Top-Arbeitgeber Die Lieblingshändler der Schüler

von Julia Wittenhagen
Freitag, 04. August 2017
Schüler-Favoriten: Ikea belegt als beliebtester Händler Platz 17 der Top-Arbeitgeber, die Polizei Platz 1.
Ikea
Schüler-Favoriten: Ikea belegt als beliebtester Händler Platz 17 der Top-Arbeitgeber, die Polizei Platz 1.
Exklusiv für die LZ hat das Berliner Marktforschungsunternehmen Trendence seine Umfrage unter 20 000 Schülern daraufhin ausgewertet, welche Händler als attraktivste Arbeitgeber gelten und wie sich handelsaffine Schüler von ihren Klassenkameraden unterscheiden.

Fragt man die Schüler nach Arbeitgebern, bei denen sie sich am ehesten bewerben würden, belegen die Polizei, Adidas und die Bundeswehr die ersten drei Plätze. Der öffentliche Dienst überholt in diesem Jahr erstmals die Automobilhersteller als favorisierte Branche der Schüler. Ikea erreicht als Champion unter allen Konsumgüterunternehmen Platz 17. Insgesamt ist der Handel immer noch für 15,9 Prozent der Schüler Wunschbranche Nummer drei, im Vorjahr lag der Wert noch bei 17,3 Prozent. Die Konsumgüterindustrie ist für 15,4 Prozent der Befragten ein attraktiver Arbeitgeber.

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Im Handel hat vor allem das Textilunternehmen H&M Federn gelassen. Es verliert im Vergleich zum Vorjahr seine Position als Handelsliebling an Ikea. Meldungen über Mitarbeiter auf Abruf und schlechte Behandlung, wie sie zuletzt von der H&M-Betriebsrätin gegenüber der Wochenzeitung Zeit geäußert wurden, dringen möglicherweise auch zu einem jungen Publikum durch.

Der Drogeriemarkt dm liegt nun punktgleich mit H&M auf Rang 2 der beliebtesten Arbeitgeber des Handels. Wenn die befragten Schüler im Lebensmittelhandel arbeiten würden, wäre Lidl ihr bevorzugter Arbeitgeber. Unter den Händlern belegt Lidl Rang acht und überholt damit erstmals Aldi Süd.

Über 20  000 Schüler der Klassen 8 bis 13 hat das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Trendence von Januar bis Juli 2017 nach ihren Berufszielen gefragt. Die Hälfte strebt eine Ausbildung an. Von diesen rund 10 000 angehenden Azubis zieht es 856 in die Bereiche Handel, Verkauf, Vertrieb. Exklusiv für die LZ hat Trendence besondere Merkmale dieser Gruppe ausgewertet. Sie schneidet nicht gut ab: So gehören nur 6 Prozent der Bewerber im Handel zu den Digitals, das sind Schüler mit besonders ausgeprägten digitalen Kompetenzen. 15 Prozent der Schüler haben diese Qualifikation, deren Abfrage über die ständige Nutzung von Online-Medien weit hinausgeht. Keine der 15 beliebtesten Branchen hat laut Trendence eine schlechtere Digitals-Quote. Das werten die Marktforscher als Hiobsbotschaft: "Gerade im E-Commerce wird das langfristig einige Schwierigkeiten bereiten, die digitalen Mitdenker zu rekrutieren." 26 Prozent der Schüler, die eine Ausbildung im Handel anstreben, wollen nach der Schule erst einmal eine Pause einlegen. Die Mehrheit möchte vor dem nächsten Ausbildungsschritt erst ins Ausland. Bei den Schülern insgesamt liegt die Quote bei 42 Prozent, also deutlich höher. Hauptgrund dafür ist, dass das Gap Year vor allem bei Abiturienten beliebt ist, Ausbildungen im Handel aber eher Realschüler ansprechen. Nichtsdestotrotz kann Ausbildungsbetrieben so zunächst ein Viertel der Schüler verloren gehen, warnt Trendence.

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Fast zwei Drittel der handelsaffinen Schüler haben einen Youtuber als Idol oder ein Vorbild aus Musik, Sport und Co. 80 Prozent der Schüler mit Idol würden sich über einen Arbeitgeber informieren, wenn ihr Idol es ihnen vorstellt. Influencer Marketing hat also nicht nur im Produktmarketing, sondern für Trendence auch im Personalmarketing Potenzial.

Wichtiger Ort für die Berufsorientierung bleibt die Schule: An 72 Prozent der Schulen der Befragten gab es Karriereveranstaltungen von Arbeitgebern. Aber 39 Prozent wünschen sich von ihrer Schule noch mehr Hilfe bei der Berufsorientierung. Die meisten denken dabei an Bewerbungstrainings, aber auch Gespräche mit Mitarbeitern von Unternehmen und Berufswahltests stehen weit oben auf der Wunschliste.

Die Berliner Marktforscher sehen darin einen klaren Ansatzpunkt für Recruiting-Maßnahmen. 71 Prozent der angehenden Azubis sprechen mit ihren Eltern über ihre berufliche Zukunft. Nach ihren Einstellungen befragt, wissen handelsaffine Schüler schon früher als andere, in welcher Branche sie später arbeiten möchten, schauen ihrer Zukunft aber mit 65 Prozent etwas weniger positiv entgegen als die Gesamtheit der Befragten (70,8 Prozent). Fast 63 Prozent möchten digitale Medien jederzeit nutzen können, was insgesamt nur jeder zweite Schüler äußert.

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