible Arbeitsmodelle Frauen-Karrieren. Egal ob Mann oder Frau - künftig sollten Auszeiten für Kinderbetreuung und Phasen von Teilzeitarbeit für alle Erwerbstätigen selbstverständlich möglich, aber nicht von Dauer sein.

Zweitens erschwere das Fehlen von Angeboten an guter und gesicherter Kinderbetreuung den Aufstieg weiblicher Führungskräfte. Dabei könnten gerade sie zu einem erheblichen Teil dazu beitragen, den dramatisch steigenden Bedarf an Fach- und Führungskräften in Europa auszugleichen.

Allein in Deutschland werde sich bis 2020 die Nachfrage nach Fachhochschul- und Hochschulabsolventen um zwei Millionen erhöhen. Dies entspricht einem Anstieg von 30 Prozent.

Drittens unternehmen die Wirtschaft nach Ansicht von McKinsey immer noch zu geringe Anstrengungen, weibliche Talente zu gewinnen und systematisch zu entwickeln. Der Vorstand selbst sollte für sein Unternehmen konkrete Ziele etwa bei der Erhöhung des Frauenanteils bei Einstellungen anstreben.

Als Maßstab dabei gelte der so genannte Fair Share, also der jeweilige Anteil von Hochschulabsolventinnen aus den für eine Branche relevanten Studienfächern. Quantitative Ziele seien auch für die Entwicklung der bereits beschäftigten Mitarbeiterinnen notwendig.

Transparenz über aktuelle Zahlen könne gezielt zur Förderung des Kulturwandels im eigenen Unternehmen eingesetzt werden. Außerdem sei es erforderlich, weibliche Mentoring- und Rollenmodelle auf allen Führungsebenen zu etablieren.

Das Engagement von McKinsey ist Teil einer Women & Family-Initiative. Die Unternehmensberatung startete dieses Programm Anfang 2005 mit dem Ziel, den Anteil der Beraterinnen von damals 14 auf mittelfristig 30 Prozent zu erhöhen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. (juh)

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