HDE und Verdi wollen Mindestlohn

von Mathias Vogel
Freitag, 27. Mai 2011
HDE-Präsident Josef Sanktjohanser sorgt sich um das Image der Einzelhandelsbranche und mahnt attraktive Tarifvereinbarungen an. Unterstützung bekommt er von Verdi-Vizin Margret Mönig-Raane.
Josef Sanktjohanser macht sich Sorgen um das Image des Einzelhandels: Berichte um schlechte Bezahlung etwa, gar über "sittenwidrige Entlohnung", wie sie es in der Vergangenheit gab, sind dem HDE-Chef ein Dorn im Auge. Dem schlechten Ruf will er nun zu Leibe rücken. Mit einem tariflichen Mindestentgelt. Niemand in der Branche dürfe mit niedrigsten Löhnen versuchen, seine Bilanz zu retten. An einer tariflichen Lohnuntergrenze, sagt er, "führt kein Weg vorbei".

Zumindest in dieser Frage kann er sich der vollen Unterstützung der Gewerkschaft Verdi sicher sein. Es bestehe "grundsätzliche Einigkeit mit dem HDE", betont Margret Mönig-Raane. Die Gewerkschaft ist gerade dabei, eine Tarifkommission zu wählen, die einen bundesweit geltenden "Mindestlohntarifvertrag" aushandeln und abschließen soll. Parallel laufen bereits Gespräche mit dem Bundesarbeitsministerium, um die Vereinbarung in einem zweiten Schritt für allgemeinverbindlich zu erklären.

Verhandlungen gehen weiter

Wie hoch der Mindestlohn ausfallen wird, steht aber noch nicht fest. Sanktjohanser hält einen Korridor zwischen 7 Euro und 8 Euro je nach Tarifbezirk für vorstellbar. Das müsse eben verhandelt werden. Neben der Höhe sei genauso wichtig, dass die Vereinbarungen Tarifflucht möglichst ausschließen. Vor allem mittelständische Unternehmen und selbstständige Einzelhändler könnten versucht sein, gegen einen tariflichen Mindestlohn Front zu machen. Eine Befürchtung, die auch Mönig-Raane hegt.

Es gibt noch ein Tarifthema, das Verband und Gewerkschaft "endlich miteinander zu Ende bringen wollen", so Verdi: Es geht um neue Tarifverträge mit "zeitgemäßen Anforderungsbeschreibungen" und "dementsprechenden Vergütungen". Seit fast sieben Jahren arbeiten beide Seiten an diesem Projekt, das "den Handel ein Stück weit von seinem verstaubten Image befreien" und die "Attraktivität ihrer Arbeit für die Beschäftigten erhöhen" soll, so Mönig-Raane.

Warnstreiks und Flashmop

Sanktjohanser sieht es kaum anders. Auch er spricht von "attraktiven Tarifverträgen". Allerdings meint er das aus Sicht der Unternehmen. Ihnen müssten Regularien geboten werden, die Dumpinglöhne erst gar nicht zum Thema werden lassen. Und: " Wir müssen es so regeln, dass die Politik keinen Anlass bekommt, sich einzumischen."

Gänzlich unterschiedlich bewerten beide Seiten die aktuelle Entgeltrunde. Verdi stuft die gebotenen 1,5 Prozent als viel zu niedrig ein. Mit Warnstreiks will die Gewerkschaft ihren Standpunkt den Arbeitgebern verdeutlichen. Mönig-Raane geht noch einen Schritt weiter und hält – wie bereits im vergangenen Jahr – selbst Flashmob-Aktionen nicht für ausgeschlossen. Nicht gelten lassen will sie die Einwände der Arbeitgeber, man müsse auch mögliche Mehrbelastungen aus künftigen Urlaubsansprüchen berücksichtigen. Der Streitwert sei so gering, da sollte man annehmen, dass es "keine Tarifrunde aus den Latschen haut". (mv)

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