Männer nutzen Elternzeit

von Judit Hillemeyer
Freitag, 06. März 2009
Foto: Henkel
Foto: Henkel
Väter in Elternzeit sind in Deutschland in der Minderheit. Die einst als Wickelvolontariat verschriene Auszeit für Männer zeigt im Rahmen der gesetzlichen Förderleistungen erste Erfolge.



Vor fast einer Dekade vereinbarten Regierung und Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, freiwillig die Chancengleichheit von Männern und Frauen zu fördern. Im Januar 2007 trat die Neuregelung zur Elternzeit, im Rahmen des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG) in Kraft.

Im Trend: Immer mehr Väter beteiligen sich an familiären Aufgaben.

Sie gibt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Möglichkeit, sich ihrem Kind zu widmen und gleichzeitig den Kontakt zum Beruf aufrechtzuerhalten. Durch den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit, erhalten verstärkt auch Väter die Chance, sich an der Erziehung ihres Kindes zu beteiligen.

2006 haben 3,5 Prozent der Väter und 96,5 Prozent der Mütter in Deutschland Elterngeld beantragt. Zwischen Januar und März 2007 hat sich die Zahl bei den Männern verdoppelt.

Die Metro Group verzeichnet in diesem Jahr in Deutschland durchschnittlich 65 männliche Mitarbeiter, die pro Monat im Erziehungsurlaub sind. Die Zahl der weiblichen Mitarbeiter in Elternzeit überwiegt deutlich: im Schnitt waren es mehr als 3.200. Somit sind weniger als 5 Prozent der Metro-Mitarbeiter, die Erziehungsurlaub beantragen, Männer. "Der Anteil männlicher Mitarbeiter in Elternzeit steigt, und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt", sagt ein Metro-Sprecher.

"Mehr und mehr Väter sagen heute deutlich, dass sie nicht nur im Beruf, sondern auch in der Familie präsent sein wollen, und setzen damit ein Zeichen für eine familienfreundliche Arbeitswelt und ihre Chancen", betont Bundesministerin Ursula von der Leyen in ihrem Grußwort anlässlich der Preisverleihung "Spitzenvater des Jahres". Unter ihrer Schirmherrschaft vergab Ulrike Detmers am Mittwoch zum vierten Mal diese Auszeichnung.

Die Mitinhaberin der Großbäckerei Mestemacher will mit dieser Initiative die Verantwortung von Vätern in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich stärker verankern. "Noch ist die Zahl der in Teilzeit arbeitenden männlichen Mitarbeiter klein, aber sie wird tendenziell wachsen", sagt Anke Meier, Diversity Managerin bei Henkel.

29 Männer beschäftigt der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern in Deutschland in Teilzeit, 19 sind Tarif-Angestellte, zehn haben Managerposten inne. Das entspricht einem Anteil von 0,9 beziehungsweise 0,6 Prozent. Dagegen sind 482 weibliche Mitarbeiter bei Henkel nicht in Vollzeit beschäftigt, davon 116 Managerinnen. Ob diese Frauen und Männer überwiegend Erziehungsaufgaben übernehmen, dokumentiert das Unternehmen nicht, aber die Vermutung liege nahe, macht Meier deutlich.

Die Inanspruchnahme der zwei Monate Elternzeit, die parallel zur Erziehungszeit des anderen möglich ist, werde bei Tegut von Männern seit der gesetzlichen Einführung stärker genutzt, berichtet Karl-Heinz Brand, Geschäftsleitung Mensch und Arbeit. "Aus Arbeitgebersicht ist das völlig in Ordnung", betont er. Teilzeitregelungen werden grundsätzlich individuell mit dem Arbeitgeber besprochen, so Brand. Ziel sei es dabei immer, eine flexible Lösung zu finden.

Bei Henkel gibt es Teilzeitmodelle von 20 bis 39 Wochenstunden bis hin zu so genannten Home-Offices. Zu den familiengerechten Arbeitszeitmodellen gehört auch Vertrauensarbeitszeit, betonen Metro und Henkel. Beide unterhalten betriebseigene Kinderbetreuungsmöglichkeiten und werben intern für familienfreundliche Arbeitsmodelle. Sie sind auch eine Chance, ältere Familienmitglieder zu versorgen.

Wenn Männer stärker an flexiblen Arbeitszeiten interessiert sind, zeichnet sich umgekehrt eine größere Bereitschaft von Frauen ab, trotz Kindern möglichst in Vollzeit berufstätig zu bleiben. Diese Zahl nimmt bei Henkel zu. Elternzeit wird von Männern, aber auch von Frauen mit einem temporären Karriereknick verknüpft - vor allem zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Traditionell ist diese Angst bei Männern immer noch größer als bei Frauen, weiß Detmers. Offen gegenüber flexiblen Arbeitszeiten zeigen sich ihrer Erfahrung nach vor allem hochqualifizierte Männer aus dem IT-Bereich.

Elternzeit in Anspruch zu nehmen, ist eine individuelle Entscheidung. "Die tradierte Geschlechterkultur wird sich jedoch mit der Verknappung talentierter Köpfe weiter verändern", prognostiziert Detmers.

Die Preisträger:

Der Preis "Spitzenvater des Jahres" wird seit 2005 von der Mestemacher-Gruppe, Gütersloh, vergeben.

Die diesjährigen Preisträger sind Andreas Schnegg und Helmut Altenhoff. Sie erhalten je 5.000 Euro. Der Mathematiker und der Förster verkürzten ihre Wochenarbeitszeit, um sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. (juh)

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