Alfred Ritter ist familienorientiert

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. Februar 2009

Prof. Heike Bruch (l.), Michael Lorenz von Ritter und Wolfgang Clement
Die 100 besten Arbeitgeber im deutschen Mittelstand wurden vergangene Woche mit dem Gütesiegel "Top Job" ausgezeichnet. Schokoladenproduzent Alfred Ritter gehört zu den zehn Besten. Er ist Sieger in der Kategorie "Familienorientierung und Demografie".



"Wir waren überrascht, nicht nur Kategoriesieger, sondern auch zweitbester Arbeitgeber des Jahres 2009 zu werden", sagt Michael Lorenz, Personalleiter der Alfred Ritter GmbH & Co. KG, gegenüber der LZ. Der Schokoladenfabrikant aus Waldenbuch stellte sich zum ersten Mal dem Verfahren. Seine Motivation an dem Projekt teilzunehmen war, den Status quo der Personalarbeit in einem Benchmark-Verfahren ermitteln zu lassen. "Das Gütesiegel hilft uns, als Arbeitgeber auch bei Technikern stärker bekannt zu werden", hofft Lorenz.

Die bundesweite, branchenübergreifende Wirtschaftsinitiative analysiert seit sieben Jahren herausragende Personalarbeit in mittelständischen Unternehmen. Ziel ist es, Mittelständler bei der Optimierung ihrer Arbeitgeberqualitäten zu unterstützen und sie auf dem Arbeitsmarkt bekannt zu machen.

Mentor der Kampagne ist Wolfgang Clement, ehemaliger Minister für Wirtschaft und Arbeit. Er verlieh vergangenen Freitag in Duisburg das Gütesiegel "Top Job" zum siebten Mal in Folge. Hauptpreisträger und damit "Arbeitgeber des Jahres" ist die Cas Software AG aus Karlsruhe. Unter den hundert Auserwählten ist auch die Warsteiner Brauerei.

Befragung der Mitarbeiter

Für die Ehrung müssen die Teilnehmer ein zweistufiges Verfahren der Universität St. Gallen überstehen. Das Institut für Führung und Personalmanagement bewertet die eingesetzten Managementinstrumente im Personalbereich. Durchgeführt wird außerdem eine detaillierte Online-Mitarbeiterbefragung.

In der Kategorie, die Ritter für sich entscheiden konnte, wurde untersucht, wie sich die Unternehmen auf die demografische Entwicklung einstellen und wie sie ihre Mitarbeiter im Alterungsprozess begleiten. Ritter überzeugte mit einem breit angelegten internen Gesundheitsmanagement und einer betrieblichen Altersvorsorge. "Familienorientierung nehmen wir ernst", sagte Lorenz in Duisburg. "Je nach familiärer Situation unserer Mitarbeiter versuchen wir, beispielsweise Schichtwechsel zu ermöglichen."

Bewegung ist ein fester Bestandteil des internen Gesundheitsmanagements. Dazu gehören Ernährungsberatungen ebenso wie Anti-Raucher-Kurse. Das Betriebssportangebot wird von fast allen der knapp 800 Mitarbeiter des schwäbischen Unternehmens, das jeden Tag rund 2,5 Millionen Tafeln Schokolade herstellt und damit 2007 einen Umsatz von 287 Mio. Euro erzielte, angenommen. Es reicht von Laufen über Fußball, Volleyball bis hin zu Mountainbiking und Badminton. Ritter übernimmt sowohl die Platz- oder Hallengebühren als auch die Startgebühren bei Wettbewerben. Zudem führen die Waldenbucher für die gesamte Belegschaft eine betriebliche Altersversorgung durch.

Transparenz und Vertrauen

"Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen wiederholt, dass sich ein strategisches Personalmanagement eindeutig im Unternehmensergebnis niederschlägt", kommentiert Prof. Heike Bruch von der Universität St. Gallen ihre Analyse. Voraussetzung seien Transparenz, Kommunikation und Vertrauen zwischen Mitarbeitern und der Chefetage. Bei 87 Prozent der "Top Job"-Unternehmen erhalten die Beschäftigten regelmäßig Leistungsbewertungen. In einer Vergleichsgruppe mittelständischer Unternehmen waren es lediglich 63 Prozent. 80 Prozent führen Zielvereinbarungen durch, die die Visionen des Unternehmens stützen. In der Vergleichsgruppe sind es 43 Prozent.

Insgesamt hatten in diesem Jahr 212 Firmen an dem "Top Job"-Prozess teilgenommen. Die 100 Besten kommen überwiegend aus der Dienstleistungs- und Beratungsbranche (22 Prozent), der IT-Branche (17), dem Gesundheitswesen (16) sowie aus der Automobil- und Elektrobranche (jeweils 12).

Erfolgreichstes Bundesland ist Nordrhein-Westfalen mit 27 ausgezeichneten Unternehmen, es folgen Baden-Württemberg mit 18 und Bayern mit 14 Top-Arbeitgebern. Jeder Teilnehmer unterzog sich einer Mitarbeiterbefragung und einer Untersuchung seiner HR-Abteilung. Die Teilnahmekosten betragen 3.900 Euro. Die 100 Besten zahlen wegen des Marketingaufwandes am Ende 7.800 Euro. Organisator ist die Compamedia GmbH in Überlingen am Bodensee. Interessierte Unternehmen bewerben sich unter www.topjob.de Teilnahmeschluss ist der 30. April.

Das Gütesiegel

"Top Job" prüft das Personalmanagement mittelständischer Unternehmen, filtert die 100 Besten heraus und vergibt ein Gütesiegel. Die Universität St. Gallen analysiert anhand einer Mitarbeiterbefragung und der Bewertung der HR-Abteilungen die Personalarbeit in sechs Bereichen:

Arbeitgeber des Jahres

CAS Software AG

Familie & Demografie

Alfred Ritter GmbH & Co. KG

Internes Unternehmertum

Pflegezentrum Steinheim

"Mainterrasse" GmbH

Führung & Vision

Gossler, Gobert + Wolters Gruppe

Kultur & Kommunikation

buw Unternehmensgruppe

Motivation & Dynamik

Stryker GmbH & Co. KG

Mitarbeiterentwicklung

Itemis AG (juh)

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