Regalverräumer formieren sich

von Christoph Murmann
Freitag, 01. April 2011
Der Verband Instore und Logistik Services (ILS) hat für seine Mitglieder einen eigenen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV abgeschlossen. Zusätzlich soll künftig ein Qualitätssiegel des TÜV Rheinland die Einhaltung von Sozialstandards dokumentieren.
"Wir sind die Guten." Nach Ansicht von Michael Jeurgens, dem Vorsitzenden des Verbandes Instore und Logistik Services e.V. (ILS), werden "die Schwarzen Schafe" auf Sicht aus der Instore-Dienstleistung ausscheiden. Der politische Druck aus Berlin sei so groß, dass die Dienstleistungsunternehmen sich auf gemeinsame Standards einigen müssten, meint auch Wolfgang Büttgen, Inhaber von Marktführer Teamwork und Gründungsmitglied des ILS. "Es gibt noch zu viele Firmen, die sich nicht an die Regeln halten." Diesen Zustand, so Büttgen, wollten weder die Politik noch die Auftraggeber im Handel auf Dauer hinnehmen.

Um sich aus dieser Situation zu befreien, schließt der ILS einen Mantel- und einen Gehaltstarifvertrag ab. Tarifpartner ist die DHV mit Sitz in Hamburg. Die "Berufsgewerkschaft" ist eine Mitgliedsgewerkschaft des Christlichen Gewerkschaftsbundes (CGB).

Der Tarifvertrag tritt am 1. Mai in Kraft und schreibt Standards etwa für Arbeitszeiten und Urlaub fest und garantiert den Beschäftigten einen Bruttostundenlohn von 6,50 Euro (6 Euro im Osten) in der untersten von neun Tarifgruppen. Eigene Netto-Entgelte für geringfügig Beschäftigte wurden nicht mehr vereinbart.

Gehalt, Arbeitszeiten und Urlaub sind nun geregelt

Auch dies ist ein Zugeständnis an die Vorbehalte der Öffentlichkeit und der Kunden gegenüber diesem Thema, wie Olaf Junge erklärt. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Dienstleistungsunternehmen (BVD) hat den ISL bei den Tarifverhandlungen unterstützt. Bis vor einem Jahr bildeten die Instore-Logistiker nur eine Fachgruppe im BVD.

Junge hält die Unterscheidung von Netto- und Bruttoentgelten zwar nach wie vor für zulässig, doch sei eine doppelte Lohnstaffel vielen Auftraggebern im Handel nicht mehr vermittelbar. Keiner wolle sich wegen unsachlicher Vorwürfe an den Pranger stellen lassen.

Gern hätte der Verband den Tarifabschluss auch mit Verdi gemacht, erklärt Junge. Doch dort treffe er seit Jahren auf wenig Entgegenkommen. Lange habe die große Gewerkschaft im Dienstleistungsbereich auf Haustarifverträge gesetzt. Vorrangiges Ziel sei aber wohl, die Einzelhandelstarife nicht zu untergraben.

Große Handelskunden signalisieren Zustimmung

Doch diese Tarifverträge seien für die Instore-Logistiker nicht passend. Das mit der DHV ausgehandelte Ergebnis nennt Junge "vorzeigbar". Große Kunden im Handel hätten Zustimmung signalisiert. Der Eingangstarif liege zwar unter dem des Einzelhandels, aber eben nur der Basislohn.

Der Tarifvertrag gilt zunächst für die etwa 40.000 Beschäftigten der zwölf Verbandsmitglieder. Weil es sich dabei aber um die Größten der Branche handelt, ist mit diesem Dutzend nach Schätzung von Büttgen bereits eine Marktabdeckung von etwa 60 Prozent erreicht.

Insgesamt gebe es etwa 120 Personalserviceunternehmen mit 350.000 Beschäftigten, die den Handel vor allem bei der Regalverräumung unterstützten, schätzt Jeurgens. 80 Prozent der Beschäftigten sind Mini-Jobber. Fast alle fangen als einfache Warenverräumer in der Tarifstufe1 an, und die Hälfte scheiden auch nach weniger als einem Jahr wieder aus, berichtet Büttgen.

80 Prozent sind Mini-Jobber

Wer jedoch länger dabei bleibt, wird mit zunehmender Qualifizierung auch höher eingestuft. Vollzeitkräfte bezahlt der Marktführer in aller Regel nach Tarifstufe 3 oder 4. In Großstädten wie Frankfurt oder München könne man selbst einfache Warenverräumer nicht unter 7,50 Euro verpflichten. Viele Mitglieder zahlten auch einen Leistungslohn.

Das gleiche soll auch ein Siegel dokumentieren, das der ISL zusammen mit dem TÜV Rheinland vergibt. Der Überwachungsverein überprüft interessierte Unternehmen eingehend auf die Einhaltung der Sozialstandards. Diese Überprüfung erfolge nicht nur einmal, sondern jährlich neu.

Rewe hat den Sozial-Audit des TÜV bereits für alle Dienstleister zur Pflicht gemacht. "Bei Unternehmen mit diesem Siegel sind die Kunden auf der sicheren Seite", verspricht Jeurgens. (mur)

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