Karriere strategisch planen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 17. Juni 2005
TW Professionals
TW Professionals
"Karriere in Mode" - unter diesem Motto veranstaltete die Textilwirtschaft ihren dritten "TW Young Professionals' Day" in Frankfurt. Berufserfahrene informierten auf dem Podium rund 300 Studenten und Einsteiger über aktuelle Berufschancen in der Textilbranche.



Der Markt ist in Bewegung. Er ist seit 1995 um ein Fünftel geschrumpft. Die Zahl der potenziellen Arbeitgeber rückläufig. Konkurrenz erwächst durch Einkaufszentren und Discounter wie Aldi und Lidl.

Die Auktionsplattform Ebay behauptet sich erfolgreich im Textilgeschäft. Jeder dritte Deutsche habe dort bereits einmal Kleidung ersteigert. Handelsunternehmen wie Tchibo florieren mit einem wöchentlich wechselnden Sortiment. So umriss Jürgen Müller, stellvertretender TW-Chefredakteur, die aktuelle Situation.

"Karriere in Mode" - Viele denken an internationale Designer und schillernde Modeschauen. Doch Stoffe müssen entworfen und produziert, Schnitte gemacht und Modelle genäht und vermarktet werden. Die technischen Berufe sind in der Modewelt ebenso zu Hause wie die kreativen.

Die Anforderungen sind gestiegen. In der Diskussionsrunde "Jobs und Karriereperspektiven im Modebusiness" rieten Personalleiter aus Industrie und Handel den Teilnehmern, während des Studiums Praktika zu absolvieren.

Von den Hochschulen forderten sie, aktuelle Marktbedingungen stärker in die Ausbildungsinhalte zu integrieren. Design-Kenntnisse reichten nicht aus. Mitbringen sollten Bewerber für den Einkauf nicht nur Fachwissen, so Hans-Georg Meyer, Leiter der Personalentwicklung bei Görtz, Hamburg, sondern auch Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie ein gutes Zahlenverständnis.

Dennoch, so Friedeman Stracke, Leiter Recruting bei der Hamburger Otto Group, sollten die Anforderungen nicht zu hoch geschraubt werden: "Menschen brauchen Entwicklungsmöglichkeiten."

Teilnehmer der TW-Tagung in Frankfurt, Foto:TW/Fedra
Kein Student lerne im Studium ein hartes und konsequentes Einkaufsgespräch am Telefon mit einer fremden Person zu führen. Den Managementnachwuchs plant Otto, über ein Trainee-Programm selbst auszubilden. Auch, wenn die Gehälter im Handel anfangs nicht sehr attraktiv seien.

"Das Gehalt ist nicht alles und schon gar nicht beim ersten Job", erklärte Einar Leichsenring, Mitbegründer der Personalberatung Perrcon, Nagold. "Der Berufseinstieg ist eine strategische Entscheidung".

Nach zwei bis drei Jahren Erfahrung könne man sich nach einer neuen Stelle umschauen. Gehaltsvorstellungen sollten im ersten Bewerbungsgespräch angesprochen werden.

Über die Angabe einer Gehaltsspanne könne ein Bewerber grundsätzlich Verhandlungsbereitschaft signalisieren. Der persönliche Mehrwert, wie Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrungen, sollte dabei aktiv eingebracht werden.

Der Personalberater hat zur Orientierung Einstiegsgehälter für Berufseinsteiger in der Modebranche dokumentiert. Die Gehaltsperspektiven klafften je nach Ausbildung und Position auseinander.

Das höchste Gehalt kann demnach ein Assistent der Geschäftsleitung im Einzelhandel mit 29 800 Euro erzielen. Der Lohn eines Industrie-Reisenden liegt in der Spitze bei 29 333 Euro. Der Einkaufsnachwuchs im Versandhandel verdiene im Durchschnitt 26 857 Euro.

Neben dem Gehalt spielen die beruflichen Möglichkeiten, die ein Unternehmen bietet, eine entscheidende Rolle. Für ein besseres Verständnis von Prozessketten setzt Boss auf Crossfunktionen. Junge Mitarbeiter wechseln nach Möglichkeit nach 24 Monaten ihre Funktion.

Dazu gehöre auch die Bereitschaft, im Ausland Erfahrungen zu sammeln. Gerade junge Berufseinsteiger sollten diese Chancen nutzen, rieten die Podiumsteilnehmer. Dass Auslandserfahrungen zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, erzählten Mitarbeiter von Peek & Cloppenburg, Puma, Escada, C & A Buying auf dem Podium, die eben solche in der Türkei und in Osteuropa sammelten.

Ihre beruflichen Karrierewege schilderten fünf Manager. Alle hatten ursprünglich andere Berufswünsche, so auch Ralf Pütmann, der als Student zunächst bei Kaufhof jobte und dort später ein Trainee-Programm absolvierte. "Chancen nutzen", heißt seine Devise.

Heute sitzt der Vierzigjährige im Vorstand der Kauhof Warenhaus AG in Köln und verantwortet die Bereiche Einkauf und Marketing. Sein Unternehmen unterstützt jährlich ein Dutzend junge Führungskräfte mit Auslandsaufenthalten, die sie auf einen globalen Markt vorbereiten sollen. Die Verantwortung in einer Führungsposition sei jedoch nicht zu unterschätzen. Zu den unangenehmsten Erfahrungen gehörten vor allem Personalentlassungen.

Eine Alternative zur Festanstellung ist die Selbstständigkeit. Jungunternehmer schilderten, dass in der Startphase die Kreditfrage ihr größtes Problem darstellte. Viele namhafte Kreditinstitute würden Existenzgründungen in der Textilbranche nicht unterstützen. (juh)

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