Unis bilden lückenhaft aus

von Silke Biester
Freitag, 30. September 2011
Ernüchterung im Job
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Ernüchterung im Job
Ernüchterung im Job

Die Studenten-Jobvermittlung Univativ hat die Vorstellungen von Studierenden mit den Erfahrungen berufstätiger Jungakademiker verglichen. Die Untersuchung Unicensus 11 legt offen, wo genau die Lücke zwischen Studium und Beruf klafft: Defizite im Methodenwissen, bei Arbeitstechniken und Fachkenntnis kombiniert mit mangelnder Einarbeitung führen zu Startschwierigkeiten.

Sehr kritisch sieht Olaf Kempin, Geschäftsführer Univativ, auch den Mangel an Softskills, die im Studium kaum vermittelt werden: "Wer keine praktischen Erfahrungen hat, stößt auf Hürden im Beruf, die schwieriger zu überwinden sind als fehlendes Fachwissen", sagt er.

Rückblickend erklärten die Young Professionals, dass ihnen der Kontakt zu Kunden nicht geläufig war. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit Unternehmenskultur und Leistungsdruck. Etliche gaben an, Probleme bei der Eingliederung im Team und beim Umgang mit Vorgesetzten gehabt zu haben.

Wunsch und Wirklichkeit
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Wunsch und Wirklichkeit

Die Studie offenbart zudem eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen an den Jobeinstieg und der Realität. Knapp die Hälfte glaubt, im Beruf fachliche Weiterbildung zu erhalten. In der Praxis traf dies nur auf ein Viertel zu. Ähnlich weit liegen Wunsch und Wirklichkeit bei Themen wie Coaching, Mentoring, Softskill-Training und der Ausbildung von Arbeitstechniken auseinander.

Nur ein Drittel der befragten Studenten ist darauf eingestellt, "ins kalte Wasser geworfen" zu werden. Die Arbeitswelt zeigt dagegen, dass zwei Drittel der Absolventen den Berufseinstieg so empfunden haben. Die unrealistischen Erwartungen werden gestärkt, wenn Unternehmen auf der Suche nach jungen Talenten Versprechen machen, die sie nicht einlösen, so Kempin.

Ernüchterung bringt schon die Einstiegsposition: Mehr als die Hälfte geht davon aus, mit einer regulären Stelle ins Berufsleben zu starten. 21,3 Prozent streben ein Traineeprogramm an und nur 12,5 Prozent wünschen sich ein Praktikum. Tatsächlich musste sich ein Drittel der Akademiker bis 24 Jahre mit einem Praktikumsplatz begnügen. 14 Prozent starteten als Trainee und nur 44,2 Prozent schafften den Direkteinstieg. Unter denen, die schon länger im Beruf stehen (35 bis 39 Jahre) konnten noch knapp zwei Drittel eine normale Stelle besetzen.

Kempin führt diese Tendenz zum Praktikum auf den Mangel an praktischer Erfahrung während der Studienzeit zurück. Zwar arbeiten rund die Hälfte der Studies mindestens fünf Stunden pro Woche, doch mit abnehmender Tendenz. Und zudem seien viele Jobs wie etwa "Kellnern" keine geeignete Berufsvorbereitung. Insbesondere seit der Umstellung von Diplom- auf Bachelor- und Masterabschlüsse ist die Vereinbarkeit von Studium und Job schwieriger geworden, weiß Kempin. (sb)

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