Gelebte kulturelle Distanz

von Judit Hillemeyer
Freitag, 31. Oktober 2008
PDF zum Ausdrucken
PDF zum Ausdrucken
Deutsche Mitarbeiter werden nur mäßig auf internationale Einsätze vorbereitet. Zudem richten Unternehmen ihre Managementinformationssysteme nicht darauf aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Actinium Consulting.



Obwohl die Unternehmen ihre Geschäftsaktivitäten seit geraumer Zeit verstärkt internationalisieren, gehen sie kaum auf kulturelle Besonderheiten in ihren Zielländern ein.

Die kulturelle Vorbereitung der Mitarbeiter
PDF zum Ausdrucken

Sie bereiten weder ihre Mitarbeiter auf die Einsätze vor, noch richten sie ihre Marktkommunikation und die Managementführungssysteme darauf aus.

Der branchenübergreifenden Studie zufolge entscheiden die Firmen zu 84 Prozent vornehmlich nach fachlichen Kompetenzen, wer von den Mitarbeitern international eingesetzt wird. Fremdsprachenkenntnisse seien schon seltener erforderlich, noch weniger spielten kulturelle Affinitäten eine Rolle.

Sie seien nur in jedem sechsten Fall ein Auswahlkriterium. Zudem fehle es den Unternehmen weitgehend an etablierten Strukturen, um das Personal auf seine internationalen Einsätze vorzubereiten. Sie bestehen nur in 18 Prozent der Firmen, bei weiteren 31 Prozent gibt es zumindest Ansätze, sagen die Analysten.

Lediglich 41 Prozent bieten ein Sprachtraining an, bei der Schulung in der Landeskultur ist es sogar nur ein Fünftel. Noch weniger Betriebe unterstützen ihre Mitarbeiter mit kulturellem Coaching im Ausland.

Geringe Orientierung

Vier von fünf Firmen wenden dafür insgesamt weniger als fünf Tage auf, weitere 13 Prozent zwischen sechs und zehn Tagen. Bei der kulturellen Begleitung vor Ort beschränken sich rund 90 Prozent auf insgesamt maximal zwei Tage.

Interessant an den Ergebnissen der Studie ist, dass sich die Unternehmen in ihrer internationalen Marketingkommunikation nur sehr zurückhaltend auf die kulturellen Besonderheiten der betreffenden Länder beziehen.

Dies erfolgt in ausgeprägter Weise nur in jedem fünften Fall, bei 38 Prozent zumindest teilweise. Eine bestenfalls geringfügige Orientierung an den spezifischen Landesverhältnissen findet bei 41 Prozent der Firmen statt.

Nationale Benutzerführung

Noch problematischer sehe es bei den Informationssystemen für das Management (MIS) aus. Dort, wo es lokale Anpassungen gibt, wurden sie zu 18 Prozent auf der inhaltlichen Ebene vorgenommen und zu 11 Prozent in sprachlicher Hinsicht. Andere Aspekte, wie etwa eine landesspezifische Benutzerführung, werden hingegen selten berücksichtigt.

"Es ist erstaunlich, mit welcher Inkonsequenz die Internationalisierung betrieben wird", so Actinium-Geschäftsführer Klaus Hüttl angesichts der Befragungsergebnisse.

Dass die lokalen kulturellen Gegebenheiten weitgehend ignoriert werden, trage vermutlich zu einer wesentlichen Mitverantwortung für die häufigen Integrationsschwierigkeiten in die dortigen Märkte bei, problematisiert er.

Paradebeispiel dafür ist das Scheitern Wal-Marts in Deutschland. "Schon innerhalb Europas gibt es gewaltige kulturelle Unterschiede, in anderen Regionen der Welt sind diese sogar noch größer (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats