Webtalk, Speed-Dating, Poken-Party

von Judit Hillemeyer
Freitag, 11. Dezember 2009
Die Informations- und Kommunikationstechnologie verändert das Personalmanagement. Die Unternehmen stehen unter starkem Anpassungsdruck.



Nie zuvor wurde ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem so deutlich von Wissenschaft und Technik geprägt wie heute. Viele Unternehmen stehen daher unter dem Druck, das Management den technischen Möglichkeiten und Erfordernissen anzupassen. Dies gelingt den meisten jedoch nur partiell. "Wir können und wollen nicht alle technischen Möglichkeiten nutzen, sondern uns zielgerichtet vernetzen", sagte Michael Picard, Otto-Personaldirektor, auf der Konferenz der Textilwirtschaft, Deutscher Fachverlag, in der vergangenen Woche in Frankfurt.

Veränderte Beschaffungswege

Verändert haben sich vor allem die Beschaffungswege. "Wir rekrutieren zunehmend online - auch über soziale Netzwerke", erläuterte Reinhold Werthmann, Personaldirektor bei S. Oliver. Weil manche Plattformen als Tätowierstuben der Nation gelten, "machen wir bei relevanten Positionen einen Daten-Check", so Picard. Dabei werde Verhältnismäßigkeit gewahrt. Otto rekrutiert nicht nur im Internet, sondern führt auch seit dem Frühjahr online Bewerbergespräche - was Zeit und Geld spare.

Das Hamburger Handelshaus beschäftigt sich zudem mit Speed-Dating, Web-Talks und Poken-Partys für Auszubildende. Poken ist ein Gerät, welches Kontaktdaten der Besitzer über Nahbereichsfunk austauscht. Neben üblicherweise auf Visitenkarten enthaltenen Daten kann ein Poken auch Links zu Profilen aus verschiedenen sozialen Netzwerken übermitteln. Otto wird außerdem ab März nächsten Jahres ermöglichen, dass alle Mitarbeiter elektronisch auf ihre Entgeldabrechnung zugreifen können.

Schlüssel zum Erfolg

Das Personalmanagement als Schlüssel zum langfristigen unternehmerischen Erfolg ist eine Herausforderung. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Fokus von rein administrativen auf strategische Aufgaben verlagert werden. In der Personalarbeit gilt es künftig stärker Prioritäten zu setzen, erläuterte Christian Scholz, BWL-Professor an der Universität des Saarlandes.

Das Potenzial an erwerbstätigen Personen sinkt bei zunehmender Migration, so die These von Ulrich Köster, Geschäftsführer Personal und Recht bei Galeria Kaufhof. Drastisch spürbar werde der demografische Wandel erst in zwanzig bis dreißig Jahren, doch schon heute müssten die Weichen gestellt werden: Von der Personalbeschaffung über die Qualifizierung bis hin zur Mitarbeiterbindung. Die Ausbildung des eigenen Nachwuchses spielt dabei eine wesentliche Rolle. Das ist bei Görtz ebenso wie bei Engelhorn.

Douglas will darüber hinaus mit einer neuen Marketingkampagne um potenzielle Führungskräfte werben, "um nicht nur im eigenen Saft zu schmoren", so Christina Gemsa, Personaldirektorin der Parfümerie Douglas. "Beim Thema lebenslanges Lernen haben wir Nachholbedarf", betonte Köster auf dem Kongress. Das treffe insbesondere auf lernentwöhnte, ältere und gering qualifizierte Mitarbeiter zu. (juh)

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