Vom Chefsessel ran ans Regal

von Redaktion LZ
Freitag, 11. Juli 2008
Foto: Unilever
Foto: Unilever
. Geschäftsprozesse internationaler Konzerne sind vielschichtig. Von Mitarbeitern wird zunehmend ein ganzheitliches Verständnis gefordert. Unilever gewährt seinen Angestellten in einer Projektwoche den Perspektivwechsel und lässt sie über den eigenen Schreibtisch hinausblicken.



"Die Zeiten, in denen die Verkaufsabteilung eines Produzenten mit der Einkaufsabteilung eines Handelskunden das Geschäft bestimmt, sind längst vorbei", sagt Stefan Leitz, Vice President Customer Development der Unilever GmbH in Hamburg. Für ihn wird das Geschäft von Technologie, Logistik, neuen Konzepten, Produkten, Kunden und Konsumenten bestimmt.

Keine Berührungsangst: Stefan Leitz, Vice President der Unilever Deutschland, vorm Knorr-Regal. Er nahm mit vielen Kollegen und Mitarbeitern an der WWC-Aktion teil.

Dies erfordere von Mitarbeitern ein interdisziplinäres Arbeitsverständnis. Nicht nur die eigenen Strukturen sind diffizil - auch die des Einzelhandels. "Im Umgang mit großen Kunden müssen wir multifunktionale Organisationen verstehen", so Leitz.

Der Hamburger Konzern sieht die Lösung in einem holistischen Ansatz. Holistik ist die Philosophie der Ganzheitlichkeit. Für Leitz ist sie die Quelle der Aktionswoche "Win with Customer".

"Wir wollen auf diesem Weg allen Mitarbeitern ein Verständnis davon vermitteln, wie unsere Kunden Edeka, Rewe, Tengelmann, die Markant-Gruppe und Metro organisiert sind, welche Ziele sie haben und wie sie funktionieren."

Insgesamt 500 Mitarbeiter nahmen kürzlich in Hamburg an der WWC-Woche teil, die organisatorisch dreigeteilt ist: Im ersten Schritt werden den Teilnehmern Handelsstrategien in Deutschland, Österreich und der Schweiz erläutert. Im zweiten können die Beschäftigten Eindrücke aus erster Hand gewinnen. Sie arbeiten aktiv als Promoter im Handel, füllen Regale auf oder begleiten einen Bezirks- beziehungsweise Gebietsverkaufsleiter bei Kundenbesuchen.

"Dabei müssen auch Berührungsängste überwunden werden", weiß Leitz. Vor allem, wenn man als Verkaufsförderer auf der Fläche tätig ist und Konsumenten direkt anspricht. Leitz selbst begleitet ebenso wie Unilever-Chef Henning Rehder einen Bezirksleiter. Organisatorisch waren die WWC-Teilnehmer von Hamburg bis nach Mannheim und in die neuen Bundesländer verteilt. Am Abschlusstag der Veranstaltung schilderten branchennahe Experten ihre Perspektive auf das Konsumgütergeschäft.

"Die Resonanz unserer Mitarbeiter auf die WWC-Woche ist sehr gut", so Leitz. Die Investition lohne sich, denn der Erfolg sei nahezu garantiert. "Jeder Mitarbeiter entwickelt ein Verständnis für die Aufgaben und Schwierigkeiten im Vertrieb. Durch die Kommunikation mit Händlern und Endverbrauchern erfahren die Beschäftigten viel über die Produkte und Konsumenten." Besonders für die Kollegen aus dem Marketing könne dies unter Umständen "augenöffnend" sein.

Mit dem Ansatz des ganzheitlichen Verstehens arbeitet Unilever schon länger. Dementsprechend sieht das Trainee-Programm Arbeitsstationen sowohl im Vertrieb als auch in der Marketingableitung vor. Durch diese Vernetzung sollen die Hochschulabsolventen ein größeres Verständnis organisatorischer Prozesse erhalten. Angehende Generalmanager schickt der Hamburger Konzern auf den internen "Highway".

Die Ausbildung der High Potentials impliziert Stationen in den Kernbereichen Marketing und Vertrieb. Seit drei Jahren arbeitet das Unternehmen in Businessteams. Interdisziplinäre Arbeitsgruppen erarbeiten Lösungen, um beispielsweise neue Logistikabläufe für einen verbesserten Warenfluss für einen Kunden zu entwickeln.

Die WWC-Aktion, die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand, soll einmal jährlich erfolgen und den Mitarbeitern ein Pottpori von neuen Eindrücken, Wissen und Erfahrungen vermitteln.

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