Tarifverhandlungen spitzen sich zu

von Mathias Vogel
Freitag, 13. Mai 2011
Die aktuelle Tarifrunde für den Einzelhandel spitzt sich zu. Erste Warnstreiks soll die Arbeitgeberseite zu verbesserten Entgelt-Angeboten animieren. Doch die sieht zuvor noch Klärungsbedarf.
Auch eineinhalb Monate nach den ersten Angeboten klaffen zwischen den Vorstellungen von Gewerkschaft Verdi und den Arbeitgebern noch große Unterschiede. Während die Gewerkschafter im Wesentlichen zwischen 6 und 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordern, bewegen sich die Angebote der Arbeitgeber bei 1,5 Prozent, zuzüglich nicht tabellenwirksamer Einmalzahlungen. "Nicht akzeptabel", heißt es etwa bei Verdi Baden-Württemberg. Denn angesichts der aktuellen Teuerungsrate bedeute das Angebot "reale Lohnsenkungen".

Auf Arbeitgeberseite sieht man aber derzeit wenig Spielraum. Vor allem deswegen, weil die Handelsunternehmen steigende Personalkosten nicht nur aus den Entgeltforderungen der Gewerkschaft erwarten. "Es gibt weitere Themen, bei denen wir noch nicht wissen, wie sie sich kostenseitig auswirken", so ein Handelsmanager.

Stichwort AGG: Anfang des Jahres hatte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf unter Anwendung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes nach dem Alter gestaffelte Urlaubsansprüche im Manteltarifvertrag des Einzelhandels in NRW als gesetzwidrig eingestuft.

Suche nach kostenneutraler Lösung

Müssen die Manteltarife entsprechend angepasst werden, käme das einer Anhebung des Tarifurlaubes auf 36 Tage gleich. Arbeitgeber und Verdi loten derzeit in Berlin Möglichkeiten aus, eine solche Anpassung "kostenneutral" zu gestalten. Noch gibt es aber kein Ergebnis.

Strittige Punkte in den Tarifverhandlungen, die einen Abschluss hinauszögern können, sind zudem die Themen Leiharbeit und die Festlegung eines branchenspezifischen Grundlohns. Bei Letzterem gibt es Gespräche über eine bundesweit geltende Regelung. Beim Thema Leiharbeit scheint es hingegen keine Annäherung zu geben. Das Thema sei für Arbeitgeber "nicht relevant", klagt Verdi.

Parallel erhöht die Gewerkschaft den Druck. In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen gab es erste Warnstreiks, die ausgedehnt werden sollen. Auch Urabstimmungen sind bereits in Vorbereitung, heißt es.

Gleichwohl gehen beide Seiten offenbar noch immer davon aus, einen Abschluss im Frühsommer zu erreichen. Zwar seien die Angebote derzeit unzureichend, so ein Gewerkschafter, aber anderseits habe es auch noch nicht viele Tarifrunden gegeben, "in denen wir im Mai schon das zweite Angebot auf dem Tisch hatten". Bis Ende des Monats wird es noch gut ein Dutzend Verhandlungsrunden geben. (mv)

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