Nur Wenige erreichen die Spitze

von Redaktion LZ
Freitag, 30. Juli 2010
LZnet. Während der Anteil an Managerinnen in den unteren Führungsebenen stetig steigt, bleiben Männer auf den Topetagen der Wirtschaft meist unter sich. Das soll sich ändern, meint nicht nur Familienministerin Kristina Schröder.
Das Personalkarussell dreht sich in jüngster Zeit schneller und beschert manchen Wechsel an der Spitze. Weibliche Kandidaten kamen beim Stühlerücken der vergangenen Monate jedoch kaum zum Zug. Deutschlands Chefetagen bleiben weitgehend frauenfreie Zonen. Wie krass das Missverhältnis der Geschlechter in wirtschaftlichen Machtpositionen ist, zeigt eine aktuelle Analyse des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW). Ihr zufolge pendelt der Anteil weiblicher Führungskräfte in den obersten Leitungsgremien der hundert größten Unternehmen um die Ein-Prozent-Marke. Etwas höher liegt er mit 10 Prozent in den Aufsichtsräten. Drei Viertel der gezählten Frauen sind allerdings von Arbeitnehmervertretungen dorthin entsandt.

Studie überblickt langen Zeitraum

Die Studie ist ein Update des Führungskräfte-Monitors 2001 bis 2006 und überblickt deswegen einen langen Zeitraum. Anlass der Erhebung war eine Vereinbarung, die bereits vor neun Jahren zwischen Regierung und Wirtschaft geschlossen wurde. Darin versprachen Unternehmensvertreter, die Chancengleichheit in ihren Reihen zu fördern. Jetzt zieht das Institut eine vernichtende Bilanz: Die freiwillige Übereinkunft kann "als gescheitert angesehen werden", lautet sie. "Trotz einiger positiver Beispiele hat sich die Situation in den Spitzengremien der Wirtschaft in den letzten Jahren kaum geändert." Es bleibt abzuwarten, ob der im Koalitionsvertrag 2009 vereinbarte Stufenplan zur Erhöhung des Anteils ein größerer Erfolg wird als die Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2001, so die Studie weiter.

Wenig überzeugend wirkt deswegen heute das Argument von Interessensvertretungen, darunter der HDE, die Politik solle auf die Eigeninitiative der Wirtschaft vertrauen und keine Frauenquote einführen. Selbst der Verband deutscher Unternehmerinnen sprach sich kürzlich für ein staatliches Eingreifen aus – sonst eher unüblich in Wirtschaftskreisen.

Eine gesetzliche Vorgabe, die mehr Frauen in Toppositionen katapultieren soll, ist seit einiger Zeit im Gespräch. Im Frühjahr brach Familienministerin Kristina Schröder eine Lanze für die Frauenquote, nachdem die Deutsche Telekom mit ihrem Vorstoß in diese Richtung starke öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Ihr Vorstand hatte verkündet, den Anteil an Managerinnen im Unternehmen bis in die höchsten Ebenen auf ein Drittel anzuheben. Flankiert wird dieser Beschluss von Maßnahmen wie etwa Teilzeitarbeit für Führungskräfte. Eine echte Kulturrevolution. Seitdem läuft die mediale Diskussion auf vollen Touren.

Andere Länder sind weiter

Hintergrund ist auch der kritische Blick aus europäischer Sicht. EU-Justizkommissarin Viviane Reding setzt Deutschland eine Frist bis 2011. Wenn bis dahin nichts geschehe, müsse eine Regulierung her, droht die Politikerin unter Verweis auf Länder wie Norwegen, Finnland und Frankreich, die schon wesentlich weiter sind. So hat Norwegen beispielsweise eine 40-Prozent-Quote für Aufsichtsräte eingeführt und tatsächlich umgesetzt. Hierzulande prüft jetzt ein Expertenkreis aus den Justizministerien, was der Gesetzgeber sinnvollerweise tun kann. Vorläufiges Fazit: Eine vorgeschriebene Quote wird nur als Ultima Ratio gesehen, damit die Sache endlich in Schwung kommt.

Den hat die öffentliche Debatte inzwischen offenbar dennoch entfaltet. Nie waren die Möglichkeiten für hochqualifizierte Kandidatinnen besser, einen weiteren Karriereschritt zu tun. "Wir registrieren branchenübergreifend eine sehr hohe Nachfrage nach weiblichen Führungskräften", stellt Klaus Halsig, Partner bei Spencer Stuart, fest. Und Ulrike Wieduwilt, Personalberaterin von Russell Reynolds, weiß zu berichten, dass es in der FMCG-Branche bereits Stellen gibt, die schwer zu besetzen sind. Da werde "händeringend eine Managerin für den globalen Einsatz gesucht". Ginge es allerdings um den hiesigen Markt, relativiert sie, "ließen sich durchaus geeignete Frauen mit internationaler Erfahrung finden." Mittelfristig sollte es ihnen gelingen, mehr Chefposten als bisher zu erobern.

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