Was wurde aus . . .

von Martin Mehringer
Freitag, 15. August 2008
Hans-Joachim Körber, Foto: LZ
Hans-Joachim Körber, Foto: LZ
Ganz einfach: Sich an Höchstleistungen anderer erfreuen. Nach über sieben Jahren als Vorstandschef des Düsseldorfer Handelsriesen Metro beschränkt sich der 62-Jährige auf die Rolle des Zuschauers und Aufsehers.



Ob aktuell als Tribünengast bei den Olympischen Spielen in Peking, vor wenigen Wochen bei einer Radtour durch den Schwarzwald oder beim Besteigen des Großglockner - der Faktor Spaß verdrängt allmählich das Gewicht der Arbeit. "Ich muss mir nichts mehr beweisen", sagt Körber. Früher lautete seine Devise: "Kleinkriegen lässt du dich nicht."

Dabei hatte der promovierte Braumeister seinen einstigen Leitspruch zuletzt selbst nicht mehr mit allerletzter Konsequenz befolgt. Nachdem der Haniel-Clan seinen Metro-Anteil im Herbst 2007 auf über 34 Prozent nahezu verdoppelt und Einschnitte angekündigt hatte, zog Körber wenig später die Konsequenzen. Drastische Eingriffe am Unternehmensportfolio galten dem gebürtigen Braunschweiger als falscher Weg.

Zum 31. Oktober letzten Jahres nahm er vorzeitig seinen Hut. Langeweile kommt bei dem Sportfan jedoch nicht auf. "Ich habe viel zu tun", erzählt er wenig reumütig. Körber ("am besten macht man Karriere, indem man Menschen trifft, die einem mehr zutrauen, als man aktuell kann ...") ist nach vorherigen Stationen im Controlling der Oetker-Gruppe und der Geschäftsführung der Sektkellerei Söhnlein seiner Wahlheimat Düsseldorf treu geblieben. Von dort aus leitet er ein kleines Büro in der Innenstadt.

Seine neue Schaltzentrale. Denn: Seine Dienste sind noch immer gefragt. Körber sitzt unter anderem in den Aufsichtsräten des Modehändlers Esprit International, Hongkong, des Nahrungsmittelkonzerns Sysco Corporation, Houston, sowie bei Bertelsmann und Air Berlin. Finanzielle Sorgen dürften ihn zudem so schnell nicht in eine operative Führungsposition treiben. Allein 19,3 Mio. Euro überwies ihm kürzlich sein früherer Arbeitgeber Metro. Die Ansprüche aus Vertrag und Betriebsrente bilden ein nettes Startkapital für selbstständiges Wirken.

Bei aller demonstrierten Gelassenheit hat der Manager noch Ziele. Es zieht ihn nach Russland. Welche Tätigkeiten er sich in Medwedews Riesenreich vorstellen kann, bleibt jedoch vorerst ein Geheimnis. Erst einmal ist Genießen angesagt. Schließlich wird Körber auch für China eine Vorliebe nachgesagt. mm/lz 33-08 (mm)

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