IT-Nutzung im Job Verbote bringen wenig

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 12. Dezember 2013
Vier von zehn Mitarbeitern nutzen am Arbeitsplatz trotz Verbot private Handys und Computer. Besonders Ältere und Berufseinsteiger lassen sich hier nicht gern etwas vorschreiben.
Es ist der Alptraum jeder IT-Abteilung: Mitarbeiter surfen und chatten im Büro mit ihren eigenen Tablet-Computern und Smartphones. Nur in wenigen Unternehmen herrscht eine "Bring your own Device"-Firmenpolitik, das heißt, es ist den Kollegen erlaubt, ihr privates IT-Equipment auch am Arbeitsplatz zu nutzen. Ansonsten ist so etwas meist nicht gern gesehen.

Doch die Cerberusse der hauseigenen IT können sich ihre Mahnungen sparen. Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die Professor Björn Niehaves von der Hertie School of Governance bei einer Vortragsveranstaltung der Stiftung Europrofession vorgestellt hat. Denn quer durch alle Altersgruppen setzen sich vier von zehn Angestellten ohnehin wissentlich über derartige Verbote hinweg.

Erwartungsgemäß ist der Anteil der Regelbrecher unter jungen Berufseinsteigern von 18 bis 24 Jahren mit 49 Prozent besonders hoch. Etwas angepasster zeigt sich die Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen, von denen sich 38 Prozent über das Verbot hinwegsetzen. Am gehorsamsten agieren 25- bis 34-Jährige, von denen nur jeder Dritte auf die Vorschriften pfeift.

Digitale Diversität macht Arbeitgeber attraktiv

Überraschenderweise sind es aber gerade ältere Arbeitnehmer über 55 Jahren, die sich in Sachen IT-Nutzung am wenigsten vorschreiben lassen: Mehr als jeder Zweite (52 Prozent) nutzt seine privaten IT-Geräte am Arbeitsplatz, auch wenn es verboten ist. "Ein gestandener Manager lässt sich sein Tablet eben nicht verbieten", erklärt sich Niehaves diesen hohen Anteil renitenter Silver-Ager.

Über alle Alterskohorten hinweg würden zudem 51 Prozent der Mitarbeiter gegen IT-Richtlinien verstoßen, wenn sie glauben, auf diese Weise ihren Job besser erledigen zu können als mit dem vom Arbeitgeber gestellten Equipment. Nach Ansicht Niehaves‘ kämpfen IT-Abteilungen, die darauf mit immer mehr Reglementierungen reagieren, auf verlorenem Posten. Viel sinnvoller, als die Menschen an eine bestehende IT-Landschaft anzupassen, sei es, die Technikausstattung an den Bedürfnissen der Beschäftigten auszurichten: Statt "People to Technology" laute der Zukunftstrend "Technology to People".

Das sei auch im Sinne der Mitarbeiterbindung. Denn jeder vierte 18- bis 24-Jährige ziehe einen Wechsel des Arbeitgebers in Erwägung, sofern er seinen Arbeitsplatz technologisch nicht selbst gestalten könne. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind das 13 Prozent, bei den 35-bis 44-Jährigen immerhin noch 11 Prozent. "Digitale Diversität" trage also auch zur Attraktivität einer Employer Brand bei.

(cd)

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