Tegut lässt Mitarbeiter am Gewinn partizipieren

von Judit Hillemeyer
Freitag, 01. April 2005
Bei Tegut partizipieren Führungskräfte an der Wertschöpfung. Das Modell ist nicht als individuelle Leistungsprämie konzipiert. In erster Linie versteht sich das Unternehmen als Arbeitsgemeinschaft, in der der einzelne "intelligent, verantwortlich und selbstständig im Sinne des Ganzen handelt".



"Wer im Sinne des Ganzen handelt, soll auch daran teilhaben." Das ist die Grundidee, die Wolfgang Gutberlet, Inhaber und Vorstandschef der Tegut Stiftung & Co, bei seinem Mitarbeiterbeteilungsmodell verfolgt.

Seit Anfang der 80er-Jahre werden die Angestellten an der Wertschöpfung des Unternehmens beteiligt. Für dieses Konzept wurde Tegut Ende vergangenen Jahres mit dem Personalpreis Best-Pers-Award ausgezeichnet.

An dem Entlohnungsmodell sind alle Führungskräfte beteiligt, die außertarifliche Gehälter beziehen. Sie erhalten zuzüglich ihres Gehaltes eine jährliche Variable. Entwickelt wurde ein prozentualer Verteilungsschlüssel, der sich an der Höhe der individuellen Gehälter in Relation zur Wertschöpfung orientiert.

Die Ausschüttungssumme bemisst sich aus dem Verhältnis zwischen Mitarbeiteinkommen und Wertschöpfung sowie der positiven Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Die Filialen werden in diesem Prozess einzeln berechnet, da sie leichter abgrenzbar sind. Die Angestellten sind abhängig vom Filialergebnis. Für alle anderen gilt die Gesamtentwicklung des Unternehmens.

Neu ist das System nicht. Initiiert wurde es in den 80er-Jahren. Damals partizipierten noch alle Mitarbeiter an dem Konzept. Seit Mitte der 90er-Jahre gilt es nur noch für Führungskräfte.

Erfolg lohnt sich

"Diese Personen können deutlich stärker auf den Erfolg unseres Unternehmens Einfluss nehmen", sagt Karl-Heinz-Brand. Er hat die Geschäftsleitung für den Bereich "Mensch und Arbeit" bei Tegut inne. Heute haben, gemessen am Personalstand, rund 20 Prozent der Tegut-Angestellten teil an dem spezifischen Entlohnungsmodell.

Als Kompensation erhalten die Tariflohnempfänger "vergünstigte Lebensmittel", erläutert Brand. In den vergangenen 20 Jahren wurde nur ein einziges Mal keine Wertschöpfungsbeteilung ausgeschüttet, "weil es aufgrund von Investitionen nichts zum Verteilen gab", so Wolfgang Gutberlet. Diese Möglichkeit werde von den Mitarbeitern akzeptiert.

Das Wertschöpfungsmodell will der Unternehmer weder als Nasenprämie noch als individuellen Leistungsanreiz verstanden wissen, wo "der Hund hinter der Wurst herläuft". Tegut geht es um ein gemeinschaftliches Arbeitsverständnis.

Diesen Ansatz teilen nicht viele Handelsunternehmen. Bei dem Discounter Aldi dienen Prämien als Leistungsanreiz für die Filialmitarbeiter. Metro belohnt gemäß einer Wertsteigerungsorientierung nach dem Economic-Value-Added-Prinzip. Andere Einzelhändler wie Lidl lehnen jegliche Form der Beteiligung ab.

"Menschen müssen vor allem Sinn in der Arbeit finden und nicht im Einkommen", sagt der Tegut-Chef. Dabei soll nicht vergessen werden, dass das Gehalt die Quelle für den Lebensunterhalt bildet. Das Entlohnungsmodell ist Teil einer aktiven Personalpolitik. Dabei versteht sich Gutberlet nicht als Missionar. "Jedes Unternehmen muss seine eigene personalpolitische Lösung finden." (juh)

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