Mitarbeiter im Outdoor-Verfahren auswählen

von Redaktion LZ
Freitag, 15. September 2006
Outdoor Assessment, Foto: Ellernhof
Outdoor Assessment, Foto: Ellernhof
LZ|NET. Das neue Outdoor Assessment Center des Trainingszentrums Ellernhof versucht, den Berufserfolg von Kandidaten zu prognostizieren. Analysiert werden Sozialkompetenzen und Teamfähigkeiten potenzieller Führungskräfte.



Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich zwei Drittel der Einstellungsentscheidungen innerhalb von zwölf Monaten als falsch erweisen. Trotz immer umfangreicherer Testbatterien, ausgefeilterer Interviewtechniken und Assessment Center (AC) gelingt es nur unzureichend, den späteren Berufserfolg von Teilnehmern verlässlich zu prognostizieren. Doch 100 000 Euro und mehr kostet jede Fehlbesetzung, schätzen Experten.

Eine höhere Prognosequalität als in klassischen AC verspricht nun Peter Timmermann, Eigentümer des Trainingszentrums Ellernhof in der Lüneburger Heide, der in Kooperation mit Wissenschaftlern zweier Hochschulen ein so genanntes Outdoor Assessment Center entwickelt hat. Das Verfahren wurde laut Timmermann eineinhalb Jahre lang erprobt und habe sich bewährt.

"Outdoor" bedeutet nicht unkontrolliertes Abenteuer. Statt etwa im Kanu durch die Wildnis zu paddeln und abends am Lagerfeuer die Teilnehmer zu bewerten, haben Timmermann & Co. standardisierte Abläufe und eine laborähnliche Situation mit Aufgaben geschaffen, die in exakt definierten Phasen zeigen sollen, welcher Kandidat über welche Fähigkeiten verfügt.

"Die Aufgaben erfordern ein hohes Maß an Konzentration, so dass ich die Beobachter völlig vergessen habe", reflektiert etwa Trainee Judith Freiling, nachdem sie von ihrem Team von der riesigen 13 Meter hohen und elf Meter breiten Holzleiter abgeseilt wurde.

Und genau dieses Involviertsein ist es, was die Outdoor-AC-Entwickler erreichen wollen. "Nur so ist sicher gestellt, dass sich die Teilnehmer authentisch verhalten und deutlich wird, was sie tatsächlich können", erklärt Timmermann.

Anders als im klassischen Assessment Center will der Ellernhof verhindern, dass sich Teilnehmer situativ in Szene zu setzen versuchen oder Fähigkeiten vorgaukeln, über die sie in Wirklichkeit nicht verfügen.

Durchhalten und durchsetzen

Wie akribisch die Outdoor-AC-Entwickler vorgingen, zeigt sich auch daran, dass sie Aufgaben konzipiert haben, bei denen sich die zu beobachtenden Fähigkeiten, etwa das Durchsetzungsvermögen oder das Durchhaltevermögen der Teilnehmer, trennscharf erfassen lassen. Ebenso ist sicher gestellt, dass das für einen Teilnehmer typische Verhalten nicht nur in einer Übung deutlich wird, sondern auch bei allen anderen Aufgaben beobachtbar ist.

Um die sonst für AC typischen Bewertungsverzerrungen der Beobachter zu verhindern, wurde auch das Beurteilungssystem verbessert. Die im Vorfeld geschulten Beobachter nutzen verhaltensorientierte Bewertungsskalen (Behavior Expectation Scales), mit deren Hilfe sie das Verhalten der Probanden in den jeweiligen Aufgabenphasen dokumentieren können.

In dem extra angelegten 100 qm großen unterirdischen Labyrinth etwa, das mit Infrarotkameras, Bewegungssensoren und Gegensprechanlage ausgestattet ist, können die Beobachter im Regieraum des Labyrinths sehen, wie die einzelnen Teilnehmer interagieren und handeln.

Unternehmen, wie beispielsweise die Edeka Zentrale in Hamburg, schickten bereits Mitarbeiter zum Ellernhof, die sich einen Eindruck von dem Verfahren verschafften. Deren Resonanz war, wie auch bei den Probanden, sehr gut - nicht nur wegen der Chancengleichheit der Teilnehmer.

"Ich habe schon ein herkömmliches AC hinter mir, aber hier wird bewertet, wie ich wirklich bin", berichtet Judith Freiling. Das kann der Arbeits- und Organisationspsychologe Prof. Ansfried Weinert von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg nur unterstützen - er hält die Methode, "für das Beste, was ich bisher gesehen habe".

Doch der Ansatz hat auch seine Grenzen. "Einen IQ-Test etwa können wir nicht abdecken", sagen die Entwickler. Daher bietet der Ellernhof auch eine Kombination aus Outdoor- und Indoor-AC an. Über ACs wird gern gesagt: "Wer eines kennt, kennt alle." Auf das Outdoor-AC trifft das nicht zu. Hier werden die Aufgaben variiert und je nach Anforderungsprofil der Tätigkeit zusammengestellt.

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