Kaiser’s Tengelmann spart am Personal

von Redaktion LZ
Freitag, 13. August 2010
LZnet. Supermarkt-Filialist Kaiser’s Tengelmann steht nach den Struktur-Bereinigungen des vergangenen Jahres ein neuerlicher Kraftakt bevor. Diesmal geht es um einen Verzicht der derzeit etwa 20.000 Mitarbeiter auf einen Teil ihrer Bezüge. Entsprechende Tarifverhandlungen sollen im kommenden Monat aufgenommen werden.
Kaiser’s Tengelmann und Gewerkschaft Verdi werden Ende September in Tarifverhandlungen einsteigen, die den Abschluss eines so genannten Zukunftssicherungstarifvertrages zum Ziel haben. Dafür ist bei der Gewerkschaft bereits eine große Tarifkommission eingerichtet und erste Sondierungsgespräche mit der Unternehmensführung der Tengelmann-Supermarkttochter sind geführt worden.
 

Zukunft von Kaiser's absichern

Auch die Mitarbeiter des Unternehmens wurden inzwischen informiert. In einem Brief unterrichtete die Geschäftsführung über das Vorhaben: "Gemeinsam mit den Betriebsräten und Verdi wollen wir die richtigen Schritte setzen, um die Zukunft von Kaiser’s Tengelmann weiter abzusichern."

Ziel sei es, Kaiser’s Tengelmann "nachhaltig" zu gesunden. Die Voraussetzungen dafür hätten sich in den letzten Monaten zwar verbessert, reichten aber noch nicht aus. Daher die Verhandlungen mit Verdi.

Nach LZ-Informationen strebt die Unternehmensleitung eine vorübergehende Kürzung tariflicher Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld an. Auf dem Index stünden zudem betriebliche Sonderzahlungen. Die Laufzeit der Vereinbarungen, die in diesem Jahr beschlossen werden und ab 2011 gelten sollen, könnte drei Jahre betragen, heißt es. Das Volumen, um das es geht, soll sich auf etwa 35 bis 40 Mio. Euro beziffern.

Verhandlungen werden nicht leicht

Allerdings steht längst nicht fest, ob es dazu kommt. Die Verhandlungen dürften nicht leicht werden. Die Gegenforderungen der Gewerkschaft sind nicht gering. So verlangt Verdi, dass sich Kaiser’s Tengelmann dauerhaft an Tarifverträge bindet.

Einschnitte in tarifliche Entgeltstrukturen werden dadurch ausgeschlossen. Zudem will die Gewerkschaft eine "Beschäftigungssicherung" und ein "Ausgliederungsverbot" einfordern. Verdi besteht auf einem "glaubwürdigen und nachhaltigen Konzept zur Zukunftssicherung des Unternehmens und der Arbeitsplätze".

Im Umfeld von Tengelmann wird dagegen nicht ausgeschlossen, dass die Eigentümer-Familie Haub die verminderten Bezüge der Mitarbeiter als Verkaufsargument ins Feld führen könnte. Nach der Aufgabe der Region Rhein-Main-Neckar und dem Verkauf der Märkte an Rewe und Tegut halten sich Spekulationen, dass auch die Regionen Nordrhein, Berlin und München mittelfristig an den Mann gebracht werden sollen.

Aus Mülheim ist dazu nur die bekannte Position zu hören: Kaiser’s Tengelmann gehöre zu den Traditionsunternehmen der Gruppe und sei daher nicht verkäuflich.

Vielmehr sollen die eingesparten Personalkosten in die Modernisierung des Filialnetzes investiert werden. Das sei dringend erforderlich, um wettbewerbsfähig zu sein und endlich schwarze Zahlen zu schreiben, ist aus dem Unternehmen zu hören.
 

Verluste halten sich in Grenzen

Zwar habe Kaiser’s Tengelmann in den vergangenen Jahren die Verluste in Grenzen halten können. Doch sei dies dank außerordentlicher Erträge gelungen. Rein operativ sieht die Situation schlechter aus. Verdi spricht gar von "wirtschaftlicher Schieflage", die von unabhängigen Wirtschaftsprüfern festgestellt worden sei.

Auf der Kaiser’s Tengelmann-Agenda stehen pro Jahr etwa 60 Umbauten und rund 25 Neueröffnungen. Grundlage dafür ist ein weiter entwickeltes Konzept, das ab September in der Praxis getestet wird. Das Unternehmen will jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren. Finanziert werden soll das Programm aus dem Cash flow und eben mit den Verdi-Millionen. Aber auch Eigentümer und Geschäftsführung wollen einen Beitrag leisten, heißt es in Mülheim.

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