Soziale Verantwortung

von Judit Hillemeyer
Freitag, 02. Juli 2004
Im Zeitalter der Globalisierung geraten die traditionellen Selbstverständnisse von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Bewegung. Vor allem internationalen Konzernen kommt dabei eine wachsende Verantwortung zu.



Rund 86 Prozent der Bundesbürger der Meinung sind, dass soziale Verantwortung Unternehmen auf Dauer erfolgreicher macht, so das Ergebnis einer von der Philip Morris GmbH in Auftrag gegebene Studie der Universität St. Gallen, die auch in Buchform vorliegt.

Allerdings glaubt nur jeder Zehnte, dass die Firmen sich in ausreichendem Maße um ihre soziale Verantwortung kümmern. In einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts wurden 1.000 Bürger zur Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft befragt.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Bundesbürger von Unternehmen ein hohes Verantwortungsbewusstsein an ihren Firmenstandorten erwarten.

Mehr als die Hälfte der Befragten fordert, dass Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz, Boykott von Betrieben, in denen Kinderarbeit stattfindet, und die Förderung von Behinderten beachtet werden.

Die wachsende unternehmerische Verantwortung wird vor allem deutlich vor dem Hintergrund einer schwindenden Rolle des Staates.

So glauben 67 Prozent der Befragten, dass sich der Staat allmählich aus seiner Aufgabe, die Sozial- und Umweltstandards in der Wirtschaft zu kontrollieren, zurückzieht.

Ratlosigkeit in Führungsetagen

Zudem sind 40 Prozent der Meinung, in den Medien werde heute häufiger über die soziale Verantwortung von Unternehmen berichtet.

Ungefähr 60 Prozent der Interviewten beklagen, dass in den Führungsetagen großer und mittlerer Unternehmen hinsichtlich des Themas "echte Ratlosigkeit herrscht".

Die Bereitschaft, den Dialog mit Kritikern zu suchen, um aus der Überwindung gewohnter Denkmuster zu lernen, schätzt die überwältigende Mehrheit von 80 Prozent der Befragten als "niedrig" oder gar "sehr niedrig" ein.

"Die Studie mache deutlich, wie stark die Forderung der Deutschen nach mehr Unternehmensverantwortung ist", so die Philip Morris GmbH.

Ziel der Untersuchng sei es daher, über die bislang vorwiegend in Expertenkreisen geführte Diskussion hinaus, differenzierte Anstöße in einer gesellschaftspolitischen Debatte zu geben.

Die Studie: York Lunau und Florian Wettstein "Die soziale Verantwortung der Wirtschaft - Was Bürger von Unternehmen erwarten - St. Galler Beiträge zur Wirtschaftsethik" Band 35. 160 Seiten mit Grafiken und Tabellen. Haupt Verlag, EUR 24,-/CHF 36,-. ISBN 3-258-06769-4 (juh)

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