Ingenieure mit Wirtschaftskompetenz

von Judit Hillemeyer
Freitag, 20. Juni 2008
Ulrich Enneking, Foto: FH Osnabrück
Ulrich Enneking, Foto: FH Osnabrück
Die deutsche Hochschullandschaft ist im Umbruch. Die akademische Ausbildung wird unternehmerischer, praxisorientierter und fokussierter. So startet die Fachhochschule Osnabrück im Wintersemester mit dem interdisziplinären Studiengang "Wirtschaftsingenieurwesen Lebensmittelproduktion".



Ulrich Enneking, Professor für Agrarmarketing, FH Osnabrück

Ingenieure werden zunehmend zum Engpass für die deutsche Industrie. Experten prognostizieren, die Lücke werde auf dem Arbeitsmarkt in zehn bis fünfzehn Jahren noch gravierender sein, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen.

Gerade für mittelständische Lebensmittelproduzenten ist es besonders schwer, offene Stellen zu besetzen.

Das jahrelange Trommeln der Wirtschaft für mehr technischen Nachwuchs ist erhört worden. So orientiert sich auch die FH Osnabrück stärker an den Anforderungen der Unternehmen. Rund ein Jahr lang entwickelten die Professoren Ulrich Enneking und Diemo Daum in enger Abstimmung mit Nahrungsmittelherstellern den neuen Studiengang "Wirtschaftsingenieurwesen Lebensmittelproduktion".



Diemo Daum, Foto: FH Osnabrück
Diemo Daum, Professor für Pflanzenernährung, FH Osnabrück

Er soll eine bislang bestehende Lücke in der Hochschulausbildung schließen. Zum Aufbau des Studiengangs werden vier neue Professuren eingerichtet: BWL-Lebensmittelproduktion, Food Chain Management, sowie Lebensmitteltechnik- und -verfahrenstechnik.

Die Lebensmittelindustrie steht vor neuen Herausforderungen: "Zunehmende Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen sowie der allgemeine Druck zur Kostenkontrolle machen eine enge Verzahnung von technischen Abläufen, betriebswirtschaftlichen Aspekten und einer Qualitätssicherung notwendig", so Enneking.

"In diesem Spannungsfeld den Anforderungen der Weiterverarbeiter und Kunden gerecht zu werden, ist eine anspruchsvolle Aufgabe", unterstreicht Daum. Bereits bei der Vermittlung der fachlichen Grundlagen im ersten Studienjahr soll der Bezug zum Lebensmittel im Vordergrund stehen.

Foto: FH Osnabrück
In Wort und Tat: Künftige Wirtschaftsingenieure erwerben Kernkompetenzen in der Lebensmitteltechnologie und Betriebswirtschaft.

Die Studierenden erhalten sowohl theoretisches Fachwissen als auch praxisorientierte Einblicke in die Produktion und Verarbeitungsprozesse von Lebensmitteln. Auf Grundlage betriebswirtschaftlicher und lebensmitteltechnischer Kernfächer werden Verarbeitungs- und Verpackungstechniken sowie das Qualitätsmanagement vermittelt.

Da Nahrungsmittel auch international gehandelt werden, soll zudem die globale Ausrichtung dieses Wirtschaftszweiges fokussiert werden, betonten die beiden Hochschullehrer.

Ein wichtiger Kooperationspartner der Fachhochschule und Mitinitiator des neuen Studiengangs ist das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück, in dessen Technikum-Neubau Praktika und Übungen stattfinden werden. Dabei sollen die Studierenden im interdisziplinären Team modernste Technik mit hohem Praxisbezug kennen lernen.

Im Studienverlauf können individuelle Schwerpunkte gesetzt werden wie Ernährung, Gentechnologie, Marketingmanagement, Logistik oder Anlagenplanung. Darüber hinaus vermittelt die Hochschule bei Interesse Auslandssemester. Ergänzend bietet der Hochschulstandort Osnabrück Vernetzungsmöglichkeiten mit bereits etablierten Studienangeboten aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Ökotrophologie sowie Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften.

Zur Vervollständigung des Ausbildungsprofils werden neben der fachlichen Qualifikation übergeordnete soziale und methodische Kompetenzen vermittelt. Enneking zufolge ist dies insbesondere deshalb wichtig, "weil die Absolventen Führungsaufgaben bei ihrem künftigen Arbeitgeber übernehmen sollen".

Rund 40 Unternehmen der Foodbranche haben ihre Bereitschaft signalisiert, Diplomarbeiten und Praktika zu vergeben. Insgesamt stehen in Osnabrück 42 Studienplätze zur Verfügung. Bislang liegen zahlreiche Bewerbungen vor. Das Geschlechterverhältnis unter den Interessenten ist pari. Am Ende des sechssemestrigen Studiengangs wird der Abschluss "Bachelor of Engineering" erworben. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli. (juh)

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