Managementaufgaben werden online gelöst

von Redaktion LZ
Freitag, 23. Juli 2004
LZ|NET. Als erstes Unternehmen in Deutschland hat Unilever einen internetbasierten Test in sein Auswahlverfahren eingebunden:



Seit April durchlaufen alle Bewerber, die beim Konsumgüterhersteller an dem Nachwuchsprogramm "UniTrain" teilnehmen möchten, das Online-Verfahren "unique.st".

Vorbei sind die Zeiten, wo Bewerber nach Hamburg oder sogar ins Ausland zur Bewerbungsvorrunde bei Unilever eingeladen wurden. Der Kandidat musste je nach Wohnort lange Reisezeiten in Kauf nehmen.

Die Auslagen dafür übernahm der Konsumgüterhersteller. Das erste Auswahlverfahren dauert heute eine Stunde und ist bequem vom eigenen Computer aus zu erledigen.

"Unique.st" ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe Unilever geeignete Kandidaten schnell und vor allem kostengünstig identifizieren kann:

Allein für das Nachwuchsprogramm "UniTrain" will der Konzern jährlich über 75 000 Euro sparen und dabei gleichzeitig zentrale Botschaften des eigenen Personalmarketings transportieren.

Leistungstests werden seit Mitte April ausschließlich über das Internet abgewickelt.

Teilnehmerzahl ist gegrenzt

Und das mit Erfolg: Nach den Worten von Nikola Kopping, zuständig für die Bewerberauswahl für "UniTrain", den Direkteinstieg für Studenten und Hochschulabsolventen bei Unilever, sind die Teilnehmer begeistert.

Die Testfragen, inhaltlich weitestgehend identisch mit denen der früheren Prüfungen, sind zusätzlich in eine Unilever-Story eingebunden.

Die Kandidaten schlüpfen in die Rolle eines Unilever-Mitarbeiters im Stammwerk des Unternehmens im US-Bundesstaat Vermont. Hier sollen sie die neue Eiskrem-Sorte "Indian Summer" für die nächste Saison entwickeln.

Dabei begegnen ihnen virtuelle Angestellte, die sie für die Tests instruieren. Zudem wird die numerische, verbale und räumliche Denkfähigkeit getestet. Softskills überprüft Unilever nicht.

"Wir halten nichts davon, diese Eigenschaften mit Hilfe eines anonymen, standardisierten Verfahrens zu testen," erklärt Nikola Kopping.

Rund 200 Bewerber haben inzwischen teilgenommen. Psychologin Nikola Kopping hat diesen Test für die Auswahl von High Potentials mitentwickelt.

Angewendet wird er parallel für Praktikanten und Trainees. Selbst diejenigen Kandidaten, die die erste Auswahlhürde nicht genommen haben, profitieren von dem Test.

Wer scheitert lernt

Als ein Screeninginstrument für Unilever wird dann zwar auch kein weiteres Interview geführt. Allerdings können sie die Gründe für ihr Scheitern telefonisch erfragen.

"Gerade für künftige Bewerbungen bei anderen Unternehmen ist das hilfreich", so die Recruiterin.

Unilever ist mit dem Ergebnis zufrieden: "Wir gewähren der Zielgruppe intensive Einblicke in die Karrierewelt bei Unilever und positionieren uns mit der Vorauswahl per E-Test als besonders fortschrittliches und attraktives Unternehmen," so Kay Flothow, Head of Recruitment & Development bei Unilever.

Die Gründe für Unilever, das Online-Verfahren zusammen mit dem Spezialisten für Online-Assessments Cyquest zu entwickeln, waren die, die eigene Einstellungspraxis effektiver und für Bewerber attraktiver zu gestalten.

Das sei gelungen. "Der gesamte Prozess vom Eingang der Bewerbung bis zur Zusage dauert im Idealfall eine Woche," so Flothow.

Je nach Qualifikation lädt Unilever durchschnittlich jeden zehnten Absender aller eingehenden Bewerbungen ein, an dem Internet-Assessment teilzunehmen.

Bei Erfolg erhalten die künftigen High Potentials einen Link zum Testverfahren mit Zugangscode. Dann haben sie zwei Wochen Zeit, den Test zu absolvieren.

Zeiträume eingrenzen

Er kann individuell durchgeführt werden. Allerdings werden Zeiträume angegeben, in denen bei eventuellen Problemen ein technischer Support zur Verfügung steht.

Etwa die Hälfte aller Teilnehmer besteht den Test und nimmt an einem anschließenden telefonischen Interview teil, das auch einen englischen Teil beinhaltet. "Bestätigt sich der positive Eindruck, laden wir zum Live-Assessment ein."

Auf dieser Entscheidungsgrundlage, so Flothow, werden High Potentials bei Unilever eingestellt.

Von üblichen Auswahlverfahren unterscheidet sich der Test darin, dass ohne Beobachtung von zu Hause aus geprüft wird, so Kopping.

Um auszuschließen, dass ein Kandidat die Online-Prüfung mehrmals wiederholt, gibt es mehrere Parallelversionen. Einige "Sicherheitsmechanismen" sorgen dafür, das Risiko der Fremdhilfe zu minimieren.

Sollte die Datenübertragung abbrechen, wird der Teilnehmer an die Stelle zurückgesetzt, an der die Verbindung unterbrochen wurde.

Die Zeit für die einzelnen Fragen ist wie bei jeder anderen Prüfung begrenzt, wird aber vorher bekannt gegeben.

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