Transformation Lebensmittelindustrie digitalisiert nur wenn nötig

von Julia Wittenhagen
Freitag, 04. August 2017
Thomas Schulz : Geschäftsführer Rau Interim
Rau Interim
Thomas Schulz : Geschäftsführer Rau Interim
Eine Umfrage unter 78 Entscheidern der Lebensmittelindustrie zeigt, dass sich die meisten nicht gut vorbereitet sehen auf Datenvernetzung und -austausch. Nur da, wo Kundenwünsche oder Gesetz es verlangen, werden sie aktiv. Einblicke gibt Thomas Schulz von Rau Interim.

Herr Schulz, laut Umfrage erkennen die Entscheider der Lebensmittelindustrie, dass sie noch nicht sehr weit mit der Digitalisierung sind und intern nicht immer über das richtige Know-how verfügen. Haben die Befragten denn eine konkrete Vorstellung davon, welche Prozesse sie digitalisieren müssen?

Mir zeigt die Umfrage auch, dass die Unternehmen in den Bereichen bereits gut digital vernetzt sind, in denen sie durch externe Faktoren getrieben sind. Etwa im Bereich Finanzen / HR, um rechtliche Anforderungen zu erfüllen oder auch in der Logistik, um Anforderungen des Handelspartners zu erfüllen. Der Nutzen für die gesamte Unternehmensstrategie oder das Marketing dagegen wird aus meiner Sicht noch nicht umfassend erkannt oder die Beteiligten wissen nicht, wo genau sie ansetzen müssen. Dabei liegt der Kostenvorteil von automatisierten Packstraßen natürlich eher auf der Hand als der Nutzen direkter Online-Kanäle zum Endverbraucher.

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Kann es sein, dass sich unter dem Schlagwort Digitalisierung längst nicht alle Herausforderungen lösen lassen, vor denen Produzenten stehen?.

Mag sein, dass der ein oder andere Hersteller kurzfristig gar nicht in digitale Prozesse investieren muss, um erfolgreich zu sein. Aber die 37 Trends/Herausforderungen, die wir aus den Antworten gefiltert haben, zeigen deutlich, dass die Hersteller viele Veränderungen auf sich, ihre Produkte, ihre Marken zukommen sehen, die mit einer enormen Dynamik zu tun haben. Ob sie Cashless Payment, kürzere Produktlebenszyklen oder Marktsegmentierung nennen: Dass die bisherige Lieferlogik Riesentonnage – Lager – Nationaler Handelspartner der tragende Pfeiler blieben wird, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube eher an individualisiertere Produkte und Absatzwege. Möglicherweise bis hin zu Losgröße 1 in der Foodindustrie: Vielleicht sagt uns irgendwann eine App, welche Zusatzstoffe unserem Körper genau heute fehlen und es gibt Produzenten, die individualisiert genau heute liefern können?

Die Hürden/Risiken-Abwägung fällt noch zu ungunsten der Digitalisierung aus. Wodurch könnte sich das Blatt wenden?

Die Entscheider müssen erkennen, dass sich Investitionen in digitale Lösungen mittelfristig nicht nur bezahlt machen, sondern teilweise darüber entscheiden, ob man am Markt bleibt oder nicht. Ohne EDI kam man seinerzeit bei Lidl nicht ins Regal und ohne gutes Online-Recruiting und modern vernetzte Arbeitsplätze bekommt man heute keine guten Leute an Bord.

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Wenn das Digital-Knowhow in Unternehmen fehlt, muss es extern eingekauft werden. Ist das ein Trend, den Sie bei Rau Interim erkennen?

Ja, digitale Kompetenzen werden vermehrt bei uns angefragt. Es kommt, aber es kommt vorsichtig, weil die Foodindustrie insgesamt eher noch skeptisch ist.

Thomas Schulz hat sich auf die Vermittlung von Interim Managern für die Lebensmittelindustrie spezialisiert. Er leitet auch die Fachgruppe Food in der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management, die die Studie durchgeführt hat.

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