Führungsnachwuchs Unternehmen suchen Fachkräfte im Ausland

von Silke Biester
Mittwoch, 17. September 2014
Insbesondere Großunternehmen rekrutieren Fach- und Führungskräfte zunehmend im Ausland. Das zeigt eine aktuelle Bitkom-Studie.
Aus dem Fachkräftemangel in Deutschland ziehen viele Unternehmen Konsequenzen: Sie suchen verstärkt im Ausland nach neuen Mitarbeitern. Das zeigt eine Umfrage, die zum zweiten Mal von Bitkom Research im Auftrag des Online-Netzwerkes Linked-in durchgeführt wurde.

Demnach planen 61 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten in den kommenden zwölf Monaten ausländische Fach- und Führungskräfte einzustellen. Im vergangenen Jahr waren es nur 38 Prozent. Kleinere Firmen (50 bis 500 Mitarbeiter) gehen diesen Schritt seltener (11 Prozent).

 

Besonders häufig werden Einstiegspositionen für Hochschulabsolventen mit Migranten besetzt. Auch Young Professionals mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung sind gern gesehen.

Während die meisten Unternehmen in der Vergangenheit in Nordamerika rekrutiert haben (10 Prozent), verschiebt sich der Fokus nun nach Südeuropa: Mehr als die Hälfte der Befragten wollen künftig in Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien nach Personal suchen.

Ein Drittel blickt nach West-Europa und weitere 27 Prozent suchen in anderen europäischen Nicht-EU-Ländern. Jeder Vierte will künftig auch Asien beim Recruiting berücksichitgen.

Personalentscheider sind mit der Leistung ausländischer Mitarbeiter sehr zufrieden. 84 Prozent stimmen "voll und ganz zu", dass sie das gleiche leisten wie deutsche Kollegen. 20 Prozent stimmen sogar "voll und ganz" und weitere 73 Prozent stimmen "eher" zu, dass sie eine bessere Arbeitsleistung erbringen.

Auch die erfolgreiche Integration im Unternehmen sowie außerhalb des Betriebes wird von nahezu sämtlichen Befragten bestätigt. Die Rekrutierung im Ausland ist für 78 Prozent der großen und 58 Prozent der kleineren Unternehmen notwendig, weil sie nicht genügend qualifizierte Bewerber im Inland finden.

Nur ein Schritt auf der Karriere-Leiter

Darüber hinaus erhoffen sich 54 beziehungsweise 38 Prozent einen besseren Zugang zu bestimmten Märkten. Jedes dritte Unternehmen geht den Schritt im Rahmen einer allgemeinen Diversity-Strategie.

Das Ranking der außerhalb des Heimatmarktes gesuchten Qualifikationen wird angefürt von Controlling (45 Prozent) sowie IT und Telekommunikation (43 Prozent). Ein Viertel der Unternehmen will für den Bereich Forschung und Entwicklung Fachkräfte nach Deutschland holen, knapp jede fünfte Firma fokussiert auch Marketing, Marktforschung, Einkauf und Vertrieb.

Für die HR-Abteilung ist die Rekrutierung im Ausland mit einigem Aufwand verbunden, denn der Prozess dauert deutlich länger. Während die Personalsuche innerhalb der EU nach neun Monaten in mehr als der Hälfte der Fälle erfolgreich ist, muss außerhalb der EU für ein vergleichbares Ergebnis rund ein Jahr eingeplant werden.

Der Studie zufolge bleiben aber nur die wenigsten ausländischen Führungskräfte dauerhaft. Nach vier Jahren haben 70 Prozent ihren Arbeitgeber wieder verlassen. Die Hälfte ist bereits nach drei Jahren weg. "Sie sehen den Job in Deutschland nur als einen Schritt auf der Karriereleiter", weiß Bitkom-Geschäftsführer Axel Pols. Viele ziehe es in die Heimat zurück, was jedoch die Chance biete, gemeinsam neue Märkte zu erschließen.

 

 

 

 

(sb)

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