Vereinbarkeit "Handel treibt Familienfreundlichkeit ernsthaft voran"

von Julia Wittenhagen
Freitag, 23. Dezember 2016
Oliver Schmitz : Mit Vereinbarkeit kennt der Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH sich aus.
berufundfamilie Service GmbH
Oliver Schmitz : Mit Vereinbarkeit kennt der Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH sich aus.
Seit 1998 sind über 1.600 Arbeitgeber mit dem Zertifikat zum Audit berufundfamilie ausgezeichnet worden. Neuerdings wirbt auch der Handel damit.

Herr Schmitz, das Audit von berufundfamilie nutzen Unternehmen seit vielen Jahren, um ihr Familienbewusstsein zu demonstrieren. Warum ist der Lebensmitteleinzelhandel so spät eingestiegen?

Weil die Rahmenbedingungen bei Samstagsarbeit und Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr besonders schwierig sind. Dafür ist jetzt der Bann gebrochen: Rewe hat mit Rewe West begonnen, dann kamen Großhandel, selbstständige Einzelhändler und in diesem Jahr Toom dazu. Edeka Südwest war vor drei Jahren Vorreiter für Großhandel, Produktionsunternehmen und Edeka-Händler. Trotz ihrer komplexen Strukturen weiß ich von beiden Handelsgruppen, dass sie Familienfreundlichkeit mit großer Ernsthaftigkeit vorantreiben.



Warum?

Weil sie merken, wie wichtig das Thema ist, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden.



Vor welchen Herausforderungen stehen Händler, wenn die Ansprüche an Vereinbarkeit wachsen?

Vor sehr großen. Früher war Vereinbarkeit Kinderbetreuung, heute gehören auch viel schwieriger planbare Ereignisse wie die Pflege dazu. Pflegefälle dauern im Schnitt 8,2 Jahre auf – in wechselnder Intensität. Wir glauben, dass Arbeitgeber gefordert sind, lebensphasenorientiert auf diverse Lebensstile einzugehen.

Inwiefern bietet das Audit Unterstützung? Gemeinsam mit den Unternehmen stellen wir ein Portfolio an realisierbaren Maßnahmen zusammen, um Wünsche wie Teilzeit am Vormittag, Home-Office oder Ad-Hoc-Pflege umzusetzen. Wir raten aber auch, Mitarbeitern Grenzen zu setzen und nicht jeden Wunsch durchzuwinken.

Mit wie viel Aufwand ist ein Audit verbunden?

Zunächst erheben wir, was schon angeboten wird, strukturieren die Themen und vertiefen sie in Workshops. Nicht der Status quo wird zertifiziert, sondern die Weiterentwicklung durch konkrete Schritte. Wie werden Absprachen zur Stundenreduktion getroffen, wo bekommen Mitarbeiter Erst-infos zu Pflege? Ziel des Audits ist es, zu einer Kultur beizutragen, in der jeder mit seinem Vorgesetzten offen über private Verpflichtungen sprechen kann – und eine entsprechend geschulte Führungskraft vorfindet.

Worum wird es 2017 gehen? Teilzeitkräfte mit spannenden Aufgaben stärker einzubinden und ältere Mitarbeiter arbeitsfähig zu halten. Es darf uns nicht mehr passieren, dass durchs Raster fällt, wer nicht Vollzeit arbeitet.

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