LZ-Umfrage zum Ausbildungsjahr Wettbewerb um die besten Azubis

von Redaktion LZ
Donnerstag, 14. August 2014
Das Fundament des Handels: Im LEH kann man mit einer Lehre noch immer sehr weit kommen. Bis in jede Schulklasse hat sich das allerdings noch immer nicht herumgesprochen.
LZ-Archiv
Das Fundament des Handels: Im LEH kann man mit einer Lehre noch immer sehr weit kommen. Bis in jede Schulklasse hat sich das allerdings noch immer nicht herumgesprochen.
LZnet/Christiane Düthmann. In diesen Wochen starten die neuen Azubis im Handel ihren beruflichen Werdegang. Noch sind in den Unternehmen viele Ausbildungsplätze zu haben. Die Vakanzen erreichen bis zu einem Drittel der ausgeschriebenen Stellen, ergab eine Branchenumfrage der LZ.
 

Azubis sind das personelle Fundament des Einzelhandels. Noch immer kann es ein erfolgreicher Lehrling in dieser Branche bis ganz nach oben schaffen. Entsprechend viel Wert legen die Unternehmen auf die Versorgung ihrer Talent-Pipelines mit Schulabgängern. Mehr als 11.000 Azubis beschäftigt allein der Edeka-Verbund, und das ohne seinen Discountableger Netto, der es auf zusätzlich rund 6.500 Lehrlinge bringt.

 

Und wie jedes Jahr suchen die Unternehmen auch 2014 hunderte, wenn nicht tausende Neulinge, vor allem in den beiden Kernberufen der Branche: Verkäufer und Einzelhandelskaufmann. Eine Suche, die längst nicht in jedem Fall von Erfolg gekrönt ist. Viele Ausbildungsplätze werden keine geeigneten Anwärter finden.

 

Die Angaben aus den befragten Personalabteilungen variieren. So rechnet Hornbach damit, wie schon in den vergangenen Jahren alle Stellen besetzen zu können, Globus hat diese Ziel beinahe schon erreicht. Die Metro Group geht von etwa 5 Prozent freibleibender Stellen aus. Bei Tengelmann ist aktuell noch ein Drittel der Ausbildungsstellen frei, bei Rewe ein gutes Fünftel.

 

Lebensmittelhandwerk im Hintertreffen

 

Besonders angespannt ist die Lage bei den handwerklichen Berufen, wie etwa dem Fleischer, oder den Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk. "Teilweise haben wir hier Besetzungsquoten von 45 Prozent", meldet Rewe. "Für die gewerblichen Berufe gehen deutlich weniger Bewerbungen ein", heißt es von Tengelmann. Die Ausbildungsverantwortlichen bei Real können ebenfalls ein Lied davon singen. "Dieser Bereich ist leider bei vielen Schülern nicht die erste Wahl."

HDE-Geschäftsführer Wilfried Malcher bestätigt: "Berufe im Lebensmittelhandwerk schneiden auf der Attraktivitätsskala schlechter ab als die Kernberufe des Einzelhandels – deshalb qualifiziert die Mehrzahl der Händler inzwischen lieber Einzelhandelskaufleute für die Anforderungen an der Bedientheke weiter."

Selbstbewusst und selbstbestimmt: Auch bei den Azubis machen sich die veränderten Werte der Generation Y bemerkbar.
Als Beispiel führt der Bildungsexperte Edeka mit der Zusatzqualifikation zum Frischespezialisten an. Insgesamt rechnet der HDE in diesem Jahr mit "Vakanzen im fünfstelligen Bereich" bei den Ausbildungsplätzen im Handel – womit sich das Problem gegenüber 2013 erneut verschärft.

 

Mehr Vakanzen als im Vorjahr

Uneins sind sich die Befragten aus den Unternehmen bei der Bewertung der Bewerber. Rossmann, dm und Hornbach beispielsweise äußern sich grundsätzlich zufrieden mit den Jugendlichen. Der Baumarktbetreiber hat sich allerdings "vom reinen Blick auf die Noten fortbewegt" und betrachtet stattdessen die Kompetenzen der Bewerber. Dazu wurde ein Internettest entwickelt.

Lidl verzeichnet mitunter "Defizite im schulischen Bereich", auf die der Discounter mit "gezieltem Förderunterricht und Nachhilfe während der Ausbildung" reagiert. Rewe stellt zwar fest, "dass die Bewerber von Jahr zu Jahr besser qualifiziert sind, was die Schulabschlüsse betrifft". Doch die Qualität der Bewerbungen selbst sinke teilweise, heißt es aus den Regionen.

 

Der Handel bietet Nachilfe an

Rewe-Azubis kommen deshalb "in den Genuss umfangreicher betrieblicher Schulungen". Dabei geht es um Fachwissen und soziale Kompetenzen. Die stehen auch bei Globus hoch im Kurs: "Neben innerbetrieblichen Schulungen unterstützen wir unsere Auszubildenden deshalb in ihrer Persönlichkeitsentwicklung", betont der Großflächenspezialist.

Ähnlich argumentiert dm-Drogeriemarkt, wo eine individuelle Förderung der fachlichen und persönlichen Qualitäten der Bewerber stattfinde. "Denn Entwicklung bedeutet für uns nicht, dass wir Menschen dorthin bringen, wo sie für dm nützlich sind", unterstreicht Geschäftsführer Christian Harms den besonderen Stil des Hauses.

 

Tengelmann wünscht sich "einen höheren Grad an Berufsbildungsreife". Derzeit testet das Unternehmen ein Konzept, um lernschwächeren Jugendlichen Hilfen an die Hand zu geben. Die Bandbreite reicht von Nachhilfe in den betrieblichen Schulungen, Übungen in einem Intranet-Workplace bis zur Nutzung ausbildungsbegleitender Hilfen über die Arbeitsagenturen.

 

Metro registriert eine "im Vergleich zu den vergangenen Jahren nachlassende Qualität der Bewerbungen" und reagiert auf mehreren Ebenen: Die Vertriebslinien investieren in Personalmarketing, um höherqualifizierte Kandidaten anzusprechen, und richten ihr Augenmerk auf die Schulung der Ausbilder, um die Azubis zu unterstützen. Zum Teil werden eigens Nachhilfelehrer eingestellt, "um schulische Defizite auszugleichen".

Generation Y tritt selbstbewusst auf

Jugendliche konfrontieren ihre Arbeitgeber zunehmend mit veränderten Werten. "Die Generation Y tritt sehr selbstbewusst auf", konstatiert Metro. "Die jungen Menschen wissen genau, in welche Richtung sie gehen möchten." Dabei verlieren Status und Prestige von Arbeitsplätzen an Bedeutung.

"Bewerber fragen verstärkt nach Work-Life-Balance, Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten", berichtet Aldi Süd. Während der Discountprimus deshalb auf "gezielte Personalentwicklungsmaßnahmen" setzt, vertraut Rewe-Discounttochter Penny zudem auf Arbeitszeiten, "die Raum für das Privatleben lassen". Denn, das weiß auch Großflächenspezialist Globus: "Familie, Freunde und Freizeit haben heute einen deutlich höheren Stellenwert als bei vorherigen Generationen."

Work-Life-Balance und Weiterbildung sind gefragt

Selbstbestimmung ist bei den Jugendlichen heutzutage ebenfalls sehr gefragt. Bei Metro können Azubis deshalb in eigenen Projekten "früh Verantwortung übernehmen". dm-Geschäftsführer Harms beobachtet, dass junge Menschen "sich aktiv einbringen wollen". Das sei aber keine Erfindung der Generation Y. "Sie formuliert diesen Anspruch nur stärker als vorangegangene Jahrgänge."

Viele achten bei der Arbeitgeberwahl auf jedes Detail. Besondere Leistungen wie etwa "Übernahmechancen, Urlaubszuschuss, Smartphone oder Auslandspraktika" vergleicht die aktuelle Bewerbergeneration akribisch, so die Erfahrung bei Lidl. Rossmann dagegen kann "keine veränderten Werte der Generation Y feststellen". Und Hornbach will nicht alle über einen Kamm scheren: "Wie seit eh und je gibt es auch die weniger Anspruchsvollen, die einfach ihren Job machen möchten."

 


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