"Tue Gutes und sprich nicht darüber"

von Judit Hillemeyer
Freitag, 31. August 2007
Unternehmen in beiden Ländern bekennen sich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung - unabhängig von ihrer Größe. 96 Prozent der deutschen Arbeitgeber unterstützen kulturelle, soziale, erzieherische oder sportliche Einrichtungen und Projekte. Es dominieren dabei vor allem Geld- und Sachspenden im regionalen Umfeld. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Studie "Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland und den USA" vom CCCD Centrum für Corporate Citizenship Deutschland, Berlin.



"Die Mehrheit der Befragten hierzulande betreibt gesellschaftliches Engagement nicht aus eigener Initiative, sondern reaktiv", so Dr. Frank Heuberger, CCCD-Vorstandsmitglied und verantwortlich für die Studie. Weniger als 40 Prozent der befragten Firmen suchen aktiv nach eigenen Handlungsfeldern und Einsatzmöglichkeiten.

Die meisten betrachten Corporate Citizenship als Feld für Philanthropie und Wohltätigkeit. So geben viele Hersteller und Händler Lebensmittel an die Tafeln ab. Darüber hinaus unterstützt beispielsweise Tegut SOS-Kinderdörfer; Beiersdorf protegiert mit Casa Nivea die Schul- und Berufsqualifikation benachteiligter Kinder und Jugendlicher in Brasilien; Lekkerland spendet an Unicef; Drogeriemarkbetreiber dm fördert mit der Aktion Zukunftsmusiker in Kooperation mit Interessengemeinschaften aus Kultur und Industrie die Musikalität von Kindern.

"Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst", sagt dm-Geschäftsführer Manfred Stoffel-Kehry. "In erster Linie geht es darum, Kindern die Welt der Musik zu eröffnen." Die damit verbundene Imageverbesserung sei ein Sekundäreffekt. "Wir unterstützen SOS-Kinderdörfer aus sozialer Verantwortung nach dem Motto tue Gutes und sprich nicht darüber," sagt Karl-Heinz Brand, Geschäftsleitung Mensch und Arbeit bei Tegut.

Wohltätigkeit im Vordergrund

Deutsche handeln - anders als Amerikaner - nicht nach einem integrierten, strategischen Konzept. In Deutschland erwarten nur 40 Prozent der Unternehmen - unabhängig von der Unternehmensgröße - einen positiven wirtschaftlichen Effekt von ihrem Engagement. In den USA hingegen setzen 63 Prozent aller Unternehmen (unter den Großunternehmen sind es sogar 84 Prozent) darauf, dass gesellschaftliches Engagement unmittelbaren geschäftlichen Nutzen für sie hat. Fast die Hälfte der Unternehmen in Deutschland misst dem gesellschaftlichen Engagement beispielsweise keine Bedeutung für die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern bei.

In den USA vertreten nur 15 Prozent diese negative Einschätzung. Und während in Deutschland mehr als ein Drittel der Unternehmen überzeugt ist, dass ihr gesellschaftliches Engagement keine Bedeutung für ihre Kunden hat, verneinen in den USA nur 11 Prozent diesen Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und Engagement.

Attraktivität des Arbeitgebers

Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen ist in Deutschland nicht neu. Im Mittelstand seien es vor allem die Inhaber, die aktiv werden, sagt Heuberger. Konzerne setzten dagegen CSR-Projekte eher gezielt strategisch ein. Dabei habe Corporate Citizenship sowohl interne als auch externe Wirkung. Es verstärkt die Mitarbeiterbindung und erhöht die Attraktivität des Arbeitgebers. In den USA, so die Erfahrung Heubergers, orientieren sich sogar Hochschulabsolventen bei der Arbeitssuche an den CSR-Aktivitäten der Arbeitgeber. Umgekehrt achten deutsche Arbeitgeber auf soziale Kompetenzen ihrer Bewerber.

Noch fehle vielen deutschen Unternehmen die Überzeugung, dass gesellschaftliches Engagement wirtschaftlichen Nutzen bringe, findet Heuberger. Dennoch: "Unsere Untersuchung zeigt viel Potenzial, Gemeinwohl- und Geschäftsinteressen stärker als bisher miteinander zu verbinden - zum Nutzen der Unternehmen und zum Nutzen der Gesellschaft." Der Blick auf die Prioritätenliste der Engagementfelder zeige in den USA ebenso wie in Deutschland eine relative Nähe zu "harten" Unternehmensinteressen.

Darüber hinaus fordert Heuberger, die Bürgergesellschaft sollte in Deutschland selbstbewusst ihre eigenen Nutzenerwartungen und Ansprüche an Corporate Citizenship formulieren. (juh)

Schlagworte zu diesem Artikel:

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats