Was macht eigentlich...

von Jörg Konrad
Freitag, 07. November 2008
Rolf Kunisch
Rolf Kunisch
Seine Stimme klingt ruhig wie eh und je. Dr. Rolf Kunisch, im Mai 2005 mit Erreichen der Altersgrenze aus dem Amt geschiedener Vorstandsvorsitzender des Kosmetik- und Körperpflegekonzerns Beiersdorf, macht einen gelassenen Eindruck.

Die Anspannung früherer Tage ist weg. Das sei ein nicht zu unterschätzendes Privileg seiner "ganz normalen Rentnertätigkeiten", sagt Kunisch, der nach 11-jähriger Tätigkeit bei dem Hamburger Konsumgüterhersteller den Stab an Thomas B. Quaas übergab. Dass der Wechsel und die Unternehmensentwicklung im "Vergleich zum Wettbewerbsumfeld harmonisch verlaufen ist", beobachtet der 2003 von der LZ mit dem "Goldenen Zuckerhut" ausgezeichnete Spitzenmanager mit Freude.

Herr Nivea

Zumal er - was selten genug in der FMCG-Branche vorkommt - seinen Nachfolger im Amt maßgeblich mit auswählen durfte. Einige wenige Aufsichtsrats- und Beiratsfunktionen nimmt der vormalige "Mister Nivea" noch wahr: Bei der Hamburger Maxingvest AG sitzt er im Kontrollgremium, ebenso bei deren Mehrheitstochter Beiersdorf und bei Oetker. Neben Ulrich Lehner, dem ehemaligen Henkel-Chef, ist er der "einzige Externe" im Beirat des Bielefelder Nahrungsmittelunternehmens.

Darauf ist Kunisch stolz. Er nimmt die ihm übertragene Verantwortung ernst. "Menschen mögen gar nicht so gerne Aufsicht und Rat. Insofern sollte man sich auf das konzentrieren, was man noch kann und wo das eigene Wissen noch gefragt ist."

In erster Linie kümmert sich der Ex-Markenmacher um seine Familie. Als scherzhaft selbsterklärter "PIP - Previously Important Person" (ein ehemals wichtiger Mensch; in Anlehnung an VIP - "Die fangen jeden Satz mit den Worten an: Don’t you know, how important I was?") drückt er sich auch nicht vor häuslichen Arbeiten. "Inklusive Staubsaugen!"

Zukunftspläne und Selbstironie

Diese Freizeitbeschäftigung hatte Kunisch in einem seiner letzten Interviews vor dem Leben danach auf die Frage zu seinen Zukunftsplänen als Rentier mit der ihm eigenen Fähigkeit zur Selbstironie angekündigt. Ebenso wie einen längeren Aufenthalt in Indonesien. Auch das ist so gekommen.

Zwei Jahre haben der studierte Wirtschaftsingenieur und seine Frau, die Chemikerin Irma Gold, nach dem Ausscheiden aus dem Amt in Yogyakarta auf der indonesischen Insel Java verbracht.

"Um nicht in ein Loch zu fallen", meldet sich Rolf Kunisch, der vor seiner Beiersdorf-Zeit 22 Jahre lang für Procter±&±Gamble in unterschiedlichen Führungspositionen tätig war und dort das Marken-Handwerk von der Pike auf gelernt hat, kurzentschlossen an der dortigen Universität.

Der Pensionär, der im Verlauf seiner 40-jährigen Karriere "am liebsten Brand-Manager" war, fragt kurzentschlossen, ob er gebraucht werde. Und hält schon bald Post-Graduated-Vorlesungen über Strategic Management. Was sonst?

Erfahrungen sammeln

Der Auslandsaufenthalt hat Spuren hinterlassen. Nicht äußerlich. "Wir haben Erfahrungen gesammelt, die man sonst nicht macht", berichtet Kunisch nachdenklich. Erst wenige Monate im Land, erlebt der gestandene Entscheider im Mai 2006 ein schweres Erdbeben.

Fortan betätigt er sich sozial, baut eine zerstörte Schule mit auf und unterstützt Lehrer wie Bildungsstätte auch finanziell. Noch heute ärgert er sich über die "NGOs, die nicht in die abgelegenen Dörfer fernab der großen Überlandstraßen kamen".

Nach zwei Jahren ging’s zurück nach Deutschland. "Wir waren froh, wieder zuhause zu sein. Vieles findet man dann ja auch hier schöner als zuvor." Es folgt der Umzug ins neue Heim nach Überlingen am Bodensee - mit Blick direkt aufs Wasser.

Von dort aus kümmert sich der heute 67-Jährige, den frühere Mitarbeiter als "zielstrebig, dabei frei von Allüren, Hierarchiedenken und autoritären Anwandlungen" beschreiben, um die Eltern, seine drei Töchter und die fünf Enkelkinder.

Wenn es das Wetter zulässt, geht er gern im Bodensee schwimmen. Ansonsten stehen Wanderungen und Spaziergänge auf dem Programm des in Arolsen bei Kassel geborenen Hessen.

In die Ferne zieht es ihn vorläufig nicht mehr. Alte Kollegen und Mitstreiter trifft er, wenn überhaupt, nur zufällig auf dem Weg zum Flieger. Mit Branchenevents habe er abgeschlossen, sagt er dann noch. Man müsse wissen, wann es genug ist. Auch das mache eine Führungskraft aus. (kon)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats