Beschlussfähigkeit systematisieren

von Judit Hillemeyer
Freitag, 19. September 2008
Eine Untersuchung des Entscheidungscoachs Christoph Trinkl ermittelte, dass viele Firmen in der Regel kein systematisches Entscheidungsmanagement betreiben. Die Folge: Marktchancen bleiben ungenutzt.



95 Prozent der Chefs von klein- und mittelständischen Unternehmen entscheiden spontan und aus dem Bauch heraus. Ein Viertel der Befragten ist überzeugt, viele Führungskräfte treffen oft oder immer Fehlentscheidungen. Außerdem mangelt es in drei Viertel der Unternehmen an verbindlichen Entscheidungsregeln und an dem Wissen, wie man klug und richtig entscheidet.

Dies sind die Ergebnisse, die Trinkl in einer bundesweiten und branchenübergreifenden Befragung von rund 450 mittelständischen Unternehmen ermittelte. Zur Person: Trinkl war nach eigenen Angaben viele Jahre in der Geschäftsführung mittelständischer Unternehmen tätig, bevor er sich 1997 als Berater, Coach und Sachverständiger selbstständig machte.

Nahezu alle Unternehmer versäumen es laut der Studie, zu überlegen, welche "Stolpersteine" die Umsetzung ihrer Entscheidungen verhindern könnten. Immerhin 47 Prozent seien bemüht, dass ihre Mitarbeiter eine Entscheidung akzeptieren und mittragen. "Die Chefs sind durchaus selbstkritisch", sagt Trinkl.

Das Entscheiden lernen

"Stattliche 84 Prozent von ihnen sind überzeugt, dass ihr Unternehmen Marktchancen erfolgreicher nutzen könnte, wenn das interne Entscheidungsmanagement besser wäre." Jeder zweite wolle sogar Worten Taten folgen lassen und die Entscheidungskompetenz der Führungskräfte mit Hilfe von Seminaren ausbauen.

Verbindliche Entscheidungsregeln wollen immerhin 35 Prozent der Befragten absehbar in ihren Unternehmen einführen. Für Trinkl ist dies der richtige Weg, denn: "Unternehmen, denen es gelingt, ihr Entscheidungsmanagement zu optimieren, werden im Wettbewerb einen entscheidenden Vorteil haben."

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei, nicht nur die Entscheidungskompetenz des Einzelnen zu fördern, sondern auch die Entscheider zu befähigen. Damit könne sich der Zeitaufwand bis zu 40 Prozent reduzieren. Von einem Analysetools für Entscheidungsprozesse und prozessbasierten Entscheidungsstrukturen erhoffen sich die Mittelständler kürzere Besprechungen und damit Zeitersparnis.

"Dies setzt jedoch voraus, dass die Entscheidungsalternativen im Vorfeld einer Besprechung gut aufbereitet, die Lösungen anhand klarer Regeln bewertet und nach der Entscheidung auch die Umsetzungsaspekte einbezogen werden", erklärt Trinkl.

Stress verringern

Der Coach betont zudem, dass ein gutes Entscheidungsmanagement im Nebeneffekt dazu beitrage, Stress zu reduzieren, die Handlungsfähigkeit zu erhalten und die Leistungsfähigkeit der Führungskräfte zu steigern.

Ein Kompetenz-Check und die Analyse des Status quo decke im ersten Schritt die vorhandenen Defizite in einem Unternehmen auf. "Mitarbeiter, die entsprechend fortgebildet seien, können anschließend als interne Entscheidungscoaches arbeiten, um dazu beitragen, dass sich eine Entscheidungskultur im Unternehmen entwickelt", sagt Trinkl. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats