Mittelstand auf dem Prüfstand

von Judit Hillemeyer
Montag, 31. Januar 2005
Ein qualitativ hohes Niveau in der Personalarbeit ist keine Frage der Unternehmensgröße. Dies belegt der bundesweite Unternehmensvergleich "Top Job" unter der Leitung des Inmit-Instituts für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier e. V.



"Finanzkraft macht zwar vieles leichter, ist aber kein Erfolgsgarant",fasst Studienleiter Prof. Dr. Axel Schmidt anlässlich der Preisverleihung "Arbeitgeber des Jahres", die am 28. Januar in Nürnberg stattfand, zusammen. Darum beworben hatten sich 125 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. 63 davon erhielten das Gütesiegel "Top Job" für das Jahr 2004.

"Die Befunde beschreiben eine Positivauswahl von Unternehmen, die ein herausragendes Personalmanagement leisten. Daher sind die Ergebnisse nicht repräsentativ für den gesamten Mittelstand, belegen aber, welch positive Personalarbeit Mittelständler selbst in wirtschaftlichschwierigen Zeiten zu leisten im Stande sind", so Schmidt.

Geprüft wurde in den fünf Kategorien: Vision und Führung, Personalentwicklung, Kultur und Kommunikation, Entlohnungskonzepte sowie Familien und Sozialorientierung. Die Stärke der ausgezeichneten Unternehmen liegt in ihrer Flexibilität, Individualität und Kreativität, mit der mancher finanzielle Spielraum kompensiert wird.

Bei der Höhe der Löhne und Gehälter können Mittelständler im Vergleich zu Konzernen in der Regel nicht mithalten. Sie wirkten dem jedoch erfolgreich entgegen, indem sie häufiger als große Unternehmen so genannte Cafeteria-Systeme einrichten, bei dem der Mitarbeiter die Gehaltsbestandteile nach seinen Bedürfnissen selbst zusammenstellt.

Drei von vier der ausgezeichneten Unternehmen sind Visionen Grundlage der Unternehmensstrategie und trage entscheidend zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Der Führungsstil sei von Vertrauen und Offenheit geprägt. Eigenverantwortung werde in allen 63 Betrieben groß geschrieben.

Hervorgehoben wurde die Professionalität und das Engagement im Bereich der Personalentwicklung, die den Nutzen- und weniger den Kostenaspekt der Weiterbildung in den Vordergrund rückt. Im Bereich "Kultur und Kommunikation" sei es den Vorzeigeunternehmen gelungen, einen Stil zu etablieren, der lösungsorientiert ist, aber genügend Raum für Zwischenmenschliches zulasse.

Die ausgewählten Top-Job-Unternehmen konnten auch in den konjunkturell schwierigen Jahren von 2000 bis 2004 ihre Mitarbeiterzahlen um 18 Prozent erhöhen, knapp zwei Drittel der untersuchten Unternehmen erzielten ein Branchen untypisch hohes Umsatzwachstum.

Die Trophähe "Arbeitgeber des Jahres 2004" ging an die Schreiner Group für deren Balance zwischen Fach-, Erfolgs- und Mitarbeiterorientierung. Der Preis für "Familien- und Sozialorientierung" ging ebenfalls an die Schreiner Group. In der Kategorie "Vision & Führung" ging die Auszeichnung an das Tagungshotel Kloster Hornbach Lösch.

Die "Entlohnungskonzepte" sind bei der Zollner Elektronik preiswürdig, eine herausragende Personalentwicklung leistet Rupp + Hubrach Optik, Hanning & Kahl erreichte die Höchstpunktzahl bei "Kultur & Kommunikation".

Die Studienergebnisse sind unter www.topjob.de und in dem von Gertrud Höhler herausgegebenen Buch "Top Job 2005 - Top-Arbeitgeber im deutschen Mittelstand" nachzulesen. Die nächste Bewerbungsrunde läuft von April bis Ende Juni 2005. (juh)

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