Talentsuche Absolventenkongress schrumpft

von Julia Wittenhagen
Freitag, 02. Dezember 2016
Einzelhandel sucht Dialog: Nicht allen Absolventen sind Tätigkeitsfelder und Karrieremöglichkeiten bekannt.
Matin Miseré für Staufenbiel Institut
Einzelhandel sucht Dialog: Nicht allen Absolventen sind Tätigkeitsfelder und Karrieremöglichkeiten bekannt.
Viele Händler fehlten auf dem 27. Absolventenkongress. Die Konsumgüterindustrie hält sich traditionell zurück. Mit der Qualität der Gespräche zeigten sich die Aussteller jedoch zufrieden. Dazu trägt Veranstalter Staufenbiel mit Vorab-Matching-Tools bei.

Rund 3.000 Studenten, Absolventen und Young Professionals weniger als im Vorjahr kamen am 24. und 25. November nach Köln, um mit 230 Ausstellern über Einstiegsmöglichkeiten zu sprechen. Einige Stände wie die von L‘Oréal und Unilever waren bis Freitag Nachmittag durchgehend gut besucht. Andere Aussteller wie Textilhändler Peek & Cloppenburg zeigten sich überhaupt nicht zufrieden mit der Besucherfrequenz und wollen die erneute Beteiligung genau prüfen.

Die anwesenden Lebensmittelhändler aber sahen die Messe als fast unverzichtbar an, um bei den 11.900 Besuchern als Arbeitgeber stärker ins Bewusstsein zu rücken – neben Branchen wie Unternehmensberatung, Automobil oder Pharma.

So brachte niemand geringeres als Rewe-Vorstand Lionel Souque den Absolventen die Herausforderungen im deutschen Einzelhandel näher. Sein Vorstandskollege Jan Kunath hatte am Vortag im Rahmen des Begleitprogramms aus 88 Vorträgen die Discountermarke Penny präsentiert. Sehr lebendig schilderte Souque, wie eng sich die Händler in Sachen Kundenfreundlichkeit, Flächengestaltung oder Online-Handel gegenseitig auf den Fersen sind und wie dynamisch sie auf demographische Veränderungen, Digitalisierung und Kostendruck reagieren müssen. "Am Ende machen die Menschen den Unterschied", zog Souque vor rund 50 Absolventen Resümee. "Wer die besten holt, wird langfristig das Rennen um den Kunden gewinnen." Glaubhaft wird seine Botschaft durch seine Präsenz, aber auch einen Messestand, an dem viel Personal die Absolventenprogramme bewarb.

„Am Ende machen Menschen den Unterschied“
Lionel Souque, Vorstand Rewe Group

Im Kontrast dazu glänzte Stammgast Aldi Süd in diesem Jahr durch Abwesenheit. Lidl reduzierte den zweistöckigen Stand aus dem Vorjahr auf eine Etage und Amazon belegte gar nur ein Drittel eines Gemeinschaftsstandes. Auch die Stände von Globus, Obi, Deichmann, P&C, Kaufhof und Breuninger standen nicht immer in Relation zur Marktbedeutung. So investierte Ein-Euro-Händler Tedi viele Euros in Stand und Promotion-Personal. Kaufland ist nach einem Jahr Pause wieder zurück. "Dass 60 bis 70 Prozent der Besucher hier aus NRW kommen, passt gut dazu, dass wir jetzt Regionalgesellschaften gebildet haben," erklärt Sina Gallmeier aus dem Personalbereich. Sechs Fotos mit jungen Leuten machen transparent, in welchen Bereichen das Unternehmen sucht: Vertrieb, Logistik, Immobilien, IT, Zentrale und Produktion.

"So einen guten Dialog mit Bewerbern wie hier erlebe ich selten", lobte Globus-Personalerin Nicole Rodenbüsch die Veranstaltung, auch wenn die Quantität möglicherweise nachgelassen hat. "Wir kommen auf alle Fälle wieder."

Auch Lidl-Sprecherin Isabel Lehmann schätzt den Absolventenkongress. "Gerade Absolventen aus wirtschaftsfremden Fächern wie Jura, Ingenieurwesen und sogar Germanistik sind immer wieder überrascht, wieviele Aufgaben wir bieten, aber auch, wie international wir sind mit Märkten in 30 Ländern", erklärte sie. Viele der Lidl-Ansprechpartner auf dem Stand seien selbst einmal Messebesucher gewesen. Wichtigste Qualifikation: "Lust auf Handel". Um diese bei jungen Leuten zu wecken, würden viele Wege beschritten: Ob mit einer Zeltfiliale bei Rock am Ring oder dem Styling-Stand im Foyer, auf dem Messebesucher sich schön machen und fotografieren lassen konnten.

Wie zum Beweis fanden viel zu wenig Studierende den Weg in den Vortrag über IT bei Lidl. Randvoll war dahingegen der Vortrag von Kununu: "So findest du den Arbeitgeber, der am besten zu dir passt." Und obwohl Marketingdirektorin Sarah Müller zugeben musste, dass die Bewertungsplattform den Traumarbeitgeber noch nicht nach weichen Kriterien wie Betriebsklima oder Teamarbeit filtern kann, gibt der Andrang vielleicht einen Hinweis darauf, wie hoch Studierende digitale Möglichkeiten einschätzen, ihrem Arbeitgeber näher zu kommen.

Krombacher, Barilla und auch Reemtsma registrierten erfreut mehr Anfragen von Absolventen aus Ingenieurs- und anderen technischen Studiengängen. "Wir hoffen, den ein oder anderen im Nachgang einstellen zu können", sagte Andree Schneider, Personalleiter bei Krombacher.

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