Tönnies startet Ausbildungsoffensive

von Judit Hillemeyer
Freitag, 14. November 2008
Foto: Tönnies
Foto: Tönnies

Das Zerlegen will gelernt sein. (Foto: Tönnies)
Der deutsche Schweinefleischverarbeiter Tönnies will weiter wachsen. An allen Standorten wird nach qualifizierten und motivierten Mitarbeitern gesucht. Kinder der Arbeitnehmer erhalten so gar eine Ausbildungsplatzgarantie -bei ausreichender Qualifikation.



In vielen Wirtschaftszweigen werden Fachkräfte gesucht. Auch in der Fleischindustrie. "Vor allem in den Fachrichtungen Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Fleischer und Mechatroniker sind bei uns Stellen offen", sagt Josef Tillmann, Geschäftsführer der B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist groß.

Den Bedarf an Fachkräften will das Unternehmen durch eigene Ausbildungsleistungen stützen. Dabei hat es die Fleischbranche nicht leicht, denn sie steht bei Schulabgängern als Wunscharbeitgeber nicht an erster Stelle. Für Tillmann ist das vor allem eine Frage der Aufklärung.

Seit mehreren Jahren unternimmt das Unternehmen Anstrengungen, in Schulen über die Berufswelt der Fleischwirtschaft zu unterrichten. In der Betriebsgruppe wurden in diesem Jahr über 80 neue Azubi-Stellen geschaffen. Insgesamt befinden sich derzeit rund 190 Menschen in einer Berufsausbildung. 15 Lehrstellen sind weiterhin offen.

"Es gibt in Deutschland verhältnismäßig wenig Unternehmen, die in der aktuellen wirtschaftlich schwierigen Zeit überhaupt Personal aufbauen wollen", so Tillmann. Gleichzeitig wächst der Anspruch an Mitarbeiter. Die Arbeitsprofile sind deutlich stärker technikorientiert.

Um frühzeitig Kontakt zu potenziellen Mitarbeitern herzustellen, wurde im Sommer dieses Jahres im größten Ausbildungsbetrieb in Sachsen-Anhalt der Aktionstag "Azubis für Weißenfels" veranstaltet. Schüler, Eltern und Lehrer hatten Gelegenheit, sich von dem Arbeitgeber ein Bild zu machen. Geschäftsführung, Personalbüro, Ausbildungsleitung und Lehrlinge standen Rede und Antwort.

Im Rahmen des Aktionstages wurde ein Kooperationsvertrag mit der Ökowegschule in Weißenfels unterzeichnet. Die Initiative sieht vor, Schüler bereits ab der siebten Klasse mit den Tönnies-Ausbildungsbetrieben zusammenzubringen.

Ziel ist es, den Betrieb zum größten Ausbildungsunternehmen in Sachsen-Anhalt zu machen. Insgesamt unterhält der Fleischverarbeiter eine Handvoll regionaler Schulkooperationen. Ein Modell, dass viele Unternehmen aus Handel und Industrie in unterschiedlicher Form nutzen.

Ein Teil der Tönnies-Offensive ist eine Ausbildungsplatzgarantie für Kinder von Tönnies-Mitarbeitern, die eine Lehre zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik, zum Fleischer oder Mechatroniker absolvieren wollen. Voraussetzung: Die Jugendlichen bringen einen für den jeweiligen Ausbildungsgang notwendigen, qualifizierten Schulabschluss mit und sind flexibel hinsichtlich ihres Ausbildungsstandortes.

Ausgebildet wird an den beiden Standorten Rheda-Wiedenbrück und Weißenfels. Wer seine Lehre mindestens mit der Note gut abschließt, soll gar eine Arbeitsplatzgarantie erhalten.

"Wir setzen damit ein Zeichen, um noch mehr junge Menschen für uns zu gewinnen, und steigern gleichzeitig die Motivation und Bindung unserer Mitarbeiter weiter", betont Tillmann. Dazu gehört auch die Weiterqualifizierung. Zur Mitarbeiterbindung soll in Rheda im Zuge eines neuen Sozialgebäudes auch ein Kindergarten entstehen, dessen Unterhalt Tönnies aus eigenen Mitteln finanzieren will. Die Fertigstellung ist 2010 geplant.

Um gelernte Fachkräfte zu finden, arbeitet das Unternehmen auch mit den Arbeitsagenturen und den Ausbildungsstätten zusammen. "Doch die gibt es für die Schweinefleischverarbeitung und die Rinderzerlegung auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlicht nicht in ausreichendem Maße", so Tillmann.

"Wir bezahlen deutlich über dem Branchendurchschnitt", meint der Geschäftsführer. Je nach Qualifikation verdienten "die Mitarbeiter mehr als, den von der Gewerkschaft NGG geforderte Mindestlohn", betonte Tillmann. Andernfalls würde sein Unternehmen auf einem "so schwierigen Arbeitsmarkt überhaupt keine Fachkräfte mehr bekommen."

Tönnies will sich auch weiterhin als Markt-, Technologie- und Innovationsführer profilieren. "Alle Zeichen stehen bei uns auf Wachstum", betont Tillmann. Und dafür benötige er qualifizierte Mitarbeiter. (juh)

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